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Apollo Health Ventures„Medikamente so einsetzen, dass Krankheiten gar nicht auftauchen” – Mit Risikokapital gegen das Altern

Mit ihrem Wagniskapitalfonds unterstützt Alexandra Bause Unternehmen, die Alterskrankheiten bekämpfen wollen. Auf die Idee kam sie durch ein privates Schicksal.Katharina Kort 29.09.2021 - 16:11 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Nach zwei Jahren bei Boston Consulting gründete sie 2016 ihren eigenen Fonds.

Foto: PR

Diese Frage muss sich Alexandra Bause manchmal von alten Kollegen anhören: „Machst du jetzt in Hautkosmetik?“ Und das gefällt ihr gar nicht. Denn von Faltenbekämpfung will die 37-Jährige nichts wissen. Bause ist Mitgründerin von Apollo Health Ventures, dem Wagniskapitalfonds mit Sitz in Berlin und Boston. Er investiert auf beiden Seiten des Atlantiks in Start-ups, die den natürlichen Alterungsprozess bekämpfen wollen.

„Mit Ästhetik hat das nichts zu tun“, stellt die studierte Apothekerin klar. „Wir haben die Vision, dass wir Medikamente präventiv einsetzen, damit bestimmte Krankheiten gar nicht erst auftauchen.“ Es gehe also um solche, die durch den Alterungsprozess überhaupt erst auftreten. Dazu gehören auch Krebs- und Autoimmunerkrankungen.

Dabei interessiert Bause und ihre Kollegen vor allem der personalisierte Ansatz, bei dem Menschen je nach Diagnose unterschiedlich behandelt werden. „Dank des wissenschaftlichen Fortschritts kann man bei vielen Personen bereits aufgrund ihrer Genetik in Kombination mit weiteren messbaren Parametern eventuelle Risiken identifizieren und gezielt Interventionen empfehlen, die helfen, den Gesundheitszustand zu optimieren oder wiederherzustellen“, erklärt Bause. „Die Mission unseres Fonds ist es, die Interventionen für ein solches personalisiertes und präventives Gesundheitsmanagement zu entwickeln.“

Das erste Mal, dass sie von „Altersforschung“ gehört hat, war während eines Lunch-Talks am Krebsforschungszentrum in Tucson in Arizona, wo sie sechs Monate ihres praktischen Jahrs verbracht hat. Damals war das in Deutschland noch kein Thema – doch Bause hat es seitdem nicht mehr losgelassen. Sie hat zwar ihre Lizenz als Apothekerin und auch kurze Zeit in der „Hirsch Apotheke“ in Frankfurt gearbeitet. Aber dort wollte sie nicht bleiben und hängte einen Doktor in Harvard dran.

Dort vertiefte sie ihr Wissen über Mitochondrien, jene „Energiekraftwerke der Zellen“, über die sie begeistert erzählen kann. Aber Bause bekam damals auch Einblick in eine ganz andere Welt, die ihr in ihrem deutschen Pharmaziestudium verschlossen geblieben war: „Ich habe in Boston zum ersten Mal von Entrepreneurship und von Venture-Capital gehört“, sagt sie.

Noch während sie in Harvard promovierte, besuchte sie Meet-ups und Karriereworkshops am MIT, das nur eine Meile entfernt liegt. „In Deutschland haben sie uns höchstens erklärt, wie man eine Apotheke gründet“, erinnert sie sich.

Investments in San Francisco, Utrecht oder Berlin

Nach zwei Jahren als Beraterin bei Boston Consulting hat sie schließlich 2016 zusammen mit Nils Regge und Ole Mensching ihren eigenen Wagniskapitalfonds mitgegründet. Die Investments reichen von Aeovian Pharmaceuticals in San Francisco über Cleara in Utrecht und Ochre Bio in Oxford bis hin zu Booster in Berlin. Dabei investiert Apollo Health Ventures anfangs zwischen 500.000 und einer Million Dollar pro Unternehmen und später bis zu 20 Millionen Dollar. Oft ist Apollo auch als Mitgründer tätig. „Wir investieren im frühen Stadium, weil wir die Strategie mitbestimmen wollen“, erklärt Bause. „Wir wollen die Start-ups auf den richtigen Weg bringen, damit sie schneller zum Ziel kommen.“

Bis Biotech-Unternehmen wirklich Umsatz machen, dauert es oft viele Jahre. Anders als bei vielen Internet- oder auch Technologieunternehmen müssen neue Therapien in jahrelangen klinischen Tests erst geprüft und zugelassen werden. Aber das heißt nicht, dass Investoren nicht schon vorher Geld sehen können. „Die Pharmakonzerne kaufen Biotech-Start-ups oft schon, bevor sie überhaupt mit den klinischen Tests beginnen“, erklärt Bause. Dann ist das Ergebnis zwar noch nicht sicher, aber die Unternehmen sind noch bezahlbar.

Bause erzählt gern, dass sie ursprünglich Pharmazie studiert habe, weil sie eine Tante mit einer schweren Autoimmunkrankheit hatte und die Eltern sie in die medizinische Richtung gedrängt haben, damit sie „der Tante hilft“. Ob sie das Gefühl hat, auch als Wagniskapitalgeberin helfen zu können? „Auf jeden Fall. Und vielleicht mehr als in der Medizin, wo man nur das einsetzen kann, was es schon gibt“, sagt sie. „Wir können dagegen selbst mitbestimmen, wohin die Forschung geht.“

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Manchmal geht das Geld der Investoren im Biotech-Hype auch an die falschen Start-ups, wie der Fall Theranos gezeigt hat. Das Blutanalyse-Unternehmen ist als riesiger Betrug aufgeflogen. „Sowas könnte auch heute wieder passieren, vor allem wenn berühmte Investoren an Bord sind“, ist Bause überzeugt.

Sie glaubt aber auch, dass in der Biotechnologie eine ordentliche Überprüfung möglich ist. Ihr selbst hilft dabei ihr fachlicher Hintergrund. Der helfe ihr auch als eine der wenigen Frauen in der Branche des Venture Capital: „Als Wissenschaftlerin kann ich anders mit anderen Wissenschaftlern sprechen. Die respektieren mich mehr.“

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