Schienenverkehr: Das bietet der neue ICE – die Deutsche Bahn bestellt direkt nach
Bahn-Chef Richard Lutz, Bundesverkehrsminister Volker Wissing und Siemens-Chef Roland Busch (von links) präsentieren den neuen Hochgeschwindigkeitszug in Berlin.
Foto: ReutersFrankfurt. Der erste Zug des Modells ist noch nicht mal richtig vorgestellt, da bestellt die Deutsche Bahn bereits nach. Am Dienstag gab der Staatskonzern bei Siemens 43 weitere ICE 3 neo für 1,5 Milliarden Euro in Auftrag. „Das bedeutet mehr Kapazität, mehr Komfort und mehr Qualität auf der Schiene“, sagt Bahn-Chef Richard Lutz am Dienstag bei der feierlichen Übergabe des ersten Zuges dieser Baureihe im Instandhaltungswerk Berlin-Rummelsburg.
„Ich freue mich ganz besonders, dass die Deutsche Bahn uns einen Anschlussauftrag erteilt hat“, sagte Roland Busch, der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG. Der Zug sei in Rekordzeit entwickelt worden. „Schon Ende dieses Jahres bringen wir die ersten Züge auf die Schiene.“ Insgesamt bekommt die Deutsche Bahn 73 ICE 3 neo. Der Hochgeschwindigkeitszug ist eine Weiterentwicklung des ICE 3, der bereits seit 1997 unterwegs ist. Dass sich die Deutsche Bahn dazu entschieden hat, den älteren und nicht den neuen ICE 4 zu bestellen, hat einen Grund: Der ICE 4 ist lediglich für knapp 250 Stundenkilometer zugelassen.
Soll der Zug deutlich schneller fahren, verlangt das Eisenbahn-Bundesamt höhere Standards etwa in puncto Stabilität oder Bremsen. Der ICE 3 ist mit seinen 10.900 Pferdestärken schon jetzt für 320 Stundenkilometer zertifiziert, auch wenn er dieses Tempo bislang nur in Frankreich fährt, weil das deutsche Schienennetz eine so hohe Geschwindigkeit nicht hergibt.
Rasterfolie soll Funkwellen hineinlassen
Um schnell neue Züge zu bekommen, entschied sich das Bahn-Management, den ICE 3 modernisieren zu lassen. Die ersten Züge sollen Ende des Jahres eingesetzt werden, zunächst auf Strecken zwischen Nordrhein-Westfalen und München. „Der Zug wurde in der Rekordzeit von nur zwölf Monaten fertiggestellt, so schnell wie kein andere ICE vorher“, sagte Bahn-Chef Lutz.
Außen hat sich der ICE 3 neo kaum verändert, innen hat sich dagegen einiges getan. Die für viele Reisende wohl wichtigste Innovation: Der Mobilfunkempfang soll deutlich besser sein als bisher. „Wenn wir uns anschauen, was wir im Ministerium für Zuschriften bekommen, dann ist das im Moment eines der dringlichsten Probleme“, sagte Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) am Dienstag bei der Präsentation des ICE 3 neo.
Möglich wird der bessere Empfang durch andere Fenster. Bisher haben diese eine dünne Metallschicht als Wärmeisolierung. Diese wirkt wie ein Faradaykäfig, Mobilfunkwellen gelangen nicht ins Wageninnere. Künftig wird in diese Folie per Laser ein Raster eingebrannt, das die Funkwellen durchlässt.
Wer regelmäßig im Zug arbeitet, kann zudem im neuen Modell sein Tablet fest an der Lehne des Vordersitzes montieren. Für Familien gibt es größere Abteile. Und wer bei der Bahnreise sein Fahrrad mitnehmen will, kann das im neuen ICE ohne Probleme machen. Jeder Zug hat dafür acht Stellplätze. „Die Züge bieten die nötige Attraktivität, um mehr Leute für die Nutzung der Schiene zu motivieren“, ist Bundesverkehrsminister Wissing überzeugt. „Wir wollen die Fahrgastzahlen in den kommenden acht Jahren verdoppeln.“
Doch auch wenn im neuen ICE viel steckt, seine volle Leistung kann er nur entfalten, wenn es das deutsche Schienennetz erlaubt. Das ist die wohl größte Schwachstelle im ehrgeizigen Wachstumsplan der Deutschen Bahn. Das weiß auch der Minister. „Es gibt strukturelle Aufgaben zu lösen, etwa das deutsche Schienennetz, das seit Jahren überlastet ist“, so Wissing.
Vorerst werden die neuen Hochgeschwindigkeitszüge wohl immer wieder ausgebremst werden, etwa von den zahlreichen Baustellen. „Mir ist bewusst, dass einige von Ihnen mit der betrieblichen Qualität des Netzes nicht zufrieden sind. Und ich will es ganz offen sagen: Ich bin es auch nicht“, hatte Ronald Pofalla, Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn, in der vergangenen Woche auf einer Veranstaltung des Konzerns eingeräumt.
Vor allem das Baustellenmanagement, also die Abstimmung zwischen den Baumaßnahmen und dem weiterlaufenden Verkehr, stand im vergangenen Jahr in der Kritik. Pofalla verspricht, dass sich das nicht wiederholen wird. „Wir wollen hier zu Verbesserungen der Baumaßnahmen kommen, damit es zu weniger Störungen kommt.“
Doch die Bahnkunden sollten deshalb nicht darauf hoffen, dass es in den Baustellen künftig schneller gehen wird. Wenn die Deutsche Bahn ein besseres Baustellenmanagement verspricht, ist damit in erster Linie gemeint, die Verzögerungen durch die Baumaßnahmen noch besser im Fahrplan zu berücksichtigen. Der Kunde fährt dann zwar länger, aber er weiß wenigstens, wann er ankommt.
Schnell ändern wird sich daran nichts. „Wir werden bis 2030 insgesamt 170 Milliarden Euro investieren“, sagte Pofalla. Vor allem die sogenannten Hauptkorridore sind überausgelastet. Die machen laut Pofalla zwar nur etwa zehn Prozent des gesamten Schienennetzes aus. Doch Verspätungen, die hier anfallen, schaukeln sich im Laufe des Tages im gesamten Bahnnetz hoch.
Verkehrsminister Wissing setzt gleichwohl darauf, dass der neue ICE 3 neo Verbesserungen bringen wird: „Die Züge sind deutlich schneller unterwegs, was auch die Kapazität auf dem Netz erhöht.“