Erneuerbare Energien: Solar- und Windparkbetreiber Blue Elephant sucht neue Geldgeber
Blue Elephant Energy kauft Wind- und Solarparks, die noch gebaut werden oder bereits in Betrieb sind. Dafür will das Unternehmen nun zusätzliches Eigenkapital einsammeln.
Foto: IMAGO/ShotshopFrankfurt. Der Hamburger Solar- und Windparkbetreiber Blue Elephant Energy macht sich erneut auf die Suche nach Geldgebern, um sein schnelles Wachstum zu finanzieren. Das Unternehmen prüft mithilfe der Investmentbank BNP Paribas Finanzierungsoptionen, wie mehrere mit der Situation vertraute Personen dem Handelsblatt sagten. Das Unternehmen wolle für seine Investitionsvorhaben der nächsten beiden Jahre rund 300 Millionen Euro an Eigenkapital einsammeln. Dabei spreche Blue Elephant sowohl mit Versorgern als auch mit privaten Beteiligungsfirmen und Infrastrukturinvestoren.
Die Bewertung von Blue Elephant Energy könnte dabei auf mehr als zwei Milliarden Euro steigen, einschließlich Schulden. Blue Elephant Energy und BNP lehnten Stellungnahmen zum laufenden Investorenprozess ab. Das Unternehmen erklärte, fortwährend diverse strategische Optionen mit verschiedenen möglichen Kooperationspartnern zu prüfen, um sein kapitalintensives Wachstum realisieren zu können. „Zur Deckung unseres Investitionsbedarfs schließen wir weitere Kapitalpartnerschaften mit namhaften internationalen Partnern nicht aus,“ sagte Firmenchef Felix Goedhart dem Handelsblatt.
Das Unternehmen profitiert von der hohen Nachfrage nach erneuerbaren Energien und der staatlich vorangetriebenen Energiewende. Bis 2030 will die Ampelregierung allein die Leistung deutscher Windräder auf See vervierfachen. Der Offshore-Ausbau stehe künftig im überragenden öffentlichen Interesse, hatte die Ampelregierung in ihrem Osterpaket bekräftigt, mit dem der Ausbau erneuerbarer Energien massiv beschleunigt werden soll.
Die 2016 gegründete Blue Elephant Energy ist ein unabhängiger Stromerzeuger, der Solar- und Windparks kauft, die meist entweder schon in Betrieb oder im Bau sind, zumindest jedoch baureif. Dabei konkurriert die Firma etwa mit Encavis, Energiekontor oder Clearvise. Aktuell betreibt Blue Elephant Solar- und Windkraftanlagen mit einer Leistung von insgesamt 1,3 Gigawatt. Zusätzlich besitzt das Unternehmen in der Entwicklung befindliche Anlagen mit einer Leistung von rund zwei Gigawatt.
Auf dem fragmentierten Markt sind viele Anbieter aktiv. Energiekonzerne, private Beteiligungsfirmen und Infrastrukturinvestoren konkurrieren um Investitionen in den Bereich. Sie kaufen Solar- und Windparkentwickler, -betreiber oder einzelne Parks. Während Energieunternehmen wie RWE oder Shell dabei typischerweise auch das Entwicklungsrisiko übernehmen, steigen Infrastrukturinvestoren häufig erst ein, wenn die Anlagen in Betrieb sind.
Derzeit ist Finanzkreisen zufolge eine Reihe von Erneuerbare-Energien-Firmen auf dem Markt, unter anderem der Regensburger Windparkentwickler Ostwind, der bei einem Deal mit rund einer halben Milliarde Euro bewertet werden könnte. Ostwind lehnte eine Stellungnahme ab.
Blue Elephant finanziert sich nach gescheitertem Börsengang privat
Blue Elephant Energy wollte vergangenes Jahr an die Börse, konnte die Pläne angesichts volatiler Kapitalmärkte dann aber nicht umsetzen. Stattdessen stieg Athos ein, die Familienholding der hinter Biontech stehenden Pharmaunternehmer Andreas und Thomas Strüngmann. Goedhart bezeichnete die Athos-Beteiligung damals als „Ritterschlag“. Bei dem Deal war sein Unternehmen mit knapp 1,5 Milliarden Euro bewertet worden, einschließlich Verbindlichkeiten von knapp einer Milliarde Euro.
Blue Elephant Energy kam einer Unternehmenspräsentation zufolge im Jahr 2021 bei 101 Millionen Euro Umsatz auf ein operatives Ergebnis (Ebitda) von 76 Millionen Euro. Das jährliche Umsatzwachstum seit 2019 betrug 24 Prozent. Bei seinen Projekten erzielt Blue Elephant Energy im Schnitt eine Rendite (IRR) von acht Prozent. 90 Prozent der Umsätze aus dem bestehenden Portfolio sind für die nächsten 15 Jahre abgesichert.
Dabei sinkt der Anteil staatlicher Finanzierung an den Umsätzen – in der Vergangenheit eine verlässliche Einnahmequelle für die Planer und Betreiber von Wind- und Solarparks. Stattdessen werden immer mehr Projekte über sogenannte Direktstromlieferverträge, kurz PPAs (Power Purchase Agreements), finanziert.
Goedhart war neun Jahre lang Chef des Solarparkbetreibers Encavis, verließ das Hamburger Unternehmen aber 2015 und gründete mithilfe der Familien Wacker (Wacker Chemie) und Jahr (ehemals Gruner + Jahr) Blue Elephant Energy. Rund eine Milliarde Euro sind seither in das Unternehmen geflossen. Die Unternehmerfamilie Wacker und die ehemalige Verlegerfamilie halten derzeit je 23,2 Prozent, Goedhart selbst hält 15,7 Prozent, Athos 15,4 Prozent. Der ehemalige Wacker-Chef Peter-Alexander Wacker ist Aufsichtsratsvorsitzender.