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FamilienunternehmenWas die neuen Mitglieder in der Hall of Fame auszeichnet

Standards setzen, Herausforderungen annehmen, Werte erhalten. Das verbindet die neuen Mitglieder der Hall of Fame der Familienunternehmen.Anja Müller 30.01.2025 - 15:07 Uhr Artikel anhören
Jury und neue Mitglieder der Hall of Fame der Familienunternehmen: „Frei rumspinnen, demokratisch diskutieren und diktatorisch entscheiden.“ Foto: argum für Handelsblatt

München. Neugier ist ein wichtiger Treiber – für Journalisten und für Unternehmerinnen und Unternehmer. Erkennbar ist das dann, wenn  170 von ihnen gebannt lauschen und es still im Saal des Münchener The Charles-Hotels wird. Am Mittwochabend wurde es mehrmals besonders still.

Seit 2009 ehrt das Handelsblatt gemeinsam mit der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG und der Stiftung Familienunternehmen zu Jahresbeginn herausragende Unternehmerpersönlichkeiten. Diesmal: Sabine und Wolf Herold, Hans Beckhoff und Michael Otto.

Ihre Erfolgsgeheimnisse, aber auch die derzeit unsicheren Zeiten zu verstehen, könnte auch helfen, das eigene Unternehmen resilienter aufzustellen. Handelsblatt-Chefredakteur Sebastian Matthes beschrieb, wie disruptiv Politik, Nachrichten und Technologien von einem Moment auf den anderen sein können.

Die Ausgangslage: Disruptionen in Politik, Wirtschaft und Technologie

Dreieinhalb Wochen vor der vorgezogenen Bundestagswahl am 23. Februar ist alles andere als klar, wie die Wahl aus- und wann es mit der Wirtschaft wieder aufwärtsgeht. Eine Ankündigung aus dem Weißen Haus in Washington jagt die nächste. Und eine KI-Firma aus China vernichtet mal eben 600 Milliarden Börsenwert des Chipkonzerns Nvidia – um nur die neuesten Nachrichten zu nennen.

Matthes sieht eine Spaltung der Welt in einen optimistischen und einen pessimistischen Teil. Während in den USA und in Asien Aufbruchstimmung herrsche, spreche man im pessimistischen Teil – Europa und besonders Deutschland – von Verlagerungen statt über Innovationen. Zugleich beunruhige ihn der vorauseilende Gehorsam der Tech-Unternehmer aus dem Silicon Valley. Und das Börsenbeben, dass die Künstliche Intelligenz des chinesischen Unternehmens Deepseek gerade ausgelöst habe, sei nur ein Fingerzeig auf die Disruptionen, die noch kämen.

Annett Meiritz, Handelsblatt-Korrespondentin in Washington, erklärte, dass man als Journalistin manchmal nachts um drei neugierig aufs Handy schaue, um zu gucken, was im Weißen Haus gerade wieder beschlossen worden sei – sie sprach von einem „Tsunami“ bei 150 Dekreten, Memoranden und Verordnungen in den ersten zehn Tagen  seit der Amtseinführung Donald Trumps.

Handelsblatt-Journalistin Annett Meiritz: Die US-Korrespondentin berichtete in einer Live-Schalte aus Washington. Foto: argum für Handelsblatt

Meiritz betonte, dass es nun die spannendste, aber auch verantwortungsvollste Aufgabe sei, den Leserinnen und Lesern Orientierung zu bieten. Denn auch, wenn die Wege Trumps umstritten seien, hätte seine Kritik häufig einen wahren Kern. Ihre Prognose für mögliche Zölle: „Er wird die härtere Variante wählen.“

Ladislava Klein, Mitglied des Vorstands von KPMG  verwies darauf, dass es Familienunternehmer durchaus besorgen sollte, wenn nicht nur sie Produktionsstätten in den USA aufbauten, in Sorge vor den angedrohten Zöllen, sondern immer mehr Start-ups den Weg in die USA antreten würden, anstatt mit den mittelständischen Familienunternehmen zu kooperieren: „Wir sollten die jungen Unternehmer nicht ziehen lassen“, mahnte sie.

Der Vorreiter: Was man von Maximilian Viessmann lernen kann

Still im Saal wurde es auch, als Maximilien Viessmann sich den Fragen von Handelsblatt-Chefredakteur Matthes stellte. Viessmann hatte vor etwas mehr als anderthalb Jahren das Kerngeschäft mit Wärmepumpen und Heizungen an den US-Konzern Carrier verkauft und dafür einen Anteil an dem US-Unternehmen sowie zwölf Milliarden Euro bekommen.

Maximilian Viessmann: Er hat seit dem Verkauf der Kernsparte des Familienunternehmens viele Investments getätigt, die die grüne Transformation vorantreiben. Foto: argum für Handelsblatt

Viessmann erklärte, dass er viele Familienunternehmer aufgeklärt habe, dass es bei dem Verkauf damals vor allem darum gegangen sei, Geschäftsbereiche, für die man nicht mehr der beste Eigentümer ist, durch andere zu ersetzen.

