Hauptversammlung DWS: Neuer DWS-Chef soll auch die Strategie der Fondsgesellschaft überprüfen
Der Abgang von Vorstandschef Wöhrmann dürfte mit Veränderungen einhergehen – auch strategischen.
Foto: REUTERSFrankfurt. Wie sehr die Razzia und der prompt darauf angekündigte Abschied von Vorstandschef Asoka Wöhrmann die Planungen der Fondsgesellschaft DWS durchgeschüttelt hat, zeigt ein Blick auf den Terminplan: Eigentlich hätten die Reden des Aufsichtsratsvorsitzenden Karl von Rohr und Wöhrmanns rund eine Woche vor dem Aktionärstreffen am 9. Juni veröffentlicht werden sollen. Erst in der Nacht zum Dienstag und am Dienstagmittag stellte die Deutsche-Bank-Tochter die Redemanuskripte auf die Seite.
Mit dem Abgang Wöhrmanns dürften nun Veränderungen einhergehen, die über die Kür von Stefan Hoops zum neuen DWS-Chef hinausgehen dürften, deutete Karl von Rohr in seiner Rede an.
An wichtigen Eckpfeilern der Strategie – den Finanzzielen, organischem, aber auch anorganischem Wachstum, einem Fokus auf Nachhaltigkeit sowie der Börsennotierung der DWS – will die Deutsche Bank, die die DWS kontrolliert, zwar nicht rütteln. „Gleichzeitig muss und wird Stefan Hoops mit seinem Management in den kommenden Wochen und Monaten natürlich die Aufgabe haben, die Strategie zu überprüfen und zusätzliche neue Akzente zu setzen“, betonte von Rohr.
Hektischer Wechsel an der Spitze
Der hektische Wechsel an der DWS-Spitze war aus Sicht einiger Investoren, die sich dazu nicht öffentlich äußern wollten, ohnehin überfällig. Denn in den vergangenen Monaten hatte die Fondsgesellschaft vor allem mit Vorwürfen und behördlichen Untersuchungen zu kämpfen gehabt.
Derzeit laufen Untersuchungen der US-Börsenaufsicht SEC, der Finanzaufsicht Bafin und des Bundeskriminalamts in Sachen DWS. Es geht um die Frage, ob die Fondsgesellschaft Produkte nachhaltiger dargestellt hat als sie waren. Das war auch der Grund für eine Razzia vergangene Woche.
Darüber hinaus untersucht die Bank, ob Wöhrmann gegen interne Regeln bei der Nutzung privater E-Mails und Chats verstoßen hat. Hinzu kommen Kontakte zu einem umstrittenen Geschäftsmann.
Gravierende Fehler aus der Vergangenheit räumten allerdings weder von Rohr noch Wöhrmann in den zwei Redemanuskripten ein. Allenfalls zwischen den Zeilen schimmerte bei Aufsichtsratschef Karl von Rohr durch, dass die Deutsche Bank den DWS-Chef am Ende für eine Belastung gehalten hat.
Denn die Vorwürfe, Anschuldigungen, Gerüchte und anonymen persönlichen Drohungen, die es gab, bezeichnete der Aufsichtsrat in seiner Rede nicht mehr nur als Belastung für Wöhrmann selbst und dessen Familie, sondern auch für die „DWS insgesamt“. „Um unser Unternehmen und seine Familie zu schützen, macht Asoka Wöhrmann nun den Weg frei für einen personellen Neuanfang an der Spitze der DWS“, so von Rohr.
Die Vorwürfe selbst hatten die DWS und Wöhrmann bislang stets abgestritten. Auch in seiner Abschiedsrede verwahrte sich Wöhrmann noch einmal gegen die Anschuldigungen, insbesondere gegen die Greenwashing-Vorwürfe der früheren Nachhaltigkeitschefin Desiree Fixler. „Das Thema Nachhaltigkeit ist viel zu bedeutend und viel zu wichtig, als dass es für uns in Ordnung sein darf, dass es von Einzelnen dazu instrumentalisiert wird, persönliche Vorteile daraus zu ziehen“, so Wöhrmann.
Der ehemalige Vorstandschef der DWS.
Foto: ReutersSelbstkritik übte er allenfalls sehr indirekt, als er mit Blick auf die DWS-Nachhaltigkeitsstrategie sagte: „Wir haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass es eine Kraftanstrengung werden würde. Auch haben wir nie gesagt, dass wir schon am Ziel wären.“
Viele Anleger hatten die Vorwürfe allerdings ernster genommen, zumal sie mittlerweile Gegenstand behördlicher Untersuchungen sind. Seit Fixler damit im August vergangenen Jahres an die Öffentlichkeit ging, hat der DWS-Kurs um knapp ein Viertel an Wert verloren. Die Korrektur des Kurses der DWS-Aktie seit Ende August 2021 sei „frustrierend und nicht gerechtfertigt“, sagte Wöhrmann dazu.
Vorwürfe gegen Wöhrmann hinterließen Spuren
Doch die Vorwürfe gegen ihn hätten Spuren hinterlassen, räumt Wöhrmann ein – „wie unbegründet oder unhaltbar sie auch alle sein mögen“. So habe er sich „schweren Herzens mit der Firma darauf geeinigt, als CEO zurückzutreten. Damit möchte ich der DWS, aber auch mir, einen Neuanfang ermöglichen.“
Die Deutsche Bank hatte lange an Wöhrmann als DWS-Chef festgehalten und ihn noch in jüngerer Zeit verteidigt. Aus diesem Grund hatte es auch wachsende Kritik an Aufsichtsratschef Karl von Rohr gegeben, der auch Vizechef der Deutschen Bank ist. Von Rohr rechtfertigte in seiner Rede ausführlich die Arbeit des Aufsichtsrats: Er berichtete von der ersten Greenwashing-Untersuchung, die das Gremium nach den Vorwürfen Fixlers eingerichtet hatte, und die zu keinem negativen Ergebnis kam.
Und er berichtete, dass es seit dem dritten Quartal einen temporären Sonderausschuss des Aufsichtsrats gibt, der sich wöchentlich vom Vorstand zu den Nachhaltigkeitsthemen unterrichten ließ. „Bis zum jetzigen Zeitpunkt haben sich hieraus keine Sachverhalte ergeben, die eine gesonderte Prüfung durch den Aufsichtsrat erforderlich gemacht oder Anlass gegeben hätten einzugreifen“, so von Rohr mit Blick auf die Razzia.
Von Rohr sagte aber auch: „Wir werden klare Konsequenzen ziehen, wenn sich hier oder an anderer Stelle Fehlverhalten herausstellen sollte.“ Doch bisher gelte die Unschuldsvermutung, betont er. Er wehre sich „gegen jede Form der Vorverurteilung“.