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KircheEmeritierter Papst Benedikt räumt Falschaussage bei Missbrauchsgutachten ein

Papst Benedikt XVI. hat 1980 doch an einer Sitzung teilgenommen, bei der über einen Priester gesprochen wurde, der wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern auffällig geworden war. 24.01.2022 - 13:34 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der ehemalige Papst räumt eine Falschaussage ein.

Foto: dpa

München. Papst Benedikt XVI. hat bei seiner Stellungnahme für das Missbrauchsgutachten des Erzbistums München und Freising an einer wichtigen Stelle eine falsche Aussage gemacht. Das räumte der emeritierte Pontifex am Montag in einer Stellungnahme seines Privatsekretärs Georg Gänswein ein, die unter anderem das Portal „Vatican News“ und die Tagespost Stiftung dokumentierten.

Benedikt habe demnach anders als in dem vorige Woche veröffentlichten Gutachten behauptet doch im Jahr 1980 als Erzbischof von München und Freising an einer Ordinariatssitzung teilgenommen, bei der über einen Priester gesprochen wurde, der mehrfach wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern auffällig geworden war.

Jener Priester wurde später in Bayern wieder als Seelsorger eingesetzt und ist einer der zentralen Fälle des Gutachtens, das die Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) im Auftrag des Erzbistums München und Freising präsentiert hatte. Darin wird Benedikt in insgesamt vier Fällen Fehlverhalten vorgeworfen.

Der 94-Jährige wollte bei seiner Korrektur der Aussage „betonen, dass dies nicht aus böser Absicht heraus geschehen ist, sondern Folge eines Versehens bei der redaktionellen Bearbeitung seiner Stellungnahme war“, hieß es in dem Statement. „Dieser Fehler tut ihm sehr leid und er bittet, diesen Fehler zu entschuldigen.“

Gänswein wollte zudem klarstellen, dass in jener Sitzung vom Januar 1980 „über einen seelsorgerlichen Einsatz des betreffenden Priesters nicht entschieden wurde. Vielmehr wurde lediglich der Bitte entsprochen, diesem während seiner therapeutischen Behandlung in München Unterkunft zu ermöglichen“.

Benedikt studiere derzeit intensiv das Gutachten und sei seiner früheren Diözese „nahe“ und „im Bemühen um Aufklärung sehr verbunden“. Laut des Berichts waren mindestens 497 Kinder und Jugendliche zwischen 1945 und 2019 in dem katholischen Bistum von Priestern, Diakonen oder anderen Mitarbeitern der Kirche sexuell missbraucht worden.

Mindestens 235 mutmaßliche Täter gab es demnach – darunter 173 Priester und neun Diakone. Allerdings sei dies nur das „Hellfeld“ – es sei von einer viel größeren Dunkelziffer auszugehen.

Kirchenrechtler Schüller: Benedikt „verstrickt sich in Lügengebilde“

Der Kirchenrechtler Thomas Schüller warf Benedikt vor, weiterhin die Unwahrheit zu sagen. Zwar habe Benedikt in seiner Stellungnahme zugegeben, an einer entscheidenden Sitzung in München im Jahr 1980 teilgenommen zu haben. Er bestreite aber weiterhin wahrheitswidrig, etwas über die Vorgeschichte des pädophilen Priesters Peter H. gewusst zu haben. „Dies ist erneut eine Unwahrheit, wie das in der vergangenen Woche vorgestellte Gutachten von Westpfahl Spilker Wastl beweisen konnte“, sagte Schüller der Deutschen Presse-Agentur.

„Joseph Ratzinger verstrickt sich immer mehr in seine Lügengebilde und wird auch durch die angekündigte ausführliche Stellungnahme den irreparablen persönlichen Schaden für sich und sein Lebenswerk nicht mehr beseitigen können. Er beschädigt damit dauerhaft das Papstamt und damit die katholische Kirche.“

dpa
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