Interview: EZB-Ratsmitglied warnt vor Inflationsrisiken – Zinserhöhung vor Ende der Anleihekäufe möglich
„Ich war immer dagegen, das Anleihekaufprogramm und die Zinserhöhung zu eng zu verknüpfen.“
Foto: BloombergFrankfurt. Wenige Tage vor der wichtigen EZB-Sitzung Mitte Dezember hat der österreichische Notenbankchef Robert Holzmann vor dem Risiko einer zu hohen Inflation gewarnt. Er halte es für „sehr unwahrscheinlich“, dass die Inflation im Euro-Raum „im Gesamtjahr 2022 einen Wert von unter zwei Prozent erreichen [wird]“, sagte er dem Handelsblatt. In ihren aktuellen Prognosen von September geht die EZB noch von einer Rate von 1,7 Prozent für das kommende Jahr aus. Im Dezember wird sie neue Vorhersagen vorlegen.
Holzmann erwartet, dass die Inflation zur Jahreswende ihren Höhepunkt erreichen wird, weil dann einige Basiseffekte durch sehr niedrige Vorjahreswerte auslaufen und die Energiepreise nicht mehr so stark ansteigen. „Auf der anderen Seite werden aber Lieferengpässe weiter eine große Rolle spielen, zum Beispiel auch bei Nahrungsmitteln.“
In einigen Ländern sei auch die Situation in Teilen des Arbeitsmarktes „extrem angespannt“. Das gelte für den Dienstleistungssektor, aber auch für die Bereiche Gesundheit und IT. Laut Holzmann ist die Unsicherheit um die Inflation derzeit sehr hoch. Vergleichbare Effekte habe es zuletzt in den 70er- und 80er-Jahren gegeben.