Flüge und teure Fußballtickets: Betrugsaffäre um „schwarze Kassen“: Was wusste der Springer-Vorstand?
Die Staatsanwaltschaft wirft der mutmaßlichen „Bande“ vor, den Medienkonzern mithilfe eines Scheinrechnungssystems um mehr als sechs Millionen Euro betrogen zu haben.
Foto: Paul Langrock/laifBerlin. Markus Günther hustet immer wieder. Seine Pupillen sind an manchen Tagen gelb unterlegt. Der ehemalige Logistikchef von Axel Springer müht sich, trotz seines offenbar schlechten Zustands über Stunden die komplexen Fragen der Richter zu beantworten.
Günther muss sich in diesen Wochen gemeinsam mit vier Kleinunternehmern vor der 19. großen Strafkammer des Landgerichts Berlin verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft der mutmaßlichen „Bande“ vor, den Medienkonzern mithilfe eines Scheinrechnungssystems um mehr als sechs Millionen Euro betrogen zu haben.
Demnach sollen die Spediteure Touren abgerechnet haben, die sie niemals gefahren haben. Das eingenommene Geld teilten sie offenbar mit Günther oder führten dafür andere Dienste aus. Da ein Großteil der mutmaßlichen Taten bereits verjährt war, ist der Gesamtschaden anscheinend deutlich größer.
Aussagen Günthers, Dokumente und Informationen von Insidern legen nun nahe, dass das Betrugssystem weiter reicht, als bislang bekannt ist. Sie werfen zudem die Frage auf, warum Günther offenbar über Jahre ungestört agieren konnte.
Schon bei seiner ersten Einlassung Ende April hatte er seine Schuld weitestgehend eingestanden. Günther behauptet, ein bestehendes Betrugssystem lediglich weiterentwickelt und es auch auf Geheiß und zum Vorteil von Springer-Führungskräften genutzt zu haben.