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MobilfunkanbieterO2-Mutter Telefónica Deutschland legt Rekordzahlen vor

Der Mobilfunkanbieter hat sein Imageproblem überwunden – dank Chef Markus Haas. Doch der Verlust eines prominenten Geschäftskunden schmerzt.Philipp Alvares de Souza Soares 23.02.2022 - 09:00 Uhr Artikel anhören

Die populärste Eigenmarke O2 hielt sich lange Zeit vor allem dank niedriger Preise und attraktiver Bündelangebote.

Foto: dpa

Düsseldorf. Telefónica Deutschland galt in der deutschen Mobilfunkbranche lange als tragischer Fall. Netzqualität und Service waren ebenso dürftig wie die Geschäftszahlen. Die populärste Eigenmarke O2 hielt sich vor allem dank niedriger Preise und attraktiver Bündelangebote. Doch viele Kunden und Mitarbeiter waren frustriert und gingen gleichermaßen. Erst in den vergangenen zwei Jahren begann der Trend nachhaltig zu drehen.

Am Mittwochmorgen konnte der Vorstandsvorsitzende Markus Haas gleich mehrere Fortschritte verkünden. So stieg der Umsatz im Geschäftsjahr 2021 um 3,1 Prozent auf knapp 7,77 Milliarden Euro; beim bereinigten Ergebnis (Oibda) schaffte Telefónica Deutschland gut 2,4 Milliarden Euro. „Wir haben die Power unseres Teams trotz Corona voll auf die Straße gebracht“, sagte Haas dem Handelsblatt.

Die Zahl der Kunden mit einem Festvertrag erhöhte sich demnach gar um 1,5 Millionen – ein Plus von 46 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bessere Werte haben die Münchener noch nie erreicht. Mit 1,3 Milliarden Euro erreichten auch die Investitionen ein Rekordhoch. Im laufenden Jahr sollen sie leicht sinken. Die Dividende für 2021 soll stabil bei 18 Cent bleiben.

Für das Geschäftsjahr 2022 ist der Ausblick positiv. Das bereinigte Ergebnis soll trotz „regulatorischen Gegenwinds“ im einstelligen Prozentbereich wachsen.

Die Zahlen sind ein persönlicher Erfolg für Haas, der in den Jahren zuvor immer wieder unter den hohen Ausschüttungserwartungen der spanischen Mutter und Mehrheitseignerin Telefónica zu leiden hatte. Umfassende Investitionen ins Netz waren so lange nicht möglich. Stoisch ertrug er die Klagen von Kunden, die in der Dauerwarteschleife des Kundenservice verzweifelten. Mittlerweile schneidet O2 in Netztests merklich besser ab, auch der Service soll sich verbessert haben.

Haas’ Vertrag wurde gerade erst vorzeitig um drei Jahre verlängert, wie am Montag bekannt wurde. Seine Vergütung soll im Zuge dessen dem Vernehmen nach um mehr als sechs Prozent gestiegen sein. 2020 kam der Manager auf eine Gesamtvergütung von gut 2,1 Millionen Euro. Haas arbeitet bereits seit 1998 im Unternehmen. Es war sein erster Job nach dem Jura-Abschluss.

Schwierig bleibt für Telefónica das Geschäft mit Firmenkunden. Die Konkurrenten Deutsche Telekom und Vodafone teilen den Markt weitestgehend unter sich auf, der Marktanteil für den deutschen Ableger des spanischen Telekomkonzerns blieb einstellig.

Schützenhilfe von Dommermuth und 1&1

Gerade erst verabschiedete sich Mercedes-Benz, der gern als Referenzkunde präsentiert wurde, zur Telekom. Die Umstellung mehrerer Tausend Anschlüsse dauert laut Handelsblatt-Informationen derzeit an. O2 galt beim Stuttgarter Premium-Autobauer als verhasst. Viele Mitarbeiter klagten über regelmäßige Verbindungsabbrüche und langsames Internet. Der Einzug von Telekom-Chef Tim Höttges in den Daimler-Aufsichtsrat im vorletzten Jahr dürfte den Wechselwillen zusätzlich befeuert haben.

Haas bedauert den Abgang, betont aber, dass die Zufriedenheit zuletzt wieder gestiegen sei. Die separaten 5G-Campus-Netze an mehreren Mercedes-Standorten seien zudem nicht von der Umstellung betroffen. Haas will nun die Vertriebsmannschaft im Firmensegment stärken. Sein Ziel: Ein „fair share“ in Höhe eines Drittels des Geschäftskundenmarktes. Derzeit, heißt es in Unternehmenskreisen, soll der Wert bei rund zwölf Prozent liegen.

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Unklar bleibt, wie hoch der Anteil des Konkurrenten 1&1 an den jüngsten Erfolgen der Münchener ist. 1&1-Boss Ralph Dommermuth, der keine eigene Mobilfunkinfrastruktur besitzt, hatte sich das Recht gesichert, noch bis in die 2030er-Jahre hinein bis zu 30 Prozent von Telefónicas Netzkapazität für seine Kunden mitnutzen zu können. Sie telefonieren und surfen also über das O2-Netz und sorgen dort auch für steigende Umsätze.

O2 will vor allem bei Geschäftskunden stärker wachsen.

Foto: dpa

Wie viele der neuen Vertragskunden nun etwa von 1&1 stammen, gibt Telefónica nicht preis. Haas betont lediglich, dass der „Löwenanteil“ auf die eigenen Marken zurückgehe. Langfristig soll die Partnerschaft ohnehin enden. Dommermuth bereitet derzeit den Aufbau einer eigenen, ultraschnellen 5G-Mobilfunkinfrastruktur vor. Telefónica geht davon aus, dass Mitte 2023 die ersten 1&1-Kunden auf sein neues Netz wechseln werden.

Für Haas scheint das durchaus eine Erleichterung zu sein. Er beschreibt die Beziehung zu Dommermuth wie eine anstrengende Zweckehe: „Wir sind enge Partner und Wettbewerber zugleich.“
Mehr: Deutschlandchef Haas erhält vorzeitige Vertragsverlängerung

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