Pandemie: Neue Omikron-Variante BA.2: Ansteckender, aber wohl nicht gefährlicher
Noch ist nicht klar, wie stark die Omikron-Welle Krankenhäuser und deren Intensivstationen belasten wird. Eine neuer Subtyp könnte die Situation verschärfen.
Foto: dpaDüsseldorf. In mehreren Ländern verbreitet sich die neu entdeckte Subvariante BA.2 des Omikron-Virus bereits stark. Der Immunologe Carsten Watzl ist überzeugt: Dieser Subtyp wird sich auch in Deutschland durchsetzen. Das könne die aktuell laufende Omikron-Welle noch einmal verlängern, schrieb der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie am Montag auf Twitter.
Zugleich verdichten sich aber die Hinweise, dass der Subtyp für den Menschen nicht gefährlicher ist als das „Original“. „Der Blick in die Länder, in denen BA.2 bereits dominiert, zeigt: Dort sind die Anstiege bei den Krankenhausaufenthalten nicht höher als erwartet“, sagte am Dienstag Boris Pavlin, der bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) das „Covid-19 Response Team“ leitet.
Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den bisherigen Erkenntnissen:
1. Wo verbreitet sich Omikron BA.2 derzeit?
In Großbritannien ist die Variante „unter Beobachtung“, in Dänemark soll BA.2 bereits bei den Infektionen dominierend sein. Andere europäische Staaten sowie Indien, die Philippinen melden ebenfalls größere Fallzahlen.
Auch in Deutschland gibt es bereits Infektionen mit der neuen Variante. Das Robert Koch-Institut (RKI) unterstreicht aber auch in seinem jüngsten Wochenbericht, dass die Zahl nicht so stark wie in anderen Ländern wachse. Danach entfielen in der zweiten Januarwoche erst 2,3 Prozent der Infektionen auf den neuen Subtyp. Fast alle anderen gehen aufs Konto von BA.1.
2. Worum handelt es sich bei BA.2 genau?
Bei einer massenhaften Verbreitung einer neuen Virusmutation entstehen weitere Subtypen. Das war bei der im vergangenen Jahr dominierenden Delta-Variante genauso. Wissenschaftler haben bereits zwei neue Omikron-Subtypen entdeckt, von denen sich aber nur BA.2 signifikant ausbreitet.
Subtyp bedeutet, dass die Viren vom selben Stamm sind, sich aber durch einige Mutationen unterscheiden. Bei BA.2 wurden bis zu 18 solcher Veränderungen im Vergleich zum aktuell dominierenden Omikron-Typ erkannt. Die meisten davon betreffen das sogenannte Spike-Protein. Dieses Protein ist für das Virus wie ein Schlüssel, mit dem es in menschliche Zellen eindringt und sich dort vermehrt.
3. Ist die neue Variante noch ansteckender?
Gerade Mutationen am Spike-Protein können eine Variante noch ansteckender machen. Denn bei deutlichen Veränderungen kann das Virus den Schutz von Geimpften und Genesenen umgehen. Virusvarianten mit Mutationen am Spike-Protein sind anderen Typen dadurch oft biologisch überlegen und können schnell dominant werden. Das sieht man an der rasanten Verbreitung von Omikron in Deutschland.
Immunologe Watzl bezieht sich auf Erkenntnisse einer am Sonntag veröffentlichen Studie aus Dänemark, wo BA.2 bereits seit Wochen auf dem Vormarsch ist. Danach zeigt sich eine doppelt so hohe Ansteckungsgefahr im Vergleich zum aktuell in Deutschland vorherrschendem Subtyp BA.1.
Das gelte vor allem für die Gruppe der Ungeimpften. Impfungen hätten auch mit dem Aufkommen von BA.2 einen Effekt gegen Infektion und Weitergabe, allerdings in verringerter Form. Die Autoren rechnen damit, dass der neue Subtyp zu einer weiteren Steigerung von Übertragungen bei ungeimpften Kindern, etwa in Schulen und Kitas, führen wird.
Der britische Virologe Tom Peacock vom Londoner Imperial College geht ebenfalls davon aus, dass BA.2 die aktuelle Omikron-Welle noch einmal verschärft. Eine spätere erneute Welle, ausgelöst allein durch die Variante, hält er für unwahrscheinlich.
4. Wie gefährlich ist eine Infektion mit BA.2 für den Menschen?
In der aktuell laufenden Omikron-Welle zeigt sich: Zumindest die durch Impfung oder vorherige Erkrankung immungeschützten Menschen machen weniger schwere Erkrankungen durch. Allerdings erfasst die Welle Deutschland gerade erst mit voller Wucht, die Lage in den Kliniken bleibt weiter abzuwarten.
Molekularbiologe Ulrich Elling von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften findet es mit Blick auf die neue Variante „erstaunlich, was dieses Virus an Haken schlägt“. Er vermutet, dass auch BA.2 bei geschützten Personen nicht zu schweren Verläufen nach einer Infektion führen wird.
Diese Einschätzung wird nun durch die Auswertung erster Daten durch die WHO untermauert. Die Experten können keinen unerwartet hohen Anstieg der schweren Verläufe erkennen. „BA.2 verdrängt BA.1 rasch. Die Impfung ist aber ein hervorragender Schutz gegen schwere Krankheiten, auch bei den Omikron“, sagte Pavlin. Es sei derzeit unwahrscheinlich, dass die der neue Subtyp schwerere Auswirkungen habe. Es seien aber weitere Daten notwendig.