Ukraine-Krise: „Amerikaner sind Abenteurer“ – Was Russen über die Konfrontation mit dem Westen denken
Die große Mehrheit der Bevölkerung steht hinter Putin: Seine Zustimmungswerte sind zuletzt gestiegen.
Foto: dpaMoskau. Valentina Iwanowna hat viel erlebt: den Zweiten Weltkrieg, den real existierenden Sozialismus, den Kalten Krieg, Glasnost und Perestroika, schließlich die Putin-Ära. Und jetzt, mit 91 Jahren, verfolgt sie in ihrer Wohnung in der Moskauer Vorstadt Podolsk ein neues Kapitel der Weltgeschichte. Die ehemalige Erzieherin, mittlerweile schwerhörig geworden, sitzt stundenlang mit Kopfhörern vor ihrem Fernseher, sieht, was die russischen Medien über die Ukraine-Krise berichten.
Sie schüttelt den Kopf. „Ich hätte nie gedacht, dass erwachsene Menschen so viel lügen können“, sagt sie. Wer denn in der Krise lüge, wird sie gefragt: „Die USA natürlich, das sind ja ohnehin alles Abenteurer, schon seit der Gründung des Landes“, antwortet sie bestimmt. Dass Russland jemanden angreifen wolle, sei „Blödsinn“, schließlich sei „die Krim ja auch freiwillig und unblutig zu uns gekommen“.
Die USA hätten Russland inzwischen fast eingekreist, die Konflikte in Georgien (2008), Kasachstan und auch der Ukraine seien der Beweis dafür. Ein Nato-Beitritt der Ukraine wäre eine weitere Etappe dieser amerikanischen Expansion. „Wenn die Ukraine dem Bündnis beitritt, dann steht das Land unter dem Schutz Washingtons.“ Nach einem Moment des Schweigens ergänzt sie: „Dann wird es erst recht unruhig dort.“