Kommentar: Neuer Aktienrückkauf: Adidas dient nur den Anlegern – nicht der Gesellschaft
Der Konzern ließ sich in der Coronakrise mit staatlich finanzierter Kurzarbeit sowie Darlehenszusagen und Konsortialkrediten stützen.
Foto: dpaVom 1. Juli an kauft Adidas bis Ende des Jahres eigene Aktien im Wert von bis zu 550 Millionen Euro zurück. Der Großteil wird eingezogen, also vernichtet. Die Adidas-Aktie erreichte nach dieser Ankündigung am Dienstag ein Rekordhoch.
Das ist folgerichtig: Weniger Aktien verknappen das Angebot, das treibt den Kurs. Obendrein verteilt sich der künftige Gewinn auf weniger Anteilsscheine. Das steigert die Profitabilität je Aktie und gemessen am Eigenkapital, das durch die eingezogenen Aktien sinkt. Das gilt auch dann, wenn die absoluten Gewinne nur stagnieren oder sogar zurückgehen, vorausgesetzt, genügend Papiere werden eingezogen.
Abgesehen davon, dass Adidas jetzt zu Höchstkursen zurückkauft, was ungeschickt ist und kein Anleger gern macht, ist das Programm gesellschaftspolitisch und moralisch verwerflich.
Bis zum 16. März 2020 kaufte der Sportartikelhersteller bereits eigene Aktien zurück, seit 2018 nach Handelsblatt-Berechnungen für insgesamt 2,07 Milliarden Euro. Im April vor einem Jahr erfolgte die Kehrtwende: Adidas strich seine bereits angekündigte Dividende und stoppte die Aktienrückkäufe.
Im Gegenzug schickte Konzernchef Kasper Rorsted 1200 seiner insgesamt 7000 deutschlandweit Beschäftigten in staatlich finanzierte Kurzarbeit und sicherte sich bei der staatlichen Förderbank KfW Darlehenszusagen und Konsortialkredite über insgesamt drei Milliarden Euro, um so pandemiebedingte Einnahmeausfälle zu überbrücken.
Adidas sollte nicht mehr von „Nachhaltigkeit“ und „Verantwortung“ sprechen
Rasch löste Adidas anschließend die Staatskredite wieder ab, bedankte sich beim Steuerzahler für die prompte Hilfe und besorgte sich stattdessen bei Banken und Anleihegläubigern frisches Geld in Milliardenhöhe. Zu überaus günstigen Konditionen mit Zinssätzen von zum Teil 0,0 Prozent. So günstig gibt es bei der KfW kein Geld.
Möglich machen solche Exzesse die Notenbanken, indem sie nicht nur Staaten, sondern auch Unternehmen ihre Anleihen abkaufen und so die Renditen auf null drücken. Die Währungshüter setzen ihre umstrittene Politik trotz des Wirtschaftsbooms und der Rekordgewinne der Unternehmen schon in diesem Jahr fort.
Am Ende bleibt die Erkenntnis: Aktionäre honorieren diese Praktiken mit Rekordkursen. Doch wenn Unternehmen so handeln wie Adidas, dann sollten sie Begriffe wie „Nachhaltigkeit“ und „gesellschaftliche Verantwortung“ besser nicht in den Mund nehmen. Stattdessen sollten sie ehrlich sagen: Das Unternehmen gehört allein den Anteilseignern und damit den Aktionären – und nur ihnen sind wir verpflichtet.