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Leserdebatte:Ist ein Ölembargo gegen Russland sinnvoll?

Hätte es überhaupt eine Auswirkung auf Russland oder würden Privatverbraucher und Wirtschaft zu stark leiden? Darüber debattiert die Handelsblatt-Leserschaft. 05.05.2022 - 13:12 Uhr Artikel anhören

Das sechste Sanktionspaket der EU soll auch den Ausstieg von russischem Öl umfassen.

Foto: dpa

Nun soll es also wohl doch kommen, das Ölembargo gegen Russland. Die EU-Kommission hat einen Vorschlag für ein neues Sanktionspaket erarbeitet. Dieses sieht unter anderem auch Ölsanktionen vor. Dabei soll es aber Übergangsfristen geben und die besondere Situation von Ungarn und der Slowakei, die sehr abhängig von russischem Öl sind, beachtet werden. Die EU-Staaten müssen dem Vorschlag nun noch zustimmen.

Für einen Handelsblatt-Leser stellt dieser Schritt eine „Selbstamputation der deutschen und europäischen Wirtschaft“ dar. „Wir schaden weniger Russland, wir schaden uns“, findet ein anderer Leser.

„Wir sind Europa, wir sind stark, wir sind mächtig, und wir halten zusammen“, argumentiert hingegen ein anderer Leser und glaubt, dass wir gemeinsam eine Lösung finden, den Energiebedarf in Europa zu senken. Zusätzlich sollte die EU nun zügig Partnerschaften „mit Ländern intensivieren, die jetzt empfänglich für billiges Öl aus Russland werden“, ergänzt ein anderer Leser. „Schließlich ist das Ölembargo für die Katz, wenn Putin nur den Hebel umlegen muss, um sein Öl anderswo auf dem Planeten zu verkaufen.“

Aus den unterschiedlichen Zuschriften der Handelsblatt-Leserschaft haben wir hier für Sie eine Auswahl zusammengestellt.

Eine Selbstamputation

„So schlimm dieser Krieg auch ist, wie jeder andere auch, ist ein Embargo wie von Deutschland gewollt eine Selbstamputation der deutschen und europäischen Wirtschaft und schmälert die weltweite Lieferfähigkeit und führt anhaltend zum Verlust des Wohlstands unseres ganzen Landes.“
Hans-Jürgen Giebson

Wir schaden weniger Russland, wir schaden uns

„Das Embargo gegen Russland ist wenig durchdacht.

Wir schaden weniger Russland, wir schaden uns: die deutschen Verbraucher, Rentner, Geringverdiener, Arbeitnehmer, die in ländlichen Gebieten ohne Verkehrsanschluss leben, und natürlich die Wirtschaft, auch die Landwirtschaft!

Dadurch wird alles wesentlich teurer,wir verlieren unseren hart erarbeiteten Wohlstand, die Steuereinnahmen sinken, wir können die Welt nicht mehr finanzieren!!!“
Hannes Hoffmann

>> Lesen Sie dazu: Von der Leyen will „vollständiges Einfuhrverbot“ für russisches Öl

Uns sind die Hände gebunden

„Bis jetzt haben die eingeführten Sanktionen nicht die erwünschten Wirkungen erzeugt … die Vernichtungen haben nicht nachgelassen. Ölembargo: Es ist anzunehmen, dass der damalige Preis weit unter dem jetzigen liegt. Der Kreml kann das Öl mit weit höherem Gewinn anderweitig verkaufen, während wir unter Mangel und noch höheren Preisen leiden werden.

Wenn die Ukraine nicht wesentliche Konzessionen einräumt, wird der Konflikt noch sehr lange andauern und damit das Elend aller, auch unseres, von dem wir noch nicht das Letzte gesehen haben.

