Kommentar: Die Inflation in den USA kommt mit beängstigender Wucht
Die Inflation ist zurück: In den USA wurden die Schlimmsten Erwartungen übertroffen. Der Dollar wird aufwerten und auch in Europa den Inflationstrend verstärken.
Foto: imago images/Rolf PossDas sind Dimensionen, die vor einem Jahr niemand für möglich gehalten hätte. Und all jene, die immer behaupteten, es handele sich um ein vorübergehendes Phänomen, werden stiller.
Auch im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) übrigens, wo Direktorin Isabel Schnabel kürzlich entgegen ihren vorherigen Aussagen ausdrücklich davor warnte, die Dynamik auch der langfristigen Preisentwicklungen nicht zu unterschätzen.
Die Inflation ist zurück – und sie kommt mit beängstigender Wucht, nicht nur in den USA. Monat für Monat werden die schlimmsten Erwartungen übertroffen.
Die geldpolitische Wende, die in den USA jetzt ansteht, ja anstehen muss, wird sich nicht nur dort auswirken. Die steigenden Kapitalmarktzinsen in den USA werden wie ein Magnet wirken – und Kapital anziehen. Der Dollar wird aufwerten, die vor allem in US-Währung verschuldeten Schwellenländer in Bedrängnis bringen und auch in Europa den Inflationstrend verstärken, da die Importpreise steigen.
USA in komfortablerer Lage als Europa
Ob und in welcher Intensität der Inflationstrend sich am Ende festsetzt, hängt in großem Maße auch von den Inflationserwartungen der Menschen ab. Diese wiederum ergeben sich aus der Frage, ob sie den Notenbanken zutrauen, die Preissteigerung entschlossen zu bekämpfen.
Hier sind die USA sogar in einer komfortableren Lage als Europa, denn anders als die EZB muss die Fed nicht auf überschuldete Staaten Rücksicht nehmen, die sich hohe Kapitalmarktzinsen keinesfalls leisten können.
Für beide Währungsräume gilt: Die sprunghaft angestiegene Staatsverschuldung – in den USA sind es fast 130 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP), in Europa wegen des sparsamen Nordens nur 100 Prozent – schüren den Verdacht, die Staaten könnten am Ende der Versuchung erliegen, sich per Inflation der Schulden zu entledigen.
Die Geschichte zeigt: Größte Quelle der Inflation war immer der Versuch des Souveräns, Finanzmittel zu ergattern.
Schließlich gibt es in den USA auch die politischen Risiken des Inflationstrends. Nichts interessiert die Bürger so sehr wie ihr wirtschaftliches Wohlergehen. Donald Trump wird das Thema Inflation zu nutzen wissen.
Bekommt die Fed das Problem nicht in den Griff, könnte eine Rückeroberung des Kongresses durch die Republikaner bei den Zwischenwahlen die Folge sein – und Trump 2014 möglicherweise den Weg zurück ins Weiße Haus ebnen.