Energiesicherheit: Ukraine stellt Gastransfer nach Europa teilweise ein – mit welchen Folgen?
In Europa ist die Abhängigkeit von russischem Erdgas groß.
Foto: dpaDüsseldorf, Brüssel. Seit Mittwochmorgen leitet die Ukraine kein russisches Gas mehr durch das Gebiet Luhansk im Osten des Landes. Damit fällt fast ein Drittel der täglich nach Europa über die Ukraine transportierbaren Höchstmengen weg. Das teilte der ukrainische Gasnetzbetreiber GTSOU mit. Das Unternehmen begründete den Ausfall damit, dass es aufgrund der russischen Besatzung unmöglich geworden sei, die entsprechenden Verteilstationen zu kontrollieren, und beruft sich auf „höhere Gewalt“.
Der russische Erdgaskonzern Gazprom widersprach den Vorwürfen und erklärte, die Ukrainer hätten in den vergangenen Wochen ganz „ungestört“ in Sochraniwka gearbeitet. Die Ukraine will nun versuchen, das fehlende Erdgas umzuleiten. Dies sei technisch nicht möglich, sagte zunächst ein Gazprom-Sprecher der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge.
Der ukrainische Energieversorger Naftogaz erklärte, er könne die Gazprom-Angaben nicht bestätigen, wonach es technisch nicht möglich sei, den Gastransit in die Ukraine auf einen neuen Einspeisepunkt umzustellen. Im Oktober 2020 sei dies bei Wartungsarbeiten gelungen, schrieb Naftogaz-Chef Juri Witrenko auf Twitter.
Die Konsequenzen für Europa sind schwer abzusehen, dürften sich aber in Grenzen halten. Deutschland ist von den Entwicklungen kaum betroffen. Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums sagte: „Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist aktuell weiter gesichert.“ Die Füllstände der Gasspeicher stiegen auch weiter. Aktuell seien diese zu 38,6 Prozent gefüllt. „Was jetzt morgen passiert oder in einer Woche – das ist ja noch unklar“, sagte die Sprecherin.