Covid-Impfung: Aktien von Valneva und Novavax stehen vor großen Herausforderungen
Der Corona-Impfstoff des US-Unternehmens ist in der EU bereits zugelassen.
Foto: AFP/Getty ImagesFrankfurt. Die Valneva-Aktie ist am Montag, den 02.05. um mehr als 15 Prozent eingebrochen. Das französische Unternehmen hatte bekanntgegeben, dass die Europäische Kommission den Vorabkaufvertrag für den Corona-Totimpfstoff des Unternehmens kündigen will. Laut Vertrag habe die Kommission das Recht dazu, da Valneva bis zum 30. April keine Marktzulassung von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) erhalten hat.
EU kündigt Vorab-Vertrag für Impfstoff: Valneva-Aktie eingebrochen
Gemäß den Bedingungen habe der Konzern eigenen Angaben zufolge ab dem 13. Mai 30 Tage Zeit, um eine Marktzulassung zu erhalten oder Maßnahmen zur Nachbesserung vorzuschlagen. Man werde mit der EU-Kommission und den EU-Mitgliedsstaaten zusammenarbeiten, um sich auf Maßnahmen zur Nachbesserung zu einigen, so Valneva.
Der Impfstoffentwickler Valneva tritt ähnlich wie das US-Unternehmen Novavax mit alternativen Technologien gegen die inzwischen stark dominierenden mRNA-Impfstoffe von Pfizer/Biontech und Moderna an. Die Covid-Impfstoffe haben Pfizer, Biontech und Moderna einen riesigen geschäftlichen Erfolg beschert.
Die Entwicklung von Anfang Mai zeigt, wie kompliziert die Lage an der Börse für alternative Impfstoffhersteller wie Valneva und Novavax ist. Das Potenzial der Aktien ist schwer zu berechnen angesichts der Tatsache, dass ihre Vakzinen wichtige Zulassungsverfahren zum Teil noch bewältigen müssen, um anschließend eine Nische in einem bereits stark gesättigten und inzwischen rückläufigen Markt zu finden. Im Folgenden die beiden Kurzanalysen.
Valneva-Aktie: Erster Gewinn 2023 möglich
Der französische Impfstoffentwickler setzt auf einen klassischen Totimpfstoff. Dabei werden komplette Viren verimpft, die zuvor mit chemischen Mitteln inaktiviert wurden und daher nicht mehr funktionsfähig sind. Der Impfstoff wird mit einem Wirkverstärker kombiniert, der die Immunabwehr zusätzlich anregt.
Valneva wartet aber weiterhin auf eine bedingte Zulassung seines Impfstoffs in der EU, wo sich das Vakzin im rollierenden Zulassungsverfahren befindet. Anders als die britische Arzneimittelbehörde zeigten sich die Prüfer der europäischen Arzneimittelagentur Ema bisher noch nicht zufrieden mit den eingereichten Daten und forderten zuletzt Ende April zusätzliche Informationen. Das setzte dem Aktienkurs zu.
Valneva reichte seine Antworten am 2. Mai ein und ist der Ansicht, dass die verbleibenden Fragen angemessen beantwortet wurden. Wenn die Antworten akzeptiert würden, erwartet das Unternehmen spätestens im Juni eine positive Stellungnahme. Sollte der Impfstoff eine EU-Zulassung erhalten, würde ein Liefervertrag für bis zu 60 Millionen Dosen wirksam werden, den Valneva im November 2021 mit der EU vereinbarte.
Die Zulassung in Großbritannien und der Antrag in der EU basieren primär auf einer Vergleichsstudie, in der das Valneva-Vakzin eine höhere Antikörperkonzentration generierte als der zugelassene Covid-Impfstoff von Astra-Zeneca, der in Studien allerdings schlechter abgeschnitten hatte als die mRNA-Impfstoffe.
Daneben arbeitet Valneva an einer Reihe weiterer Projekte, darunter Impfstoffe gegen die Infektionskrankheiten Chikungunya, Zika und Clostridium difficile. In Kooperation mit Pfizer entwickelt Valneva ferner ein Vakzin gegen Borreliose, das jüngst in einer Phase-2-Studie positive Ergebnisse zeigte. Außerdem gehören zum Portfolio zwei bereits zugelassene Impfstoffe gegen Durchfallerkrankungen und die Japanische Enzephalitis, die zweistellige Millionenumsätze erzielen.
