Lieferdienste: Neuer Global Player im Liefermarkt: Doordash kauft Wolt
Vereinte Kräfte mit Doordash.
Foto: dpaHamburg. Der US-Lieferkonzern Doordash übernimmt den europäischen Rivalen Wolt. Der Deal bewerte Wolt mit sieben Milliarden Euro, teilte Wolt am Dienstagabend mit. Damit schafft Doordash den Sprung auf den europäischen Markt – und auch nach Deutschland.
Mit dem Deal finden sich zwei Partner zusammen, die erst relativ spät in den Liefermarkt eingetreten sind. Doordash aus San Francisco existiert seit 2013. Wolt wurde ein Jahr später in Helsinki gegründet – unter anderem von Miki Kuusi, der CEO für die Auslandsmärkte des kombinierten Unternehmens wird.
„Doordash hat sein unglaubliches Geschäft im größten Markt der Welt aufgebaut, während wir aus einem kleinen Heimatland heraus früh die Kunst der Expansion lernen mussten“, erklärte Kuusi. Sein Unternehmen hat rund 4000 Mitarbeiter in 23 Ländern.
Doordash-Chef Tony Xu sagte, gemeinsam werde das Unternehmen eine globale Plattform für lokale Geschäfte aufbauen. Doordash liefert Waren aus Restaurants, Geschäften und eigenen Lagern überwiegend per Fahrradkurier in Städten aus – ähnlich wie Lieferando in Deutschland. Wolt ist seit einigen Monaten auch in Berlin aktiv und expandiert derzeit unter anderem nach Hamburg.
Auch Doordash hatte bereits vor wenigen Wochen Interesse am deutschen Markt demonstriert. Die Amerikaner beteiligten sich an einer rund 600 Millionen Dollar schweren Finanzierungsrunde für den Berliner Schnelllieferdienst Flink.
Doordash und Wolt: Reiner Aktien-Deal
Doordash zahlt die Übernahme von Wolt komplett mit Aktien. Die Investoren von Wolt werden also Teilhaber am kombinierten Konzern. Wolt selbst war bislang noch nicht an der Börse. Die letzte größere Finanzierungsrunde erlebte der Anbieter Anfang 2021.
Laut „Crunchbase“ hat Wolt bisher insgesamt gut 822,5 Millionen Dollar Risikokapital eingesammelt. Zu den Investoren gehören bekannte Namen wie Tiger Global, Coatue, EQT und KKR. Zu den kleineren Geldgebern zählt auch der Berliner Mehrfachgründer Lukasz Gadowski, der vor zehn Jahren den Konkurrenten Delivery Hero mitgegründet hatte.
Doordash dagegen ist Ende 2020 an die Börse gegangen und dort fast 65 Milliarden Dollar wert. Die Aktie stieg am Dienstagabend nachbörslich deutlich.
Der Deal mischt die Karten im Wettstreit der weltweiten Lieferdienste neu. Der bislang stark auf Amerika fokussierte Anbieter Doordash könnte unter anderem den europäischen Rivalen Just Eat Takeaway, zu dem auch Lieferando gehört, und dem Berliner Dax-Konzern Delivery Hero stärkere Konkurrenz machen.
Delivery Hero ist unter der Marke Foodpanda gerade erst wieder in die Konkurrenz im Heimatmarkt Deutschland eingestiegen. Der Schritt zeigt, dass im Liefergeschäft noch immer eine knallharte internationale Konkurrenz um die Marktführerschaft in einzelnen Ländern und auf ganzen Kontinenten tobt.
Die Partner teilten mit, der Deal solle im ersten Halbjahr 2022 abgeschlossen werden. Zusammen würden beide einen bereinigten operativen Gewinn (Ebitda) zwischen null und 500 Millionen Dollar erzielen. In den ersten drei Quartalen 2021 schrieb Doordash nach Angaben vom Dienstag bei 3,59 Milliarden Dollar Umsatz einen Vorsteuerverlust von 310 Millionen Dollar. Damit wuchs der US-Konzern deutlich – sowohl beim Umsatz als auch beim Verlust.
Wolt-Gründer will an Bord bleiben
Auch für das Wolt-Management lohnt sich der Deal: Teil der Vereinbarung ist ein eine halbe Milliarde Euro schweres Anreizpaket für das Wolt-Management.
Wolt-Gründer Kuusi schrieb in einem persönlichen Blog-Post, der Deal sei erst vor gut einem Monat angebahnt worden. Doordash-Chef Xu sei damals auf ihn zugekommen. „Ich habe mir nicht viel dabei gedacht“, schrieb Kuusi – schließlich seien beide seit längerer Zeit Bekannte. Schnell sei jedoch eines klar geworden: „Wir können zusammen einen der bedeutendsten Spieler unserer Branche bilden“, schrieb Kuusi.
Er habe Wolt lange als eigenständigen Weltmarktführer aufbauen wollen – zusammen könnten beide Partner jedoch mehr erreichen. Kuusi versprach, im gemeinsamen Unternehmen an Bord zu bleiben. In ihren Märkten werde zudem die Marke Wolt mit ihrem blauen Logo erhalten bleiben.