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GeldpolitikLagarde: Inflation sinkt weiter, aber Kernrate bleibt vorerst hoch

Laut der obersten Währungshüterin zeigt die restriktivere Geldpolitik Wirkung. Doch ein Problem bleibt: die hohe Kerninflation. EZB-Ratsmitglied Wunsch zeigt sich optimistischer. 14.04.2023 - 13:53 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die EZB-Präsidentin beobachtet eine positive Entwicklung bei der Inflation, gibt aber kaum Entwarnung.

Foto: ddp/abaca press

Washington. Die Inflation im Euro-Raum wird nach Einschätzung von EZB-Präsidentin Christine Lagarde weiter zurückgehen. „Wir gehen davon aus, dass die Inflation im Euro-Raum weiter sinken wird, da der verzögerte Preisdruck nachlässt und die straffere Geldpolitik zunehmend die Nachfrage dämpft“, teilte die Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB) am Freitag anlässlich des Frühjahrstreffens des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington mit.

Ein historisch kräftiges Wachstum der Löhne werde aber die Kerninflation, in der die schwankungsreichen Energie- und Lebensmittelpreise ausgeklammert sind, weiter für einige Zeit hoch halten.

Der Ausblick sei mit erheblicher Unsicherheit behaftet. Es gebe sowohl Chancen als auch Risiken, erklärte Lagarde. Die Gesamtinflation im Währungsgebiet war zuletzt zwar im Zuge sinkender Energiepreise weiter zurückgegangen auf 6,9 Prozent im März.

Allerdings stieg die Kernrate im März erneut an auf 5,7 Prozent – sie erhöhte sich damit bereits den vierten Monat in Folge. Das bereitet vielen Währungshütern Sorgen, da dies ein Zeichen dafür seien könnte, dass der Preisschub in der 20-Länder-Gemeinschaft noch länger anhalten könnte.

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel geht allerdings davon aus, dass sich auch die Kerninflation bald in die von den Währungshütern gewünschte Richtung bewegen wird. Nagel rechnet damit noch vor der Sommerpause. 

Belgiens Notenbankchef erwartet EZB-Debatte im Mai

Wie sich die Kerninflation entwickelt, davon hängen auch die anstehenden Entscheidungen der EZB zum Leitzins ab. Beim IWF-Treffen in Washington äußerte sich Belgiens Notenbankchef Wunsch dazu wie folgt: Ob ein größerer Schritt um 0,50 Prozentpunkte oder ein geringerer um 0,25 Prozentpunkte anstehe, hänge auch davon ab, wie die Kerninflation sich entwickele. Das Ratsmitglied der EZB sprach sich zudem für einen schnelleren Abbau der billionenschweren Anleihenbestände der Euro-Notenbank aus.

Falls die Kernrate erneut unerwartet hoch und die vierteljährliche Kreditumfrage der EZB unter Banken – der sogenannte Bank Lending Survey (BLS) – nicht zu schlecht ausfielen, müsse die EZB am 4. Mai womöglich um 0,50 Prozentpunkte erhöhen. „Wenn die Kernrate positiv überrascht, dann sind vielleicht 25 mehr angemessen,“ sagte er.

Zwei Tage vor der Mai-Zinssitzung werden erste Inflationsdaten für den Monat April veröffentlicht. Auch die Ergebnisse des jüngsten BLS werden dann bekanntgegeben. Beides sind zentrale Daten für die Kalibrierung der Geldpolitik. Nach Einschätzung von Wunsch wird auch die Kerninflation allmählich sinken, sobald der starke Rückgang der Energiekosten in der Wirtschaft durchschlägt.

Es bestehe aber die Gefahr, dass sie länger bei über drei Prozent verharre, sagte er. Die EZB hat seit Juli 2022 in rasantem Tempo bereits sechs Mal in Folge die Zinsen angehoben, zuletzt im März um 0,50 Prozentpunkte. Der an den Finanzmärkten maßgebliche Einlagensatz, den Banken für das Parken überschüssiger Gelder erhalten, liegt aktuell bei 3,00 Prozent.

Höhere Zinsen bis September und niedrigere Anleihebestände

Am Finanzmarkt wird damit gerechnet, dass der Satz bis September auf 3,75 Prozent steigen wird. Danach wird zum Jahresende hin bereits wieder ein tieferes Zinsniveau erwartet, obgleich viele Währungshüter deutlich gemacht haben, dass die EZB nach Erreichen des Zinsgipfels für eine gewisse Zeit dort bleiben werde.

Wunsch bezeichnete die Markterwartungen eines Zinsgipfels bei 3,75 Prozent als „vernünftig“. Die Erwartungen einer Zinssenkung um das Jahresende herum seien dies aber nicht. „Da die Lohndynamik voraussichtlich jahrelang mit dem Inflationsziel von zwei Prozent unvereinbar sein wird und die Realzinsen immer noch niedrig sind, sehe ich keine schnelle Wende in der Geldpolitik, sobald wir die Endrate erreicht haben“, sagte er.

Wunsch fordert zudem mehr Tempo beim Abbau der massiven Anleihenbestände in der Notenbankbilanz, was in der Fachwelt als Quantitative Straffung (QT) bezeichnet wird. „Wir müssen bei der quantitativen Straffung mehr tun“, sagte er. „Wir könnten dieses Jahr die Reinvestitionen vollständig einstellen, und selbst dann wird es Jahre dauern, bis das Portfolio abgebaut ist.“

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Aktuell werden die Bestände aus dem Programm zum Ankauf von Vermögenswerten (Asset Purchase Programme – APP) verringert, da die Tilgungsbeträge von Papieren bei Fälligkeit nicht mehr vollumfänglich reinvestiert werden. Bis Ende Juni sollen die derzeit rund 3,2 Billionen Euro großen APP-Bestände so monatlich im Schnitt um 15 Milliarden Euro abgeschmolzen werden. „Der Markt hat darauf sehr gut reagiert und unsere Bilanz ist immer noch zu groß“, so Wunsch.

rtr
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