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KommentarEs ist absurd, dass die Fed nicht schon längst eigene Ethik-Regeln hat

Funktionäre der mächtigen US-Notenbank haben in der Krise kräftig Aktien gekauft. Um seine Glaubwürdigkeit nicht zu gefährden, muss Fed-Chef Jerome Powell jetzt handeln.Katharina Kort 20.09.2021 - 04:00 Uhr Artikel anhören

Mit ihren Zinsentscheidungen und ihren Käufen am Anleihemarkt beeinflusst die Fed die Aktienkurse indirekt.

Foto: Bloomberg

New York. Für den Fed-Gouverneur Jerome Powell kommt der jüngste Aktienskandal äußerst ungelegen: Die Verlängerung seiner Amtszeit steht an. Jetzt wird bekannt, dass mehrere lokale Fed-Präsidenten mitten in der Coronakrise Aktien in Millionenhöhe gekauft haben. Das wirft kein gutes Licht auf die Unabhängigkeit der Fed.

Kein Wunder, dass Powell in dieser Lage durchgreifen will und die Ethikregeln der amerikanischen Zentralbank überprüfen lässt. Für die neuen Regeln ist es höchste Zeit.

Musste sich Powell unter Donald Trump vor Corona lange vorwerfen lassen, nicht locker genug in der Geldpolitik zu sein, so wird er nun von links angeklagt, nur das Wohl der Kapitalmärkte im Blick zu haben. Powell hat keinen leichten Stand. Wenn jetzt auch noch klar wird, dass die regionalen Fed-Präsidenten in Dallas und Boston durch ihre millionenschweren Aktienkäufe während der Krise von der lockeren Fed-Politik profitiert haben, gibt das seinen Kritikern noch mehr Futter.

Mit ihren Zinsentscheidungen und ihren Käufen am Anleihemarkt beeinflusst die Fed die Aktienkurse indirekt. Bei niedrigen Zinsen steigen die Aktienkurse. Hinzu kommen die massiven Zukäufe am Anleihe- und Hypothekenmarkt, die die Wirtschaft und damit auch die Aktienmärkte stützen.

Neue Regeln, die den Fed-Mitarbeitern und Präsidenten den aktiven Handel mit Aktien verbieten, sind dringend nötig. Es ist absurd, dass es diese Regeln nicht schon längst gibt – in einem Land, in dem Wirtschaftsjournalisten, SEC-Mitarbeiter und andere Berufsgruppen schon heute keine Einzeltitel halten dürfen, damit sie ihre Unabhängigkeit nicht verlieren. Dass ausgerechnet die mächtigste Schaltstelle des Finanzmarkts davon befreit war, ist nicht nachvollziehbar.

Powell könnte der jüngste Skandal seine Wiederwahl kosten. Die prominente Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez vom linken Flügel der Partei fordert schon länger seine Ablösung. Und mit Elizabeth Warren hat er eine weitere, in Finanzfragen äußerst versierte Kritikerin.

Powell hat zwar mit seiner Vorgängerin und amtierenden Finanzministerin Janet Yellen eine Unterstützerin in der Regierung. Aber die wird sich als ehemalige Fed-Gouverneurin voraussichtlich eher zurückhalten bei dem Thema, wenn sie selbst nicht in den Strudel geraten will. Für Powell könnten die Aktienkäufe zur persönlichen Schicksalsfrage werden.

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