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ErdgasGazprom gibt seine deutsche Tochter Gazprom Germania auf

Das Bundeswirtschaftsministerium spielt intern bereits eine Übernahme der Gazprom-Tochter durch. Jetzt verkündet der russische Staatskonzern seinen Rückzug.Thomas Sigmund, Catiana Krapp, Martin Greive und Klaus Stratmann 01.04.2022 - 20:34 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der russische Energiekonzern gibt seine Deutschlandtochter auf.

Foto: GAZPROM Germania GmbH

Berlin, Düsseldorf. Der russische Gasriese Gazprom gibt nach eigenen Angaben seine deutsche Tochter Gazprom Germania auf. Der Konzern teilte am Freitag mit, sich von Gazprom Germania GmbH und deren Beteiligungen, darunter die Firma Gazprom Marketing & Trading, zurückzuziehen. Nähere Angaben machte das Unternehmen nicht. Von Gazprom Germania war bisher keine Stellungnahme zu erhalten.

Der russische Mutterkonzern war bislang alleiniger Eigentümer. Zu den Beteiligungen von Gazprom Germania gehören auch Töchter in der Schweiz und in Tschechien.

Geschäftsfelder von Gazprom Germania sind der Handel, Transport und die Speicherung von Erdgas. Es ist unklar, ob die Ankündigung Konsequenzen für die Erdgaslieferungen von Russland nach Deutschland hat.

Gazprom Germania: Wirtschaftsministerium prüft Enteignung

Die Hintergründe für den Schritt von Gazprom sind zwar noch unklar. Doch wie das Handelsblatt bereits am Donnerstag berichtet hatte, spielt das Bundeswirtschaftsministerium bereits intern eine Verstaatlichung bis hin zu einer Enteignung der deutschen Töchter der russischen Energiekonzerne Gazprom und Rosneft durch.

Damit wolle die Bundesregierung im Falle einer Schieflage der Unternehmen einer massiven Beeinträchtigung der Energieversorgung insbesondere in Ostdeutschland vorbeugen. Dies hatten mehrere Regierungsvertreter dem Handelsblatt bestätigt. Die Gefahr eines „technischen Konkurses“ sei daher nicht von der Hand zu weisen, sagte ein Insider.

Gazprom Germania ist selbst nicht von den Sanktionen gegen Russland betroffen, hat aber seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine dennoch erhebliche Probleme mit neuen Verträgen und Geschäften in Deutschland. Zum einen gehen Banken auf Distanz zu russischen Tochterunternehmen. Insider berichten, es seien etwa nur noch wenige Banken überhaupt bereit, für Rosneft Germania tätig zu werden.

Zum anderen findet Gazprom Germania auch kaum noch Vertragspartner. Bereits Anfang März hatten Gaskunden beschlossen, mit Versorgern wie der Gazprom-Germania-Tochter Wingas keine Geschäfte mehr zu machen, wie das Handelsblatt berichtet hatte. Zugleich hatte Wingas zunächst aufgehört, neue Langfristgeschäfte für Gaslieferungen anzubieten.

Wie der Gazprom-Ausstieg bei seiner deutschen Tochter vonstatten gehen wird, ist noch unklar. „Das 'Aufgeben' von Anteilen gibt es im deutschen GmbH-Recht nicht“, erläutert Stephan Koch, Rechtsanwalt bei der Kanzlei Raue. „Ein Gesellschafter hat nur die Möglichkeit, seine Anteile zu übertragen, also zu verkaufen, oder die Gesellschaft zu liquidieren.“ Eine Liquidation funktioniere ähnlich wie ein Insolvenzverfahren, so Koch weiter.

Generell bräuchten solche Lösungen Zeit. „Bis das alles geklärt ist, vergehen im Normalfall Wochen“, sagt der Experte. Bis dahin gebe es keinen Vollzug.

Gazprom Germania ist wichtiger Betreiber von Gasspeichern

An diesem Freitag hatte zudem die Nachrichtenagentur Bloomberg noch einmal berichtet, dass Kunden Geschäfte mit Wingas meiden. Die Bundesregierung prüfe deshalb Implikationen, die eine Insolvenz des Unternehmens hätte.

Würden die beiden Unternehmen kippen, hätte dies massive Auswirkungen auf die Energieversorgung. Wingas versorgt rund 20 Prozent des deutschen Gasmarktes. Gazprom Germania betreibt große Gasspeicher. Rosneft Deutschland wiederum ist als Raffineriebetreiber ein Schlüsselspieler für den Benzin-, Diesel- und Kerosinmarkt. Auf dem deutschen Energiemarkt sind beide Firmen derzeit nicht zu ersetzen. Eine mögliche Rettungsaktion wäre nach einer Abspaltung der Mutter nun leichter durchzuführen.

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Sollte sich der Staat nun tatsächlich an den Unternehmen beteiligen, könnten diese unter den Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) schlüpfen. Dafür müsste der WSF aber zuerst wie von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bereits vorgeschlagen für „volkswirtschaftlich relevante Unternehmen“ geöffnet werden.
Mit Agenturmaterial

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