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  4. Klaus-Michael Kühne: Was den Logistik-Unternehmer an der Lufthansa reizen könnte

Logistik-UnternehmerWarum Klaus-Michael Kühne als Großaktionär bei der Lufthansa einsteigt

Der erfolgreiche Spediteur hat fünf Prozent der Anteile an der Airline-Gruppe übernommen. Es dürfte Klaus-Michael Kühne um mehr gehen als nur eine schnelle Gewinnmitnahme.Jens Koenen, Arno Schütze, Christoph Schlautmann 09.03.2022 - 18:18 Uhr Artikel anhören

Der erfolgreiche Logistik-Unternehmer und Förderer des HSV sowie anderer Institutionen ist mit fünf Prozent bei Lufthansa eingestiegen.

Foto: picture alliance / Axel Heimken/

Frankfurt, Düsseldorf. Ob Klaus-Michael Kühne zu den Topkunden der Lufthansa gehört – wie es Heinz Hermann Thiele aus München war –, ist nicht bekannt. Der gebürtige Hamburger gilt als eher sparsam. Dennoch gibt es zwischen den beiden erfolgreichen Unternehmern eine Parallele. Wie der mittlerweile verstorbene Thiele, Gesellschafter des Zulieferers Knorr-Bremse, fühlt sich auch Kühne zu Europas größter Airline-Gruppe hingezogen.

Kühne hat über seine Beteiligungsfirma KA Logistik Beteiligungen GmbH mittlerweile fünf Prozent der Anteile an Lufthansa erworben. Er ist damit nach dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes der zweitgrößte Einzelaktionär des Luftfahrtkonzerns. In Finanzkreisen wird nicht ausgeschlossen, dass er weitere Aktien erwerben wird.

Ob Kühne auch einen Sitz im Aufsichtsrat von Lufthansa fordern wird, ist nicht bekannt. Bislang äußert sich der Unternehmer nicht zu seinen Plänen. Überraschend wäre das aber nicht. Bei seiner Beteiligung Hapag-Lloyd will der 84-Jährige einen zweiten Sitz im Kontrollgremium durchsetzen, nachdem ein erster Versuch im vergangenen Jahr scheiterte.

Auch über seine Motive für das Lufthansa-Engagement kann nur spekuliert werden. Fest steht: Sein Logistikunternehmen Kühne + Nagel ist in der Luftfracht zu einer echten Größe geworden und dürfte DHL als wichtigsten Kunde von Lufthansa Cargo verdrängt haben. Es gibt also eine strategische Verbindung zu Lufthansa.

Und Kühne denkt strategisch. So erwartet er, dass sich die Lieferketten in den nächsten Jahren verändern werden, nicht zuletzt mit Blick auf die wachsende Abhängigkeit von China. „Nahezu jedes Unternehmen in der industriellen Branche denkt heutzutage darüber nach, woanders einzukaufen, Güter unter Umständen selber zu produzieren und größere Lagerkapazitäten einzurichten“, sagte der Unternehmer vor einigen Wochen der Schweizer „Sonntagszeitung".

Kühne + Nagel und Lufthansa Cargo arbeiten eng zusammen

Die Logistik dürfte aber nicht die einzige Verbindung zu Lufthansa sein. Auch wenn nicht klar ist, wie viel der Unternehmer für sein Aktienpaket bezahlt hat – er wird zu einem günstigen Zeitpunkt zugekauft haben. Ab Mitte Februar ging es für die Lufthansa-Aktie wegen der Ukrainekrise kräftig bergab. Bis Anfang März hatte sich das Minus auf fast 30 Prozent summiert.

Dennoch sind die Aussichten für Lufthansa nicht schlecht. Nach wie vor buchen die Privatreisenden ihre Urlaubstrips. Auch für den Sommer sieht es weiter gut aus. Zudem will sich das Lufthansa-Management von Tochtergesellschaften wie dem Geschäftsreisedienstleister Airplus oder dem Caterer LSG trennen. Ebenso wird ein Teilverkauf des Wartungsspezialisten Lufthansa Technik geprüft. Alles das könnte sich positiv auf den Wert von Kühnes Aktienpaket auswirken.

Bislang ist der Einstieg bei Lufthansa für ihn finanziell eher eine Kleinigkeit. Selbst wenn der wieder etwas gestiegene Kurs von Dienstagabend zugrunde gelegt wird, ist sein Lufthansa-Paket rund 350 Millionen Euro wert. Kühne zählt aber mit einem geschätzten Vermögen von deutlich über 30 Milliarden Euro zu den reichsten Unternehmern Deutschlands. An Geld mangelt es ihm also nicht.

Allein für seinen 30-prozentigen Anteil an Hapag-Lloyd wird der 84-Jährige dieses Jahr wohl eine Dividende von gut 1,6 Milliarden Euro bekommen. Auch bei seinem Stammunternehmen Kühne + Nagel läuft es prächtig. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte 2021 um 175 Prozent auf 2,9 Milliarden Schweizer Franken (2,8 Milliarden Euro) zu.

Kühne gilt als durchsetzungsstark

Auf Lufthansa könnte nun ein unbequemer Aktionär zukommen. Der 84-Jährige, der den Hamburger SV sowie die Kühne Logistics University in Hamburg finanziert, einst die Reederei Hapag-Lloyd vor dem Kollaps bewahrte und den Bau der Elbphilharmonie finanziell unterstützte, gilt als durchsetzungsstark. Lockerlassen kennt er nicht. Fast täglich ist er in seinem Büro am Sitz von Kühne + Nagel in Schindellegi oberhalb des Zürichsees. Fit hält er sich auf dem Hometrainer, beim Schwimmen und mit Tennis.

Doch es gibt auch Schattenseiten. Sein Vater, der das Unternehmen einst gründete, half in der Nazizeit beim Abtransport von Möbeln deportierter Juden. Das Thema wurde beim Firmenjubiläum 2015 weitgehend verschwiegen, was für Kritik sorgte.

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Er fühle sich für seine Vorfahren und speziell für seinen Vater verantwortlich, sagte Kühne kürzlich der Schweizer „Sonntagszeitung". Irgendwann müsse aber mal Gras über die Dinge wachsen: „Das ist meine grundsätzliche Einstellung. Wichtig ist, Lehren aus den damaligen Vorkommnissen zu ziehen.“

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