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KonjunkturErste Daten für April: Chinas Corona-Lockdowns schaden Wirtschaft stärker als erwartet

Konjunkturindikatoren deuten auf einen Einbruch der chinesischen Industrie hin. Die Wirtschaftstätigkeit schrumpfte im April so stark wie seit Beginn der Corona-Pandemie nicht mehr.Sabine Gusbeth 30.04.2022 - 07:38 Uhr Artikel anhören

Blick auf Container und Kräne im Yangshan-Hafen.

Foto: dpa

Peking. Die chinesische Wirtschaft leidet stärker unter den anhaltenden Lockdowns von Millionenmetropolen wie Schanghai als befürchtet. Darauf weisen Einkaufsmanagerindizes (PMI) für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor hin, die am Samstag veröffentlicht wurden. Demnach ist die Wirtschaftstätigkeit im April so stark zurückgegangen wie seit Beginn der Corona-Pandemie nicht mehr. 

Die Einkaufsmanagerindizes sind die ersten offiziellen Daten für April und zeigen das Ausmaß des wirtschaftlichen Schadens der jüngsten Coronawelle in der Volksrepublik, die die chinesische Staatsführung mit einer strikten Null-Covid-Politik einzudämmen versucht. Die PMI-Daten gelten als zuverlässiger Frühindikator für die Wirtschaftsentwicklung.

Chinas offizieller Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe fiel auf den niedrigsten Wert seit Beginn der Pandemie vor mehr als zwei Jahren. Wie das nationale Statistikamt am Samstag bekannt gab, lag der PMI für den Monat April bei 42,7. Im März betrug der Wert noch 48,8. Der gesonderte Einkaufsmanagerindex für die Dienstleistungsbranche ist im April mit 41,9 sogar noch deutlicher eingebrochen. 

Ein Wert von über 50 bedeutet, dass der Sektor wächst. Ein Wert von unter 50 signalisiert einen Rückgang. Der staatlich ermittelte PMI bildet vor allem die Einschätzungen von großen und staatlichen Unternehmen ab und wird monatlich durch Umfragen erhoben.

Auch bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen hat sich Lage deutlich eingetrübt. Das zeigt der PMI-Index, der vom Wirtschaftsmagazin Caixin veröffentlicht wird. Er fiel auf 46,0 Zähler gegenüber 48,1 im Vormonat, der stärkste Einbruch seit Mai 2020. Analysten hatten mit einem Wert von 47,0 gerechnet.


Nach wochenlangem Lockdown durfte am Freitag rund die Hälfte der Bevölkerung in der chinesischen Metropole Schanghai wieder ihre Wohnungen verlassen. Wegen eines neuen Corona-Ausbruchs werden nun harte Maßnahmen für die Hauptstadt Peking befürchtet.


Die befragten Unternehmen begründeten den Rückgang mit der Verschärfung der Corona-Beschränkungen und den daraus resultierenden Auswirkungen auf Geschäftsabläufe, Lieferketten und die Nachfrage. Insbesondere führten Schwierigkeiten bei der Verschiffung und das Nachlassen der Auslandsnachfrage zu einem anhaltenden Rückgang neuer Exportaufträge. 

Lockdowns schaden chinesischer Wirtschaft massiv

Die Frühindikatoren bestätigen die Befürchtungen vieler Experten, dass die anhaltenden Lockdowns in Wirtschaftsmetropolen wie Schanghai der chinesischen Wirtschaft massiv schaden.

Ein Festhalten an der Null-Covid-Politik könnte die chinesische Wirtschaft „verwüsten“, warnte Alicia Garcia Herrero, Chefökonomin für Asien-Pazifik bei der französischen Investmentbank Natixis jüngst in einer Analyse. Lu Ting, China-Chefvolkswirt der japanischen Investmentbank Nomura sieht seit Mitte März ein „steigendes Rezessionsrisiko“. 

Im ersten Quartal war Chinas Wirtschaft mit 4,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwar stärker gewachsen als erwartet. Allerdings hatte sich das Wachstum nach einem schwungvollen Jahresauftakt im März deutlich abgeschwächt. 

