Konjunktur: US-Wirtschaft verzeichnet 2021 stärkstes Wachstum seit 1984
Die US-Wirtschaft ist 2021 deutlich gewachsen.
Foto: APWashington. Die US-Wirtschaft ist im vergangenen Jahr um 5,7 Prozent gewachsen und damit so stark wie seit 1984 nicht mehr. Das teilte das Handelsministerium am Donnerstag in Washington auf Basis einer ersten Schätzung mit.
Das Wachstum sei besonders durch gestiegene Verbraucherausgaben, Anlageinvestitionen, Exporte und Investitionen in Lagerbestände angetrieben worden, hieß es. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltgrößten Volkswirtschaft stieg damit auf rund 22,99 Billionen US-Dollar.
Im Jahr 2020 war die US-Wirtschaft wegen der Coronakrise eingebrochen, das BIP war damals um 3,5 Prozent geschrumpft. 1984 lag das Wachstum bei 7,2 Prozent.
US-Präsident Joe Biden wertete das Wachstum in seinem ersten Jahr im Weißen Haus als Beleg dafür, „dass wir endlich eine amerikanische Wirtschaft für das 21. Jahrhundert aufbauen“. Er forderte den Kongress dazu auf, Gesetze zu verabschieden, die die USA wettbewerbsfähiger machten, Lieferketten stärkten, Innovationen förderten und zu Investitionen in saubere Energien führten. Biden ist mit einem seiner Kernanliegen – einem massiven Gesetzespaket für Soziales und Klimaschutz – bislang am Kongress gescheitert.
Das Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr entspricht in etwa den Erwartungen von Analysten und Regierung. Das Finanzministerium hatte für 2021 ein Wachstum von 5,3 Prozent erwartet, die Notenbank Federal Reserve (Fed) rechnete in ihrer Dezember-Prognose mit 5,5 Prozent.
Im laufenden Jahr dürfte sich das Wachstum nach Ansicht vieler Analysten wohl auf drei bis vier Prozent abschwächen. Als Gründe dafür werden anhaltende Unterbrechungen globaler Lieferketten und die absehbar straffere Geldpolitik der US-Notenbank angeführt.
Stärkstes Wachstum im Schlussquartal seit 1972
Das Handelsministerium teilte weiter mit, im vierten Quartal 2021 sei die US-Wirtschaft auf das Jahr hochgerechnet um 6,9 Prozent gewachsen – so hoch lag das Plus zuletzt im vierten Quartal 1972. Auch hier schlugen unter anderem gestiegene Investitionen in Lagerbestände und Verbraucherausgaben zu Buche. Weil amerikanische Wachstumszahlen auf das Jahr hochgerechnet werden, sind sie nicht direkt mit europäischen Daten vergleichbar. Die Daten der ersten Schätzung können zudem später noch geringfügig korrigiert werden.
Die US-Industrie sammelte indes im Dezember überraschend wenig Aufträge ein. Die Bestellungen für langlebige Gebrauchsgüter wie Flugzeuge und Maschinen gingen im Vergleich zum Vormonat um 0,9 Prozent zurück, wie das Handelsministerium ebenfalls mitteilte. Von Reuters befragte Experten hatten nur mit einem Minus von 0,5 Prozent gerechnet.
Im November fiel das Plus mit 3,2 Prozent allerdings stärker aus als ursprünglich gemeldet. Analyst Ralf Umlauf von der Helaba sprach von einer „etwas schwächeren Dynamik“ zum Jahresende.
Die US-Wirtschaft hat die Coronakrise größtenteils hinter sich gelassen, auch dank billionenschwerer staatlicher Konjunkturpakete. Die Arbeitslosenquote fiel im Dezember auf 3,9 Prozent. Viele Unternehmen klagen bereits über einen Mangel an Bewerbern. Vor der Coronakrise hatte die Arbeitslosenquote bei 3,5 Prozent gelegen, dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten.
Sorge bereitet Ökonomen und Politikern allerdings die seit Monaten sehr hohe Inflationsrate. Die Preise für die Verbraucher waren im Dezember im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent gestiegen. Das war der höchste Wert seit Jahrzehnten. Um die Inflation zu drosseln, will die US-Notenbank den Leitzins in diesem Jahr voraussichtlich mehrmals erhöhen. Das dürfte allerdings auch das Wachstum ausbremsen.
Fed signalisiert Zinswende
Die erste Zinserhöhung seit Beginn der Pandemie dürfte bereits bei der nächsten Sitzung des Zentralbankrats am 16. März erfolgen. Dank der starken Wirtschaftsentwicklung gebe es „einigen Spielraum“, den Leitzins zu erhöhen, ohne dabei die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt zu gefährden, sagte Notenbankchef Jerome Powell am Mittwoch. Die US-Wirtschaft brauche „keine anhaltend hohe Unterstützung durch die Geldpolitik mehr“, betonte er.
Die Fed will ihr milliardenschweres Hilfsprogramm zum Ankauf von Wertpapieren daher planmäßig Anfang März auslaufen lassen. Im Lauf des Jahres soll auch die durch Krisenprogramme auf fast neun Billionen US-Dollar angeschwollene Bilanz der Fed abgebaut werden, was den Märkten weiter Liquidität entziehen würde.
Einer Fed-Prognose vom Dezember zufolge sind bis Jahresende bis zu drei Zinsschritte zu erwarten. An den Märkten wird inzwischen sogar mit vier Straffungen um insgesamt einen Prozentpunkt gerechnet.