Außerdem: Das nicht abgenommene Öl muss trotzdem bezahlt werden, jedenfalls ist dies anzunehmen. Solange der Gegner über die Nuklearmacht verfügt, sind unsere Hände gebunden.“
Helmut Dreher

Zum jetzigen Zeitpunkt die richtige Entscheidung

„Das Ölembargo ist zum jetzigen Zeitpunkt die richtige Entscheidung. Zum einen erzielt Russland mit dem Verkauf von Ölprodukten rund 50 Prozent seiner Exporterlöse, wodurch ein solches Embargo den russischen Staat massiv trifft, und zum anderen kann die EU es sich leisten, da Öl auf dem Weltmarkt verfügbar ist.

Positiver Nebeneffekt des Ölembargos ist der Zwang der EU, sich auf eine gemeinsame Position verständigen und diese auch durchhalten zu müssen. Ferner sendet die EU mit dem Embargo ein klares Signal nach China, mit welchen Maßnahmen bei einem möglichen Konflikt mit Taiwan man willens ist zu reagieren.

Allerdings sollte die EU mit dem Embargo auch unmissverständlich deutlich machen, dass sie zwischen dem Aggressor Putin und Russland unterscheidet: Dazu könnte das Embargo an klare Bedingungen für seine Aufhebung geknüpft oder Putin zur ‚persona non grata‘ für den G20-Gipfel in Indonesien erklärt werden, solange die Bedingungen nicht erfüllt sind. Schließlich wird Russland auch nach Putin nicht von der Landkarte verschwinden. Außerdem ist das Land reich an solchen Rohstoffen, die Deutschland und die EU für die Umsetzung der Klimawende benötigen, wie zum Beispiel Seltene Erden.

Allerdings steigen durch das Ölembargo die Risiken eines kurzfristigen Gaslieferstopps für Deutschland erheblich. Daher sollten in dieser außergewöhnlichen Situation schnellstmöglich besondere Gegenmaßnahmen ergriffen werden, um die Versorgungssicherheit mit Gas zu gewährleisten.

Aber auch die strategische Perspektive eines Ölembargos darf nicht übersehen werden: Die EU sollte zügig Partnerschaften mit Ländern intensivieren, die jetzt empfänglich für billiges Öl aus Russland werden und mit diesen Ländern konkrete Maßnahmen zur Dekarbonisierung vor Ort vereinbaren und auch fördern. Die globale Klimawende gelingt nur, wenn alle großen Länder mitziehen und entsprechende Maßnahmen umsetzen!

Schließlich ist das Ölembargo für die Katz, wenn Putin nur den Hebel umlegen muss, um sein Öl anderswo auf dem Planeten zu verkaufen.“
Sebastian Heckler

Reicht das?

„Nach langen Verhandlungen ist es nun so weit – die EU senkt die Unterstützungen an Putin und legt einen konkreten Ausstiegsplan vor –, aber reicht das?

Bekannt ist, dass die Energiereserven in Europa knapp werden, trotz Zukauf von anderen Unrechtsstaaten.

Wir sind Europa, wir sind stark, wir sind mächtig, und wir halten zusammen. Gemeinsam sollten wir schnellstmöglich eine Lösung finden, den Energiebedarf in Europa zu senken, Russland und Putin weiter zu schwächen und Europa zu stärken.

Und bitte entzieht Schröder den deutschen Pass.“
Jannis Holzwarth

Es geht offenbar kein Weg daran vorbei

„Es geht offenbar kein Weg daran vorbei und macht dann wirklich Sinn, wenn wir es in die Strategie zur CO2-Vermeidung einbetten.

Der Preisschub führt dazu, dass niemand mehr den angemessenen Preis kennt. In diesem Windschatten lässt sich für die Anbieter gut kalkulieren.

Die Staaten sollten diese Möglichkeiten für unangemessene Gewinne durch Steuererhöhungen abschöpfen und den Verbrauchern über eine Gutschrift zukommen lassen. Diese kann man als Freistellung des Grundbedarfs an Energie nutzen oder klimafreundlich für etwas anderes.“
Heinrich Gratenau

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In der vergangenen Woche debattierte die Handelsblatt-Leserschaft, ob Gerhard Schröder sein Ansehen als Altkanzler verspielt. Lesen Sie hier eine Auswahl der Kommentare.

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