Mercedes, BMW und Volkswagen: Deutsche Autobauer werden gefährlich abhängig von China
Für deutsche Hersteller ist der chinesische Markt existenziell.
Foto: Getty Images; Per-Anders PetterssonMünchen, Berlin. Wenn die Aktionäre von Daimler am Freitag über die Aufspaltung des Konzerns entscheiden, dann geht es nicht nur um den Abschied vom Lkw-Geschäft. Die US-lastige Trucktochter hatte den Konzern auch global in der Balance gehalten. Nach deren Abspaltung wird nun Asien mit einem Umsatzanteil von 32 Prozent die dominierende Absatzregion für das verbleibende Autogeschäft. „Wir werden chinesischer, keine Frage“, sagt ein Daimler-Manager.
Experten halten die Entwicklung für bedenklich. „Mit der Abspaltung von Daimler Truck begibt sich Daimler als Mercedes-Benz zusätzlich in ein neues Risikoumfeld“, urteilt Sven Behrendt vom Beratungsunternehmen Geoeconomica.
Bislang hatte Daimler vor allem eine transatlantische Ausrichtung. Nun bewege sich der neue Konzern zu einem großen Teil in einem Wirtschaftsraum, „dessen Führung originäre und expansive industriepolitische und geostrategische Ambitionen hat“ und im Systemwettbewerb mit Europa und den USA stehe. Mit Geely-Gründer Li Shufu und BAIC sind Chinesen neben Kuwait die wichtigsten Anteilseigner der Daimler AG.
Das Klumpenrisiko China ist kein reines Daimler-Phänomen. Im ersten Halbjahr 2021 verkaufte die Marke Volkswagen sogar 49,3 Prozent ihrer Autos in China, BMW kam auf 34,8 Prozent. Die Münchener werden im kommenden Jahr ihre Position in Fernost zudem deutlich stärken. Als erster europäischer Autokonzern darf BMW 2022 die Mehrheit am Joint Venture mit Brilliance übernehmen und zu 75 Prozent konsolidieren.