Der Schwerpunkt der aktuellen Investitionen liege bei der Viessmann Generations Group darin, Lebensräume für künftige Generationen zu schaffen. Zehn Investments hat das Familienunternehmen in den vergangenen Monaten getätigt, mit denen CO2 reduziert, gespeichert oder vermieden werden kann oder Gesundheit und Bildung gefördert werden.

Seine Botschaft an die Familienunternehmer: „Wir bleiben Familienunternehmen, weil wir uns an neue Umstände anpassen können.“

Erst am vergangenen Dienstag hatte Viessmann zudem bekannt gegeben, dass er an die vier demokratischen Parteien, CDU/CSU, SPD, FDP und Bündnis90/Die Grünen gespendet hat. Seine Begründung: „Wir sind der festen Überzeugung, dass wir alle einen Beitrag leisten müssen, damit dieses Land weiter demokratisch regiert wird.“ Und er fügte hinzu: „Es geht um viel.“ Da müsse die Wirtschaft mit am Tisch sitzen.

Auf die Frage, was die nächste Bundesregierung als Erstes anpacken müsse, sagte Viessmann: „Zuversicht verbreiten, eine Perspektive bieten. Das muss ganz oben im 100-Tage-Programm stehen.“

Die Geehrten: Ihre Erfolgsrezepte in unsicheren Zeiten

Kay-Sölve Richter und Hans Beckhoff: Die Moderatorin fragte den Unternehmer nach seinen Erfolgsrezepten. Foto: argum für Handelsblatt

So hat Hans Beckhoff, der im Faust’schen Sinne einst verstehen wollte, was die Welt im Innersten zusammenhält, vor allem immer auch nach ganz praktischen Lösungen in der Automation gesucht. Mit jeder Lösung, die er erfand, wuchsen Unternehmen und Resilienz im Gleichschritt. In 45 Jahren Beckhoff-Automation kam er von null auf mehr als 1,75 Milliarden Euro Umsatz.

Seine beiden Erfolgsrezepte halfen ihm auch durch unsichere Zeiten, erzählte er: Erstens jedes Jahr evolutionäre Verbesserungen hervorbringen, alle fünf Jahre aber eine Revolution, die neue Standards setzt. Aber auch sein Motto „Frei rumspinnen, demokratisch diskutieren und diktatorisch entscheiden“ bekam viel Beifall.

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Wie Beckhoff Automation seit 45 Jahren innovativ bleibt

Franz von Metzler sagte in seiner Laudatio: „Seine besondere Energie kann jeden motivieren, der sich als Unternehmer manchmal im Klein-Klein des Tagesgeschäfts gefangen fühlt.“

Unsicheres Terrain betraten auch Sabine und Wolf Herold, als die beiden sich entschlossen, den Klebstoffspezialisten Delo in einem Management-Buy-out zu übernehmen und daraus einen Innovations- und Wachstumschampion zu formen.

Moderatorin Kay-Sölve Richter und Delo-Chefin Sabine Herold: Die Unternehmerin hat den Spezialklebstoffhersteller vor 27 Jahren übernommen. Foto: argum für Handelsblatt

Ihr Erfolgsgeheimnis: „Wir nehmen uns unfassbar viel Zeit für unsere Bewerber.“ Letztlich müsse die Chemie stimmen, man müsse sich vorstellen, mit ihnen abends ein Bier trinken zu können, erklärte Sabine Herold. Das sei entscheidend, auch wenn jemand noch so schlau sei.

Hubertine Underberg-Ruder verriet in ihrer Laudatio noch ein weiteres Erfolgsgeheimnis, dass Delo rund 15 Prozent des Umsatzes von etwa 230 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung  steckt – etwa das Zwei- bis Dreifache des Üblichen. „Das ist sicher ein wesentlicher Grund dafür, dass Delo wächst – selbst in Krisenzeiten.“

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„Es geht auch darum, Spaß zu haben“: Delo hebt sich nicht nur durch Innovationen von der Konkurrenz ab

Unsicheres Terrain zu betreten, das hat auch Michael Otto erfolgreich gemacht. Er hat bereits in jungen Jahren die Nachfolge im damaligen Versandhandelsunternehmen angetreten und auf Wachstum und Diversifikation gesetzt. Er hat als einer der Allerersten in Deutschland den Weg in den Onlinehandel gewagt.

KPMG-Deutschlandchef Mattias Schmelzer betonte in seiner Laudatio, dass Otto gleich in doppelter Hinsicht Pionier sei. Nicht nur als einer der weltweit größten Onlinehändler, sondern auch als Pionier in der Nachhaltigkeit.

Michael Otto: Er setzte sich früher als die allermeisten Unternehmer für Nachhaltigkeit und Klimaschutz ein. Foto: argum für Handelsblatt

Im Interview mit Kay-Sölve Richter, die durch den Abend führte, erklärte Otto, der Bericht des Club of Rome zu den Grenzen des Wachstums 1972 habe ihn bereits sehr beeindruckt, umzudenken und umzusteuern.

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Otto hat bereits 1986 den Umweltschutz und nachhaltiges Wirtschaften in die Unternehmensziele aufgenommen: „In der Wirtschaft wird das Thema zu dieser Zeit abgetan, ja belächelt“, erklärte Schmelzer. Michael Otto hätte das nicht angefochten. „Seine Haltung: Die Wirtschaft ist für den Menschen da und nicht umgekehrt.“

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