Umbau der Weltwirtschaft: Redesign, Recycling, Regionalisierung: Wie Unternehmen weltweit ihre Lieferketten umbauen
Maßnahmen der chinesischen Regierung haben die globale Stahlknappheit infolge der Pandemie noch weiter verstärkt.
Foto: imago images / Rupert OberhäuserDüsseldorf. Je globaler, desto billiger, desto besser: Das Mantra der internationalen Arbeitsteilung war bislang in der deutschen Industrie gesetzt. Doch der Brexit und die Folgen der Pandemie haben diese Strategie für viele Unternehmen zum Risiko werden lassen. Die anhaltende Materialknappheit für Kunststoffe, Stahlprodukte oder Halbleiter lässt sie nun umsteuern: Redesign, Recycling und Regionalisierung heißen die neuen Schlagwörter.
So will Daimler künftig bei der Produktentwicklung „die zukünftige Verfügbarkeit von Materialien von Beginn an mitdenken“, sagt Daimler-Vorstand Markus Schäfer dem Handelsblatt. Die Stuttgarter wollen Einkauf und Entwicklung künftig eng verzahnen.
Konkurrent BMW plant Autos zu bauen, die zur Hälfte aus Recyclingmaterial bestehen, heute liegt der Anteil bei 30 Prozent. Der Dortmunder Pumpenspezialist Wilo erhöht seine Wertschöpfungstiefe in China und den USA, um sicherer produzieren zu können. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz durchleuchten Konzerne ihre Lieferketten und simulieren mögliche Probleme.
Der Preis der Liefersicherheit sind oft höhere Kosten für die Unternehmen. Das nehmen die Führungskräfte aber in Kauf. Gestörte Lieferketten sehen die Topmanager als eines der größten Risiken für das Wachstum, so das Ergebnis einer Umfrage der Beratungsgesellschaft KPMG. Gabriel Felbermayr, Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, prophezeit: „Die deutschen Unternehmen hingegen können durch Verlagerung von Produktion in die Zielmärkte ihre Positionen verteidigen oder gar ausbauen.“