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Kritik an RegierungsstrategieWarum diese drei Familienunternehmer eine Wasserstoff-Allianz schmieden

Max Viessmann, Jens Hanke und Mortimer Glinz sehen großes Potential für den Wasserstoff. Von der Politik fühlen sie sich nicht ausreichend unterstützt.Anja Müller 08.09.2021 - 17:41 Uhr Artikel anhören

Die Chefs der Viessmann-Gruppe, der Schmidt Kranz Group und der Graforce GmbH sorgen sich, dass die Innovationen mittelständischer Unternehmen in der Politik noch nicht angekommen sind.

Foto: Handelsblatt

Düsseldorf. Wasserstoff ist ein kompliziertes Thema – das gibt Jens Hanke zu. Deshalb holt der Gründer und technische Geschäftsführer von Graforce aus, um zu erklären, worum es geht: „In der Politik sprechen alle von grünem Wasserstoff, also solchem, der mittels Elektrolyse aus destilliertem Wasser Wasserstoff produziert.“ Grün ist er dann, wenn die dafür benötigte Energie aus erneuerbaren Quellen gewonnen wird. „Wir brauchen aber Verfahren, die weniger Strom benötigen als die 50 bis 60 Kilowattstunden bei der Elektrolyse.“

Sein Unternehmen Graforce hat sich daher darauf spezialisiert, Wasserstoff aus Schmutzwasser von Kläranlagen oder aus Biogas zu erzeugen. Das nötige Verfahren nennt sich Plasma-Elektrolyse. Dafür bräuchte man je nach Erzeugungsgrundlage nur zehn oder 20 Kilowattstunden Strom, sagt der Diplom-Mathematiker. Sein Problem: „Die Politik hat das nicht auf dem Radar.“

Was jeden Mittelständler aber unsicher mache, sei die Frage, wohin der CO2-Preis gehe, sagt Hanke. Wenn sich die Unternehmen aber dieser Technologien annähmen, dann sinke deren CO2-Bilanz deutlich.

Hanke ist nicht der einzige mittelständische Unternehmer, der sich um das Thema Wasserstoff kümmert und sich darum sorgt, dass die Innovationen mittelständischer Unternehmen in der Politik noch nicht angekommen sind. Auch Max Viessmann, Co-CEO des gleichnamigen Heizungs- und Klimaspezialisten, treibt das Thema um. Er hat am Mittwoch eine Veranstaltung im Berliner „Maschinenraum“ initiiert, in dem die Unternehmen ihre Anwendungen der Politik vorstellen.

„Deutschland ist ein Exportland für Wasserstofftechnologie“, sagt er. Er setzt sich dafür ein, diese Botschaft zu verbreiten. Insbesondere mittelständische Unternehmen generierten hierbei langfristige Wettbewerbsvorteile und stärkten so den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Mit Blick darauf, dass viele Politiker den Einsatz von Wasserstoff vor allem in der Chemie- und der Stahlindustrie vorsehen, fordert er auch die stärkere Anwendung im Gebäude- und Wärmesektor. Denn dort gebe es den größten Hebel und bereits heute technologische Lösungen für Wasserstoff, durch die eine steigende Nachfrage generiert werden könne. Das sei essenziell für Investitionen in die Erzeugung des Energieträgers. „Das höchste Ziel ist immer, am Ende des Transformationsprozesses nur noch grünen Wasserstoff zu haben.“

Kritik an der aktuellen Strategie der Bundesregierung

Aus Viessmanns Sicht wird „die aktuelle Debatte zu ideologisch, zu politisch und nicht lösungsorientiert genug geführt“. Für die Photovoltaik seien keine Anwendungen ausgeschlossen worden, Wasserstoff hingegen werde als Lösung für den Bereich Wärme und Gebäude kaum in Betracht gezogen.

Er verweist darauf, dass Gebäude als zentraler Baustein auch zur nationalen Wasserstoffstrategie in England, den Niederlanden und auch den USA und Japan gehörten. In der aktuellen Strategie der deutschen Regierung sei der Gebäudesektor zwar enthalten, aber nicht in ausreichendem Maße.

Auch Mortimer Glinz sieht ein Defizit bei der Aufmerksamkeit der Politik für verschiedene deutsche Technologien und Anwendungen. Der geschäftsführende Gesellschafter der Schmidt Kranz Gruppe sorgt sich vor allem darum, dass die „Wasserstoffentwicklung an Deutschland vorbeigeht.“

Seine Unternehmensgruppe bildet die gesamte Kette von der Wasserstofferzeugung bis zum Tanken ab. Er verweist auf die Schweizer Handelsunternehmen Migros und Coop. „Die haben trotz Konkurrenz einen Wasserstoffverein gegründet und organisieren mit heute 75 Wasserstoff-Liefertrucks ihren Verteilerverkehr. Die SK Gruppe habe die zehn Wasserstofftankstellen geliefert. „Das Projekt ist schon voll in Fahrt, wir verlieren in Deutschland leider Zeit wegen ideologischer Diskussionen in der Politik und in der Autoindustrie, wir sind nicht offen genug.“

Christopher Hebling, Sprecher des Fraunhofer-Wasserstoff-Netzwerks, sagt dazu: „Wir müssen die heimische Industrie unterstützen, aber auch globale Infrastrukturen für Wasserstoff aufbauen.“

Auch andere Moleküle als Wasser spalten

Hanke von Graforce sieht ein enormes Potenzial darin, auch andere Moleküle als Wasser zu spalten. „Wenn wir alle Klär- und Biogasanlagen anschließen, dann bekommen wir deutlich mehr Wasserstoff. Wenn wir den Kohlenstoff dann in Asphalt und Dachziegeln verarbeiten, haben wir wirklich CO2 aus der Atmosphäre gezogen.“

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DIW-Klimaforscherin Claudia Kemfert, die den Einsatz von Wasserstoff im Gebäude- und Wärmesektor ablehnt, sieht den Graforce-Ansatz zur Herstellung von Wasserstoff indes positiv: „Das ist vielversprechend, nachhaltig und somit ein wichtiger technologischer Baustein im Zuge der Energiewende“.

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