Asia Techonomics: Hochfliegende Pläne: Japans Autohersteller nehmen Kurs auf den Mond
Die großen japanischen Autobauer bereiten mit der heimischen Raumfahrtbehörde Jaxa die Besiedlung des Monds vor.
Foto: imagoTesla-Gründer Elon Musk hat mit seinem Weltraumunternehmen SpaceX ein Auto ins All geschossen und ist gedanklich bereits auf dem Weg zum Mars. Japans Autobauer begnügen sich im Weltraumrennen vorerst mit der Eroberung des Monds, wollen hier aber Vorreiter sein: Vorige Woche stellte Nissan den Prototyp eines autonomen Mondfahrzeugs vor, den das Unternehmen mit Japans Weltraumbehörde Jaxa entwickelt hat.
Das Design sieht wenig futuristisch aus: Eine kastenförmige Steuereinheit auf vier Rädern, die mit Nissans Technik für autonomes Fahren und Allradantrieb über das Mondsteingeröll rumpeln soll. Für die Jaxa ist das unscheinbare Gefährt ein wichtiger Schritt zur wirtschaftlichen Erschließung des Weltraums.
Für die japanische Regierung ist die Industrialisierung des Weltraums ein Pfeiler ihrer Strategie für wirtschaftliche Sicherheit. In ihrem Auftrag arbeitet die Jaxa deshalb mit Unternehmen, Universitäten und Forschungsinstituten bei Projekten zusammen, „die machbar sind und das Potenzial für eine Kommerzialisierung haben“, erklärte Ikkoh Funaki, der Direktor des Jaxa-Innovationszentrums für Weltraumforschung. Die drei größten japanischen Autokonzerne Toyota, Honda und Nissan spielen in den Plänen für die Mondwirtschaft eine wichtige Rolle.
Den Anfang machte Toyota, die bereits 2019 das Konzept für einen sechssitzigen Mondbus mit Wasserstoff-Antrieb und Sauerstoffkabine vorstellten. Über 10.000 Kilometer soll der Bus schaffen, damit kämen die Insassen einmal komplett um den Mond herum. Der Wasserstoff könnte dann von Honda stammen. Denn der Toyota-Rivale hat mit der Jaxa Mitte 2021 die gemeinsame Entwicklung eines Kreislaufs für erneuerbare Energien im All beschlossen.
Die Idee: Honda entwickelt seine bereits existierende irdische Technik weiter, um auch im All durch Elektrolyse aus Mondeis Wasserstoff und Sauerstoff zu gewinnen. Der Sauerstoff wird dann zum einen den Menschen das Atmen ermöglichen, zum anderen in Brennstoffzellen durch die Fusion mit Wasserstoff Strom liefern. Das dabei entstehende Wasser soll wieder in die Wasserstoffversorgungskette eingespeist werden.
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Foto: Klawe RzeczyAuch an der Ausbeutung der dafür benötigten größeren Wasserreserven, die auf dem Erdtrabanten tiefgefroren vermutet werden, arbeitet die Jaxa bereits: mit JGC, einem globalen Projektentwickler für Öl- und Gasförderung. Das Unternehmen ist auf die Gewinnung von flüssigem Wasser- und Sauerstoff für die Brennstoffzellen der Autoindustrie spezialisiert. Nun sollen sie ihre Technologie auch auf den Mond bringen.
Japan sucht die langfristige wirtschaftliche Sicherheit auf dem Mond
Anders als bei der irdischen Elektromobilität wollen die japanischen Autobauer bei der Mondmobilität Vorreiter sein. Die automobilen Mondprojekte sind dabei deutlich mehr als eine Auswirkung eines bloßen Pflichtgefühls der Autobauer, zu nationalen Projekten beizutragen. Sie zeugen auch von der Weigerung der „Japan-AG“, sich bedingungslos auf die „Konzentration auf Kernkompetenzen“ zu beschränken. Gerade Toyota und Honda haben früh langfristig investiert, auch in andere Industrien.
Ein Beispiel sind die Hybridantriebe, die von der Konkurrenz lange belächelt wurden, bis sie sich auch in der Breite durchsetzten. Zudem entwickelt Toyota neben Autos auch Künstliche Intelligenz, baut Motorboote, Roboter, Fertighäuser und am Fuße des Weltkulturerbe-Vulkans Fuji sogar eine eigene Smart City. Honda wiederum hat 2015 mit dem sechssitzigen „HondaJet“ als erstes japanisches Unternehmen seit dem Zweiten Weltkrieg ein (wenn auch kleines) Flugzeug auf den Markt gebracht.
Die Mondprojekte sind dabei nicht am kurzfristigen Zeithorizont des durchschnittlichen Investors ausgerichtet. Selbst die Jaxa hält den Beginn einer umfangreicheren Mondbesiedlung erst nach 2040 für wahrscheinlich, vorher ist mit einer Kommerzialisierung der Technologien nicht zu rechnen. Doch zuvor wird ein Boom für Satellitenstarts erwartet, an dem Japan in der Zwischenzeit mitverdienen will.
Die Jaxa plant bereits, bis 2030 mit einem großen Industriekonsortium wiederverwendbare Raketen zu bauen. Dabei könnte Honda eine entscheidende Rolle bei erdnahen Umlaufbahnen spielen: Im September versprach der Autobauer im Rahmen seiner Zukunftsprojekte unter anderem die Entwicklung von preiswerten, wiederverwendbaren kleinen Weltraumraketen. So wollen die Japaner Elon Musks Weltmarktführer SpaceX Marktanteile bei der Weltraumbesiedlung abjagen.