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Start-up-CheckEU-Richtlinie füllt die Auftragsbücher von Proliance

Die Zeit drängt: Tausende Firmen benötigen schnell eine Strategie für ihre IT-Sicherheit. Proliance verspricht Hilfe im Umgang mit Regelwerken wie NIS-2. Ein Boom dank Regulierung?Christof Kerkmann 01.12.2025 - 19:10 Uhr Artikel anhören
Proliance-Gründer Alexander Ingelheim (l.) und Dominik Fünkner: Sonderkonjunktur durch neue EU-Richtlinie. Foto: Proliance

Düsseldorf. In den IT-Abteilungen vieler Unternehmen stehen Überstunden an. Die deutsche Politik hat jüngst die europäische Richtlinie NIS-2 in deutsches Recht überführt: Spätestens ab Anfang des neuen Jahres brauchen rund 30.000 Organisationen in 18 Branchen eine IT-Sicherheitsstrategie – von Energieversorgern über Banken bis zu Cloud-Anbietern.

Für das Start-up Proliance bedeutet die neue Regelung eine Sonderkonjunktur. Der Softwarehersteller aus München hat eine Plattform entwickelt, die Unternehmen bei der Umsetzung gesetzlicher Vorgaben unterstützt. Außer der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und dem AI Act zählt dazu auch NIS-2.

Seit die Debatte über die neue Richtlinie an Fahrt aufgenommen hat, wachse der Auftragsbestand deutlich, berichtet Gründer Alexander Ingelheim. Typisch seien Projekte, in denen Firmen etwa ein Risikomanagement entwickeln oder eine Meldekette für Cyberangriffe organisieren – lästige, aber unvermeidliche Aufgaben.

„Mit der Verabschiedung des Gesetzes beschleunigt sich die Nachfrage gerade noch“, sagt der Unternehmer.

Proliance ist ein Beispiel dafür, dass Regulierung neue Geschäftsmodelle hervorbringt. Das Start-up will den Schwung nutzen, um die eigene Plattform weiter auszubauen – muss sich dabei aber mit wachsender Konkurrenz auseinandersetzen.

Wer steckt hinter Proliance?

Mit Compliance beschäftigte sich Alexander Ingelheim bereits als Berater bei McKinsey: Der Betriebswirt half Kunden bei der internationalen Zulassung von Produkten – und sah, wie aufwendig der Umgang mit der Regulierung war.

Als die Europäische Union die DSGVO mit all ihrer Komplexität verabschiedete, erkannte Ingelheim das Geschäftspotenzial: „Gerade kleine Unternehmen verfügen weder über das notwendige Know-how noch über ausreichende Ressourcen.“ Es brauche eine Lösung, um den Umgang mit Regulierung plan- und bezahlbar zu machen.

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Gemeinsam mit Dominik Fünkner gründete Alexander Ingelheim Ende 2017 das Start-up Proliance – zunächst in der Freizeit, einige Monate darauf als Vollzeitprojekt.

Was macht Proliance genau?

Proliance hat eine Plattform entwickelt, die Geschäftskunden beim Umgang mit Themen wie Datenschutz, IT-Sicherheit und Künstlicher Intelligenz unterstützt – im Fachjargon Governance, Risk und Compliance (GRC). Unternehmen erstellen damit Datenschutzregister, bereiten Audits vor oder behalten bei der Umsetzung neuer Regelwerke den Überblick.

Zusätzlich bietet Proliance mit einem kleinen Team Beratung an, etwa für Risikobewertungen oder die Einführung von Meldeprozessen. Das Start-up verspricht, dass diese Kombination den Umgang mit Regelwerken vereinfacht und die Kosten um bis zu 40 Prozent senkt.

Ein Beispiel: Der Pharmahersteller Microlabs nutzte sowohl die Plattform als auch die Beratung, um die DSGVO umzusetzen – und nimmt damit jetzt NIS-2 in Angriff. Durch die Kombination von Plattform und Beratung habe sich die Vorbereitung auf den Audit spürbar verkürzt, berichtet Geschäftsführer Holger Montag.

Bedarf sieht Proliance-Gründer Ingelheim bei kleinen und mittleren Unternehmen, die keine großen Abteilungen für IT, Recht und Compliance haben. Zu den 2500 aktiven Kunden zählen auch Momox, Reclam und Hofbräu München.

Wie läuft das Geschäft?

Hilfe bei Regulierung ist offenbar gefragt. „Das Geschäft wächst profitabel“, sagt Proliance-Gründer Ingelheim. Für 2026 plant das Start-up mit zehn Millionen Euro wiederkehrendem Umsatz (Annual Recurring Revenue, ARR) – eine wichtige Kennzahl in der Softwarebranche. Die bereinigte Gewinnmarge (Ebit) liege im zweistelligen Bereich, teilt das Unternehmen mit, ohne weitere Details zu nennen.

Ungewöhnlich für ein Start-up: Proliance wächst größtenteils aus dem Cashflow, ist daher nicht auf Risikokapital angewiesen. Die beiden Gründer halten 33 Prozent der Anteile. Die Investoren seien mehrheitlich Unternehmer mit Fokus auf langfristige Investments, berichtet Ingelheim – etwa Nikolaus von Bomhard, Aufsichtsratschef von Munich Re, und Jens Lütcke, Gründer des Zahlungsdienstleisters Sofort.

Von Bomhard begründet sein Investment: „Proliance vereint fachliche Tiefe mit pragmatischem Vorgehen, und dies bei einem Thema, das für den Mittelstand inzwischen überlebenswichtig ist.“ Das Ziel, sei vielschichtigen Complianceanforderungen wirtschaftlich nachzukommen.

Wie geht es weiter?

Angesichts wachsender Regulierung wundert es kaum: Der Markt für Software rund um Compliance ist umkämpft. Das amerikanische Start-up Vanta expandiert nach einer Finanzierungsrunde über 150 Millionen Dollar (130 Millionen Euro) nach Europa. Dataguard bemüht sich mit Morgan Stanley als Investor um Kunden im deutschsprachigen Raum. Und dann sind da noch Spezialisten wie Secjur und Kertos.

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Auch Proliance investiert. Derzeit finanziert das Start-up neue Angebote wie für NIS-2 mit Gewinnen aus anderen Geschäftsbereichen. Gründer Alexander Ingelheim gibt das Ziel aus, einen „europäischen GRC-Champion“ aufzubauen, „strategische Zukäufe“ eingeschlossen.

Aus dem laufenden Geschäft dürfte das schwierig werden. Kommt sieben Jahre nach der Gründung doch eine klassische Finanzierungsrunde mit Risikokapitalgebern infrage? Konkrete Pläne mag Gründer Alexander Ingelheim nicht nennen.

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