Geldpolitik: Japans Zentralbank hält an lockerer Geldpolitik fest
Die japanische Notenbank hält an ihrem geldpolitischen Kurs fest.
Foto: ReutersTokio. Japans Notenbank bleibt ungeachtet steigender Inflation ihrer Niedrigzinspolitik treu. Der geldpolitische Ausschuss der Bank von Japan beschloss am Freitag, die kurzfristigen Zinssätze weiter bei minus 0,1 Prozent und die langfristigen Zinssätze bei null zu halten. Die Notenbank bestätigte zudem, dass sie unbegrenzt japanische Staatsanleihen und Aktien im Wert von bis zu zwölf Billionen Yen (91 Milliarden Euro) pro Jahr kaufen kann.
Damit stellen sich Japans Währungshüter wie von den Märkten erwartet weiter gegen die globale Zinswende, mit der Zentralbanken die galoppierende Inflation einfangen wollen. Am Mittwoch hatte die US-Notenbank Fed den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte erhöht und weitere Anhebungen in diesem Jahr in Aussicht gestellt.
Am Donnerstag folgten die Bank of England und zur Überraschung der Märkte auch Taiwans Notenbank, die zum ersten Mal seit 2011 die Zinsen anhob. „Wir glauben, dass dies die zunehmende Besorgnis über die Inflationserwartungen und eine präventive Reaktion auf die bevorstehenden Zinserhöhungen der Fed widerspiegelt“, kommentierten die Ökonomen der Bank of America Merrill Lynch Taiwans Schritt.
Angesichts des anhaltenden Inflationsdrucks erwarten die Ökonomen in Taiwan zwei weitere Anhebungen um jeweils 12,5 Basispunkte im Juni und September dieses Jahres. Denn nicht nur in der Chiphochburg herrscht die Sorge, dass die asiatischen Landeswährungen drastisch an Wert verlieren könnten, wenn sich der Zinsabstand zu US-Anleihen vergrößert. Südkoreas Finanzminister Hong Nam-ki versprach am Donnerstag, dass die Regierung die Landeswährung Won stützen werde, falls deren Kurs übermäßig stark gegenüber dem Dollar fallen würde.
Das Problem: Zwar erhöht eine schwächere Währung generell die Wettbewerbsfähigkeit der Exporteure eines Landes. Aber in diesem Fall überwiegt die Angst, dass eine schwache Währung die Inflation noch weiter antreibt, weil ein Land dann noch mehr für die stark steigenden Rohstoffpreise bezahlen müsste.
In Japan hinkt die Inflation dem Trend hinterher
Auch in Japan wächst der Druck auf die Notenbank, den Fall des Yens zu bremsen. Aber die Notenbank lehnt dies noch ab, da die Inflation deutlich hinter dem globalen Trend herhinkt. Im Januar lag die Preissteigerung statistisch trotz steigender Importkosten mit 0,2 Prozent noch deutlich unter dem Inflationsziel von zwei Prozent.
Gouverneur Haruhiko Kuroda sagte zwar, dass die jährliche Steigerungsrate des Verbraucherpreisindex in Japan nach April auf etwa zwei Prozent steigen könnte. Aber nach seiner Ansicht wird dieser Anstieg nur vorübergehend sein. „Das bedeutet nicht, dass das Kursziel der Bank von Japan erreicht wurde“, betonte er. Er sieht daher keinen Grund, die Geldpolitik zu überarbeiten.
Stattdessen verweist die Notenbank darauf, dass die Wirtschaft sich zwar weiterhin erhole, aber erneut eine „gewisse Schwäche“ zeige. Hauptsächlich sei das auf die Folgen der Coronapandemie zurückzuführen, so die Bank von Japan. Das Institut legt seinen Fokus allerdings weiter auf die Folgen des Ukrainekriegs, insbesondere die volatilen globalen Finanz- und Kapitalmärkte und die „erheblich“ steigenden Preise für Rohstoffe wie Rohöl und Gas.
Shigeto Nagai, Volkswirt von Oxford Economics, glaubt, dass die Notenbank sich auch weiter gegen den globalen Trend stemmen wird: „Die Bank von Japan hat wenig Anreiz, die Normalisierung ihrer Politik voranzutreiben“, so Nagai. Denn er glaubt nicht, dass die Nebeneffekte der niedrigen Zinsen ausreichen, um die positiven Effekte auf die Wirtschaft und den Schuldendienst des hochverschuldeten Landes zu übertreffen.
Der Markt sieht es ähnlich: Weder am Aktien- noch am Devisen- oder Anleihemarkt sorgte der Beschluss der Bank von Japan für eine Reaktion. So verharrte die Landeswährung bei 118 Yen zum Dollar, dem schwächsten Niveau seit fünf Jahren. Aber einige Devisenanalysten erwarten, dass der Yen gegenüber dem Dollar weiter an Wert verlieren könnte.