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Morning BriefingDer tiefe Fall des Steve Bannon

Hans-Jürgen Jakobs 22.10.2021 - 06:17 Uhr Artikel anhören

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

unter den Schurken im Schurkenspiel des Donald Trump war er der Radikalste, der Zynischste, der Abgefeimteste. Nun kommt es schlimm für Steve Bannon, einst Chefstratege des US-Präsidenten: Der Weg ist frei, ihn vor Gericht zu bringen. Das US-Repräsentantenhaus ermöglichte vor ein paar Stunden strafrechtliche Schritte – alles im Zuge der Aufarbeitung der Attacke auf das US-Kapitol am 6. Januar, bei der fünf Menschen starben.

229 Parlamentarier votierten dafür, 202 dagegen, den Fall der Staatsanwaltschaft zu übertragen. Ein Untersuchungsausschuss hatte zuvor einstimmig einen Bericht angenommen, wonach der Kongress durch Bannon missachtet worden sei. Der Rechtspopulist steht im Verdacht, vorab von Plänen für gewaltsame Proteste gewusst zu haben. Eine Vorladung in den Kapitol-Ausschuss missachtete er aber.

Foto: imago/Reiner Zensen

Greyhound ist eine fast schon mystische Marke. In den USA waren die Busse mit dem Windhund-Logo jahrzehntelang das Synonym für Mobilität schlechthin. Eine Ikone der Freiheit, die in Spielfilmen immer wieder eine Nebenrolle besetzte. Jetzt übernimmt das deutsche Start-up-Vorbild Flixmobility („Flixbus“) das Unternehmen.

Erst im Juni hatte das Team um Vorstandschef André Schwämmlein 650 Millionen Euro über Kredite und Investoren eingesammelt – Geld, das nun den globalen Markt sichern soll. Und es soll helfen, grüne und erschwinglicher Mobilität für so viele Menschen wie möglich verfügbar zu machen.

Mit der Übernahme besitzt Flixmobility nun mehr als 1000 Busse in den USA. Bisher begnügte man sich, eine starke Plattform für die Vermittlung von Fahrten durch unabhängige Busfirmen zu betreiben. Greyhound sei „die global bekannte Marke schlechthin in unserem Portfolio“, schwärmt Schwämmlein. Greyhound aus Dallas sei ein „Synonym für Bus“.

Es ist ein Verbrechen, über das nicht viel geredet wird. Cyberattacken treffen Fabriken, Krankenhäuser und Behörden, und die Ermittler schauen meistens nur zu. Denn nur zu oft zahlen die Opfer die von Hackern in Bitcoin geforderten Beträge – weil sie das Problem weghaben und die Daten entschlüsselt sehen wollen. Die Täter nennen sich zum Beispiel „Egregor“, wie wir in unserem großen Wochenendreport schildern.

Allein im ersten Halbjahr gab es weltweit 305 Millionen Ransomware-Angriffe, so viele wie im gesamten Vorjahr. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik fasst die aktuellen Geschehnisse in aktenökonomisch präzises Deutsch: „Das vergangene Jahr war geprägt von einer deutlichen Ausweitung cyber-krimineller Erpressungsmethoden.“

Ein paar Trends sind festzustellen:

  • Die Hacker greifen die gesamte digitale Gesellschaft an und geschnappt werden nur Amateure. So wurde im Juni die börsennotierte Brenntag AG malträtiert. Der Chemikalienhändler soll 4,4 Millionen Dollar Lösegeld gezahlt haben.
  • Die bedrohten Firmen sind zu schlecht vorbereitet. Und Gegenwehr wird immer schwerer, da Millionen Menschen im Homeoffice sitzen, teils mit privaten PCs und in Kanälen wie Slack oder Zoom – oft mit schwachen Passwörtern.
  • Viele Spuren der Täter führen nach Osten. So hat eine ukrainische Gang mit der Schadsoftware „CIOp“ die US-Universität Stanford, den Ölkonzern Shell und die Kanzlei Jones Day attackiert. Inzwischen soll die Gang in Russland sitzen. Dort weigert sich die Regierung, gemeinsam mit dem Rest der Welt gegen Cyberkriminelle vorzugehen.

Die Folgerung, die unser Titelkomplex aufstellt, lautet ganz minimalistisch: „Nur wer sich selbst schützt, kann das Schlimmste verhindern.“

Unser „Rentenpapst“ Bert Rürup hat sich einmal angeschaut, was die Wahrscheinlich-Koalitionäre so alles zur künftigen Altersvorsorge fixiert haben. Er nennt die im Sondierungsprotokoll festgehaltenen Pläne ein kräftiges „Weiter-So“, ganz auf SPD-Linie, die alles beim Alten lässt. Der propagierte Einstieg in die kapitalgedeckte Altersvorsorge findet sein Wohlwollen, doch „klar sollte auch sein, dass der Aufbau eines Kapitalstocks niemals kostenlos ist“. Entweder müsse die heutige Generation im Vorgriff auf die Abkommen belastet werden, oder der Staat verschulde sich und schiebe die Finanzlasten in die Zukunft.
Sein Fazit: Die umlagefinanzierte gesetzliche Rente stehe vor gravierenden Problemen, ein „Auslaufmodell“ sei sie nicht. Seine Forderung: „Mehr Mut!“

Mein Kulturtipp zum Wochenende: „Die Ibiza-Affäre“ auf Sky, ein Vierteiler, der das Making-of jenes Videos zeigt, das dem damaligen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache einen Parteiausschluss und der Republik Österreich eine größere Erschütterung bescherte.

Der Held ist hier ein Wiener Immobilienanwalt mit exil-iranischer Familie, der etwas Pfiffiges gegen den Aufstieg der Neuen Rechten tun will und sich das auch etwas kosten lässt. Zusammen mit einem etwas zwielichtigen Privatdetektiv und einer falschen russischen Oligarchin bekommt er Strache bekanntlich dran. Über Kurz und die „Österreich“-Manipulationen wird vermutlich schon bald der nächste Wien-Reality-Thriller zu sehen sein.

Foto: Imago

Und dann ist da noch die Flirt-und-Rendezvous-Plattform Parship-Meet, die schon bald an die Börse soll. Der börsennotierte Haupteigentümer Pro Sieben Sat 1 sucht mit einem solchen Deal den Erfolg, der sich im Kerngeschäft Fernsehen nur selten einstellen mag. Man „parshipt“ sich zu einer besseren Rendite. Als federführende Beraterbanken haben die Münchener bereits Morgan Stanley und BNP Paribas ausgesucht, erfuhren meine Kollegen – und auch von bis zu fünf Milliarden Euro Wert der Tochterfirma.

Während Pro Sieben Aktionär bleiben will, plant die Beteiligungsgesellschaft General Atlantic nach drei Jahren den Abflug. Der 43-Prozent-Anteil dürfte einen finanzpotenten Liebhaber finden. Die Pro-Sieben-Crew dürfte sich ganz an den brasilianischen Theologen Hélder Câmara halten: „Wenn ich allein träume, ist es nur ein Traum / Wenn wir gemeinsam träumen, ist es der Anfang von Wirklichkeit.“

Ich wünsche Ihnen ein träumerisches Wochenende.

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Es grüßt Sie herzlich
Ihr
Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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