Vor dem Hintergrund dieser Pipeline und der Kursverluste der letzten Monate wirkt die Marktkapitalisierung inzwischen deutlich weniger spekulativ als noch im vergangenen Herbst – seit November hat die Valneva-Aktie rund zwei Drittel ihres Werts verloren. Aktuell wird das Unternehmen nur noch mit 1,3 Milliarden Euro bewertet. Dem stehen Cashreserven von rund 350 Millionen Euro per Ende 2021 gegenüber.
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Analysten trauen dem Unternehmen laut Bloomberg einen Umsatzanstieg auf knapp 390 Millionen Euro in diesem und 563 Millionen Euro im kommenden Jahr zu. 2023 könnte danach erstmals ein Gewinn von mehr als 200 Millionen Euro anfallen.
Empfehlungen der Analysten laut Refinitiv: sechsmal kaufen, einmal halten, einmal verkaufen. Durchschnittliches Kursziel: 23,05 Euro. Durchschnittliches Kurspotenzial: 139,4 Prozent.
Novavax-Aktie: Warten auf die US-Zulassung für Impfstoff
Das US-Unternehmen hat mit dem Vakzin Nuvaxovid den ersten Protein-Impfstoff gegen Covid auf den Markt gebracht. In der EU ist der Impfstoff bereits seit Dezember zugelassen, seit Februar gilt das auch für Großbritannien und seit Kurzem auch für Japan und die Schweiz.
Der Impfstoff besteht aus biotechnisch hergestellten Proteinfragmenten des Virus, die ebenfalls mit einem Wirkverstärker kombiniert sind. Nuvaxovid zeigte in klinischen Studien in Großbritannien und den USA eine Wirksamkeit von rund 90 Prozent. Es gibt bisher aber kaum Erfahrungen, wie gut er vor der Omikron-Variante schützt.
Novavax hat nach eigenen Angaben mit diversen Abnehmern Lieferverträge im Volumen von insgesamt rund zwei Milliarden Dosen vereinbart, davon 110 Millionen Dosen in den USA, wo die Zulassung noch fehlt, und 430 Millionen Einheiten in weiteren westlichen Staaten.
Für große Unsicherheiten sorgten wiederholt die Produktionsprobleme, mit denen Novavax bisher kämpfte und die auch die Zulassungsverfahren deutlich verzögerten. Novavax betrachtet diese Schwierigkeiten inzwischen aber als bewältigt.
Analysten gehen laut Bloomberg im Schnitt davon aus, dass das Unternehmen dank der Lieferverträge im laufenden Jahr rund 4,4 Milliarden Dollar Umsatz und 1,8 Milliarden Dollar Gewinn erzielen kann. Für 2023 trauen sie Novavax rund 3,5 Milliarden Dollar Umsatz und 1,1 Milliarden Dollar Gewinn zu. Die britische Analysefirma Airfinity, die den Markt besonders intensiv verfolgt, hat ihre Umsatzschätzung für Novavax für 2022 jüngst dagegen auf 2,7 Milliarden Dollar reduziert.
Einige Hoffnungen ruhten darauf, dass das Vakzin Impfgegner in stärkerem Maße überzeugen könnte. Doch die Akzeptanz des Novavax-Impfstoffs hält sich bisher offenbar in Grenzen, worauf zum Beispiel die Daten aus Deutschland deuten.
Von 1,7 Millionen gelieferten Dosen wurden laut Bundesgesundheitsministerium seit Februar lediglich 111.000 Dosen verimpft, seit Ende März ist der Trend der täglichen Impfungen mit Novavax rückläufig. Der Anteil an allen Impfungen lag zuletzt bei lediglich 0,9 Prozent.
Ebenso wie Valneva arbeitet Novavax an einer Reihe weiterer Projekte: Beispielsweise an einem Grippeimpfstoff in fortgeschrittener klinischer Entwicklung sowie an einem Kombinationsvakzin gegen Covid und Grippe in einer frühen Testphase. Geplant sind außerdem Studien mit einem Omikron-spezifischen Impfstoff.
Seit Jahresbeginn verlor die Aktie allerdings mehr als 60 Prozent an Wert. Gemessen an der Produktpipeline und den Gewinnerwartungen wirkt die Börsenbewertung von derzeit 4,5 Milliarden Dollar daher vergleichsweise moderat, zumal Novavax Ende 2021 noch über 1,5 Milliarden Dollar Cash-Reserven verfügte.
Empfehlungen der Analysten laut Refinitiv: fünfmal kaufen, zweimal halten, kein Mal verkaufen. Durchschnittliches Kursziel: 189,00 Dollar. Durchschnittliches Kurspotenzial: 264,2 Prozent.
Dieser Artikel wurde zuerst am 04.05.22 um 17:26 Uhr publiziert.