Konsumgüterhersteller: Nivea-Produzent Beiersdorf erholt sich vom Coronatief – Aktie legt deutlich zu
Hersteller Beiersdorf konnte Umsatz und Gewinne im Geschäftsjahr 2021 steigern.
Foto: dpaDüsseldorf. Damit liegt Beiersdorf beim Umsatz etwa auf dem Vorkrisenniveau, beim Gewinn noch darunter. Das organische Wachstum lag deutlich über jenem in den Jahren vor Ausbruch der Pandemie. Das Hamburger Traditionsunternehmen hatte stark unter den Folgen der Pandemie gelitten. 2020 war der Umsatz auf rund sieben Milliarden Euro eingebrochen. 2021 sei ein „sehr erfolgreiches“ Geschäftsjahr gewesen, so Vincent Warnery, der den Konzern seit Mai führt.
Für 2022 erwartet der Franzose ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Bereich. Die Gewinne würden aber durch steigende Kosten für Rohstoffe und Logistik belastet. Beiersdorf versucht, die gestiegenen Kosten weiterzugeben. Dennoch ist der Vorstand bei der Marge nicht mehr so optimistisch. Die Ebit-Rendite werde bei 13 Prozent liegen – auf dem Niveau von 2021 und nicht wie erwartet leicht darüber.
Mit seinem Ausblick ist Beiersdorf optimistischer als Konkurrent Henkel. Der Persil-Hersteller hatte jüngst ein organisches Wachstum für 2022 von zwei bis vier Prozent angekündigt und eine Rendite zwischen 11,5 und 13,5 Prozent. Die Beiersdorf-Zahlen kamen an der Börse deshalb gut an: Mit einem Plus von rund vier Prozent zählte das Papier zu den Tagesgewinnern. Die Aktie erreichte den höchsten Stand seit Mitte November.
Stark wachsendes Klebstoffgeschäft
Das Geschäft der Firma Beiersdorf, die rund 20.500 Beschäftigte zählt, steht auf zwei Säulen: dem Unternehmensbereich Consumer mit der Kernmarke Nivea sowie der Klebstoffsparte Tesa. Wachstumstreiber war das Geschäft mit Klebstoffen. Beiersdorf wuchs in dieser Sparte aus eigener Kraft um 13,6 Prozent auf fast 1,5 Milliarden Euro. Das Ebit stieg deutlich um 24 Prozent auf 253 Millionen Euro.
Die Klebstoffsparte profitiert von der anziehenden Konjunktur in der Industrie. Beiersdorf dürfte auch in den nächsten Jahren in diesem Geschäftsfeld wachsen, weil Klebstoffe künftig andere Befestigungsmethoden ersetzen werden, gerade im Bereich der wachsenden E-Mobilität.
Das Geschäft mit Hautcremes und Shampoos wuchs 2021 organisch um 8,8 Prozent auf gut 6,1 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern stieg um 5,4 Prozent auf 740 Millionen Euro. Gerade die hochpreisigen Kosmetika von Beiersdorf verkaufen sich gut: So stieg die Nachfrage nach der Luxusmarke La Prairie um 20 Prozent. Kunden griffen verstärkt in Flughafenshops zu den Produkten, anders als zu den Hochzeiten der Pandemie. Auch die Hautpflegemarken Eucerin und Aquaphor sind jeweils um rund 20 Prozent gewachsen.
Beiersdorf will auch künftig vermehrt auf hochpreisige Kosmetika setzen, weil die Wachstumsaussichten in diesem Segment besser sind. So wuchs etwa die Kernmarke Nivea, die sich an den Massenmarkt richtet, um gut 5,5 Prozent.
Unter dem Strich ist das Geschäft mit Shampoos und Cremes allerdings nicht so profitabel wie jenes mit Klebstoffen: In der Sparte Tesa erzielte Beiersdorf eine Ebit-Marge von 16,9 Prozent (plus 1,5 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr), im Bereich Consumer von 12,1 Prozent (minus 0,2 Prozentpunkte).
Vergangene Woche hatte bereits Henkel seine Jahreszahlen vorgelegt – und sein Ebit ebenfalls um 9,6 Prozent steigern können. Auch bei dem Düsseldorfer Dax-Konzern ist das Klebstoffgeschäft stark gewachsen. Dort kriselt allerdings das Kosmetikgeschäft, weil Henkel primär Massenware, aber kaum margenstärkere Luxusprodukte im Portfolio hat.