Selbst bei niedrigen Fallzahlen werden Städte abgeriegelt

China kämpft aktuell mit dem schlimmsten Coronaausbruch seit 2020. Da die Staatsführung eine strikte Null-Covid-Politik verfolgt, werden selbst bei niedrigen Fallzahlen oft ganze Wohnblocks, Stadtviertel oder gar ganze Metropolen abgeriegelt. In vielen Fabriken stehen die Bänder still. Transportwege sind unterbrochen.

Nicht nur Schanghai ist betroffen – die Wirtschafts- und Finanzmetropole ist seit mehr als vier Wochen im Lockdown. Viele Bewohner sitzen seitdem in ihren Wohnungen fest. Auch in der Hauptstadt Peking wurden zuletzt einzelne Wohnblöcke aufgrund von Coronafällen abgeriegelt. 

Allerdings wächst in der Führungsriege die Sorge über die Stabilität der Wirtschaft. Das ohnehin ambitionierte Wachstumsziel von 5,5 Prozent halten die meisten Ökonomen nur noch mit hohen staatlichen Konjunkturhilfen für erreichbar. Am Freitag kündigte das Politbüro, das oberste Lenkungsgremium der herrschenden Kommunistischen Partei, weitere Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur an.

Die Herausforderungen durch die Corona- und die Ukrainekrise nähmen zu. Darum würden makroökonomische Anpassungen vorgenommen, hieß es in einer Stellungnahme. Details über mögliche Konjunkturstützen wurden jedoch nicht bekannt. 


Im Nationalen Ausstellungs- und Kongresszentrum ist ein Behelfskrankenhaus und eine Quarantäneeinrichtung untergebracht.

Foto: dpa


Das Politbüro-Treffen war mit Spannung erwartet worden, da es Aufschluss darüber geben sollte, wie die Staatsführung die Wirtschaft unterstützen will. Das Gremium unter der Leitung von Staats- und Parteichef Xi Jinping versprach, den Ausbau der Infrastruktur zu verstärken, den Wohnungsmarkt zu stützen und ein stabiles Funktionieren der Kapitalmärkte zu gewährleisten. Große Risiken würden eingedämmt und systemischen Risiken vorgebeugt.

Mit Infrastrukturprojekten gegen die Krise

Bereits in den vergangenen Tagen und Wochen hatten Chinas führende Politiker immer wieder Unterstützung für die Wirtschaft angekündigt. Zuletzt hatte Staatschef Xi am Dienstag dazu aufgerufen, den Bau von Infrastrukturprojekten „mit aller Kraft“ voranzutreiben. Die vorgeschlagenen Projekte reichen von Wasserwegen und Eisenbahnen bis hin zu Einrichtungen für Cloud-Computing.

Chinesische Aktien hatten nach der Veröffentlichung der Politbüro-Stellungnahme am Freitag stark zugelegt. Der Leitindex Shanghai Composite schloss mehr als zwei Prozent im Plus. Der Hang Seng China Enterprises in Hongkong legte um mehr als fünf Prozent zu.

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Besonders groß waren die Zugewinne bei Tech-Aktien. Der Hang-Seng-Tech-Index stieg um fast zehn Prozent. In den USA gewann der Nasdaq Golden Dragon China Index mehr als vier Prozent dazu.

Investoren schöpften nach dem Treffen der Führungsriege Hoffnung, dass die Regulierungswelle im Tech-Sektor abebben könnte, um die Wirtschaft zu stabilisieren. In den vergangenen Wochen hatten sich die Zugewinne jedoch meist schnell wieder in Luft aufgelöst, nachdem den Ankündigungen keine konkreten Aktionen gefolgt waren.

Zuletzt hatten chinesische Aktien aus Sorge vor weiteren Lockdowns stark an Wert verloren. Die Festlandsbörsen bleiben in der kommenden Woche von Montag bis Mittwoch aufgrund von Feiertagen geschlossen.

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