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EZB-Leitzins-FAQWas ist der Leitzins der Europäischen Zentralbank?

Die EZB hat die Leitzinsen seit Juli 2022 rasant erhöht. Doch was ist der Leitzins, und wie wirkt er sich auf Inflation und Konjunktur aus?Saskia Patermann, Clara Thier 07.02.2024 - 10:51 Uhr Artikel anhören

Leitzinsen sind die Zinssätze, zu denen die Geschäftsbanken eines Landes sich bei der Zentralbank beziehungsweise Notenbank Geld beschaffen und anlegen können.

Foto: dpa

Frankfurt. Im Januar 2024 belässt die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen ein weiteres Mal bei 4,5 Prozentpunkte. Es ist die dritte Zinspause in Folge. Die EZB hatte im Kampf gegen die hohe Inflation seit Sommer 2022 zehnmal in Serie die Zinsen angehoben.

Seit Beginn des Ukrainekriegs stiegen in vielen Ländern weltweit die Preise. In Deutschland lag die nach unten korrigierte, jährliche Inflationsrate im Jahr 2023 bei 5,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dabei lag die Kerninflation, die um Energie und Nahrungsmittel bereinigte Preissteigerung, im vergangenen Jahr bei 5,1 Prozent. In der EU betrug sie nur noch 2,4 Prozent.

Mit einem höheren Leitzins will die EZB dafür sorgen, dass die Inflation im Euro-Raum in Zukunft wieder zurückgehe, so lautete die Einschätzung von EZB-Präsidentin Christine Lagarde. „Wir gehen davon aus, dass die Inflation im Euro-Raum weiter sinken wird, da der verzögerte Preisdruck nachlässt und die straffere Geldpolitik zunehmend die Nachfrage dämpft“, teilte die EZB-Chefin mit. Doch welche Rolle spielt der Leitzins dabei genau?

Was ist der Leitzins, und wer legt ihn fest?

Leitzinsen sind die Zinssätze, zu denen die Geschäftsbanken eines Landes sich bei der Zentralbank beziehungsweise Notenbank Geld leihen können.

Im Euro-Raum wird die Höhe der Leitzinsen von der Europäischen Zentralbank festgelegt. Dabei agiert die EZB unabhängig von den Regierungen der EU-Länder. Der EZB-Rat tagt mehrere Male im Jahr, um Entscheidungen über den Leitzins zu treffen.

Die EZB-Präsidentin und ihre Kollegen haben seit Juli vergangenen Jahres sechs Mal die Zinsen erhöht.

Foto: imago images/Frank Ossenbrink

Welche Leitzinsarten gibt es?

Wird von „dem Leitzins“ gesprochen, ist meist der Zinssatz für das Hauptrefinanzierungsgeschäft gemeint, auch „Haupttender“ oder „Wochentender“ genannt. Er ist offiziell der wichtigste Zins der EZB und liegt aktuell bei 4,5 Prozent (Stand 01.02.2024). Zu diesem Zinssatz können sich die Banken über eine Regellaufzeit von einer Woche Geld von der EZB leihen.  

Insgesamt werden drei verschiedene Leitzinsarten von der EZB festgelegt:

  • der Zinssatz für das Hauptrefinanzierungsgeschäft,
  • der Zinssatz für die Spitzenrefinanzierungsfazilität und
  • der Zinssatz für die Einlagefazilität.

Beim Zinssatz für die Spitzenrefinanzierungsfazilität (auch Übernachtkredit genannt) handelt es sich um den Zinssatz, zu dem sich die Banken kurzfristig bis zum nächsten Geschäftstag Geld bei der EZB leihen können. Dieser fällt in der Regel höher aus als der Hauptrefinanzierungssatz und bildet die Obergrenze für den Tagesgeldzinssatz am Geldmarkt. Das liegt daran, dass die Geschäftsbanken untereinander nicht bereit sind, einen höheren Zinssatz zu zahlen, als die EZB für einen Übernachtkredit von ihnen verlangt. Im Januar 2024 wurde der Zinssatz für die Spitzenrefinanzierungsfazilität auf 4,75 Prozent belassen (Stand 01.02.2024).

Beim Zinssatz für die Einlagefazilität handelt es sich hingegen um den Zinssatz, zu dem die Banken bis zum nächsten Geschäftstag Geld bei der EZB hinterlegen können. Er bildet die Untergrenze für den Tagesgeldzinssatz und liegt aktuell bei 4,0 Prozent (Stand 01.02.2024).

Um einen Kredit der EZB in Anspruch zu nehmen, müssen die Geschäftsbanken Sicherheiten wie Wertpapiere hinterlegen, um die Rückzahlung der liquiden Mittel zu garantieren. Das Euro-System, das sich aus der EZB und den 20 nationalen Zentralbanken zusammensetzt, stellt eine Liste der akzeptierten, notenbankfähigen Sicherheiten zur Verfügung.

Was passiert bei der Veränderung des Leitzinses?

Das wesentliche Ziel der EZB ist die Gewährleistung eines stabilen Preisniveaus in der Euro-Zone. Als Ziel gibt sie eine Inflationsrate von zwei Prozent an. Durch langsam steigende Preise sollen Investoren und Verbraucher ermutigt werden, jetzt Geld auszugeben, anstatt zu sparen und Investitionen aufzuschieben. Durch die Veränderung der Leitzinsen kann die EZB die Inflationsrate beeinflussen.

Werden die Leitzinsen angehoben, ist von einer „Straffung“ der Geldpolitik die Rede. Die Erhöhung der Leitzinsen hat einen hemmenden Einfluss auf das Wirtschaftswachstum und die Inflation. Kredite werden teurer, und die Sparrate steigt. Wenn weniger investiert und konsumiert wird, verlangsamt sich das Wirtschaftswachstum und die Inflation sinkt.

Werden die Leitzinsen hingegen gesenkt, spricht man von einer „Lockerung“ der Geldpolitik. Günstige Zinsen führen zu einer vermehrten Kreditvergabe, und es wird mehr investiert und konsumiert. Das Wirtschaftswachstum wird angekurbelt, und die Inflation steigt.

EZB-Leitzins-Prognose: Wie wird sich der Leitzins entwickeln?

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Aktuell liegt der offizielle Leitzins (für das Hauptrefinanzierungsgeschäft) bei 4,5 Prozent und der Zinssatz für die Einlagefazilität bei 4,0 Prozent. Während der Leitzins ab 2016 wegen der zu geringen Inflation sogar einige Jahre bei null lag, wurde er seit Juli 2022 in bereits zehn Zinsschritten rasant erhöht. Aktuell stagniert der Satz für die Spitzenrefinanzierungsfazilität bei 4,75 Prozent. Wann die Zinswende in der Eurozone kommt, bleibt weiter ungewiss.

Dieser Artikel erschien bereits am 28.04.2022 (zuletzt aktualisiert: 01.02.2024, 12:08 Uhr).

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