Gastkommentar: Putins Schachzug darf den Westen nicht aus der Ruhe bringen
Russlands Präsident hat mit seinen jüngsten Ankündigungen für Nervosität in Europa gesorgt.
Foto: dpaViele Beobachter reiben sich verwundert die Augen. Was will Russlands Präsident Wladimir Putin wohl damit erreichen, dass nun das Gas mit Rubel bezahlt werden soll? Allerlei halbgare Erklärungsversuche sind zu lesen, zum Beispiel, dass dadurch der Rubel gestützt werden solle. Zugleich kocht die Forderung hoch, sofort darauf zu reagieren.
Aus spieltheoretischer Sicht ergibt sich ein anderes – und konsistentes – Bild. Solange wir uns nicht vollkommen von den Gas- und Öllieferungen Russlands abschotten, müssen alle energiepolitischen Entscheidungen des Westens, die Russlands Lieferungen betreffen, verhandelt werden. Explizit oder implizit, also am Verhandlungstisch oder durch Signale und Aktionen, wie es Putin gerade gemacht hat.
Die Vorstellung, dass Europa unilateral entscheiden kann, beispielsweise die Gaslieferungen aus Russland um zwei Drittel zu reduzieren, gepaart mit der Vorstellung, dass dann auch der Geldfluss nach Russland um zwei Drittel fällt, wäre naiv.
Es ist davon auszugehen, wie wir an anderer Stelle betont haben, dass Russland darauf mit Preiserhöhungen reagieren wird. Diese könnten sogar so hoch sein, dass die Einnahmeverluste durch den Importrückgang überkompensiert werden.