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Ukraine-KriegEuropäische Banken prüfen Rückzug aus Russland

Erst die italienische Unicredit, nun die österreichische Raiffeisenbank International: Europäische Banken überdenken wegen des Ukrainekriegs zunehmend ihr Engagement in Russland.Dennis Schwarz 17.03.2022 - 13:14 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die Bank prüft nun alle strategischen Optionen für die Zukunft der Raiffeisenbank Russland.

Foto: Reuters

Frankfurt. Der Ukrainekrieg veranlasst europäische Banken, ihre Aktivitäten in Russland zu überdenken. Die Raiffeisenbank International (RBI) prüfe alle strategischen Optionen für die Zukunft der Raiffeisenbank Russland bis hin zu einem „sorgfältig gesteuerten Ausstieg“ aus der Raiffeisenbank in Russland, teilte RBI-Chef Johann Strobl am Donnerstag in einer Pressemitteilung mit. Die RBI und ihre Tochterbanken agierten weiterhin in Übereinstimmung mit den lokalen und internationalen Sanktionsgesetzen, heißt es in der Mitteilung weiter.

Damit ist die RBI nicht die einzige Bank, die inzwischen ihren Rückzug aus Russland prüft: Auch Italiens zweitgrößte Bank Unicredit unterziehe ihre Geschäfte dort einer dringenden Überprüfung, sagte Bankchef Andrea Orcel am Dienstag auf einer Finanzkonferenz. „Wir erwägen einen Austritt, aber wir müssen natürlich die Komplexität und die Folgen dessen, was wir dort tun, abgleichen“, sagte Orcel. Die Entscheidung sei schwierig und könne einige Zeit in Anspruch nehmen.

Der Druck auf Banken mit hohem Russlandengagement stieg zuletzt: Seit Anfang Februar ist der Aktienkurs der RBI um etwa 45 Prozent gefallen, die Papiere der Unicredit verloren im gleichen Zeitraum knapp 33 Prozent.

Am Donnerstagmorgen notierte die RBI-Aktie zunächst noch im Plus, Anleger reagierten jedoch im Tagesverlauf verschreckt auf die Nachricht eines möglichen Rückzugs aus Russland. So verlor die ohnehin schon massiv gebeutelte Aktie an der Wiener Börse bis zum Nachmittag mehr als sechs Prozent.

Nach Berechnungen der Ratingagentur Moody’s erzielt die RBI rund 40 Prozent ihrer Gewinne in Russland und der Ukraine. Diese Abhängigkeit macht das Institut nach Einschätzung der Analysten der DZ Bank zum westlichen Geldhaus mit dem größten Russlandrisiko.

Die Großbank machte 2021 180 Millionen Euro Gewinn mit Geschäften in Russland.

Foto: dpa

Noch Anfang März hatte Strobl in einer Telefonkonferenz für Investoren mehrfach betont, dass er nicht vorhabe, sich aus Russland zurückzuziehen. Die finanziellen Auswirkungen eines Totalverlusts ihres Russlandgeschäfts hatte die RBI aber bereits durchgerechnet. Auf seiner Website schreibt das Institut: „Im schlimmsten Fall würde die CET1-Quote auf circa zwölf Prozent sinken.“ Zum Jahresende 2021 lag die Kernkapitalquote bei 13,1 Prozent. Die Dividende hat die RBI bereits gestrichen.

Auch die Unicredit ist stark in Russland engagiert. Bei der italienischen Großbank trug ihr Russlandableger 2021 rund 180 Millionen Euro zum Gewinn der Gruppe bei. Das entsprach rund elf Prozent des gesamten Ergebnisses.

In der vergangenen Woche hatte die Bank ein Szenario präsentiert, wonach eine vollständige Abschreibung des Russlandgeschäfts Unicredit rund 7,4 Milliarden Euro kosten würde. Aber selbst in einem Extremszenario, in dem die Russlandverbindungen auf null heruntergefahren würden, könne das Geldhaus die für 2021 in Aussicht gestellte Bardividende zahlen, erklärte Unicredit.

Eine vollständige Abschreibung hätte nach Angaben des Geldhauses zur Folge, dass die Kapitalquote auf knapp über 13 Prozent sinken würde. Ende 2021 wies sie eine Kapitalquote von 15,03 Prozent aus.

Die Bank hatte bereits einen geplanten Aktienrückkauf an die Bedingung geknüpft, dass die Kernkapitalquote bei über 13 Prozent bleibt. Orcel wies am Dienstag darauf hin, dass die Messlatte für Fusionen und Übernahmen jetzt höher liege. Denn das Geldhaus benötige überschüssiges Kapital teilweise auch dafür, den Schock abzufedern.

Auch US-Banken ziehen sich aus Russland zurück

Auch amerikanische Banken reagieren auf den anhaltenden Krieg. Am Montag teilte die US-Großbank Citigroup mit, sich noch stärker als bislang geplant aus Russland zurückzuziehen.

Das Geldhaus hatte bereits im vergangenen Jahr im April mitgeteilt, aus dem Verbrauchergeschäft dort aussteigen zu wollen. „Wir haben nun entschieden, das Ausmaß dieses Ausstiegsprozesses zu vergrößern und weitere Geschäftslinien hinzuzunehmen“, teilte die Bank mit. Der noch verbleibende Geschäftsbetrieb in Russland und das Engagement in dem Land würden weiter reduziert.

Das Gesamtengagement der Citigroup in Russland belief sich Ende 2021 auf fast zehn Milliarden Dollar. Damit ist das Geldhaus die von allen US-Banken am stärksten in Russland engagierte Bank. Die Bank hatte bereits gewarnt, es könne im schlimmsten Szenario annähernd die Hälfte davon verlieren.

Bereits in der vergangenen Woche teilten die US-Großbanken JP Morgan und Goldman Sachs mit, sich aus Russland zurückzuziehen.

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Mit Agenturmaterial.

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