Ralf Thomas im Interview: Siemens-Finanzchef: „Wir haben großen Respekt vor der Software-Umstellung“
Der Siemens-Finanzvorstand ist zuversichtlich, dass die Umstellung auf ein neues Softwaremodell gelingt.
Foto: SiemensMünchen. Als Siemens-CEO Roland Busch im Juni seine Konzernstrategie vorstellte, reagierten die Kapitalmärkte zurückhaltend. Der Kurs, der sich vorher durchaus spannend entwickelt hatte, stagniert seither – bestenfalls. Vor allem die Umstellung des Geschäfts mit Industriesoftware vom Lizenzverkauf auf ein „Software-as-a-Service“-Mietmodell gilt als komplex. „So eine Transformation ist in der Tat eine große Herausforderung, daran haben sich andere verhoben“, räumte Siemens-Finanzvorstand Ralf Thomas nun im exklusiven Gespräch mit dem Handelsblatt ein. „Wir haben großen Respekt davor.“
Nach Abspaltung der margenschwachen Energietechnik will sich Siemens zum Digitalkonzern wandeln – und so die Börsenbewertung nach oben treiben. „Wir sind ein wachsendes Unternehmen, aber wir sind noch keine Wachstumsaktie“, sagte Thomas. „Dafür muss man drei, vier Jahre liefern.“ Dann aber könne Siemens am Aktienmarkt die höhere Tech-Bewertung erzielen.
Software-as-a-Service ist in der IT-Branche der große Trend. Allerdings verlief der Wechsel des Modells selbst bei Größen wie SAP schwierig. „Die Umstellung ist eine Chance für Siemens, den adressierbaren Markt zu vergrößern und insbesondere neue Kunden im Bereich der mittleren und kleinen Unternehmen zu gewinnen“, sagt Fondsmanagerin Vera Diehl von Union Investment. Die Siemens-Aktionäre würden „viel Geduld brauchen und wohl noch drei bis vier Jahre auf deutlich höhere Umsätze und die damit verbundenen Margensteigerungen warten müssen“.