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ÜbernahmefinanzierungBörsenaspirant Oldenburgische Landesbank kauft zu

Das Institut übernimmt ein Kreditportfolio von der niederländischen NIBC Bank. Vorstandschef Barth will auch das Geschäft mit Spielertransfers im Fußball ausbauen.Andreas Kröner 13.06.2022 - 12:51 Uhr Artikel anhören

Das Institut konnte seine Gewinne fast verdoppeln.

Foto: Oldenburgische Landesbank

Frankfurt. Die Oldenburgische Landesbank (OLB) stemmt vor ihrem geplanten Börsengang eine millionenschwere Übernahme. Das Institut werde der niederländischen NIBC Bank ein rund 500 Millionen Euro schweres Kreditportfolio abkaufen, teilte die OLB am Montag mit. Die Übernahme geschieht zusammen mit der Versicherungsgesellschaft a.s.r.

Das Portfolio bestehe aus Darlehen an hochverschuldete Unternehmen, sogenannten Leveraged Loans. Die Mehrheit sei an mittelständische Firmen vergeben, die sich im Besitz von Private-Equity-Firmen befänden und aus Deutschland und den Niederlanden stammten.

Die OLB stärkt mit dem Zukauf ihr Akquisitionsgeschäft. Dort stellt sie bei Firmenübernahmen mit einem Transaktionsvolumen zwischen 25 und 250 Millionen Euro die Finanzierung bereit – vor allem für Finanzinvestoren, aber auch für strategische Käufer.

Vorstandschef Stefan Barth sagt im Gespräch mit dem Handelsblatt: „Für viele Großbanken ist dieses Geschäft zu kleinteilig, aber es ist sehr profitabel.“ Aktuell belaufe sich das Geschäftsvolumen der OLB bei Akquisitionsfinanzierungen auf 1,5 Milliarden Euro – und es soll weiter wachsen. „Wir wollen in diesem Geschäft künftig auch in Skandinavien aktiv werden, wo wir sehr attraktive Gewinnmargen sehen.“

Die OLB gehört den Finanzinvestoren Apollo und Grovepoint sowie dem US-Pensionsfonds Teacher Retirement Systems of Texas. Nach der Übernahme durch das Investorenkonsortium 2017 fusionierte das Oldenburger Institut mit der bereits zuvor von Apollo gekauften Bremer Kreditbank und dem Bankhaus Neelmeyer, später dann noch mit der Wüstenrot Bank AG Pfandbriefbank.

In den vergangenen Jahren hat die OLB ihre Kosten gesenkt und ihre Profitabilität erhöht. Barth steht seit September 2021 an der Spitze der Bank. Zuvor hatte er als Risikovorstand mehrere Jahre die österreichische Bawag mit umgebaut und 2017 an die Börse gebracht. Das Institut gehörte damals dem Finanzinvestor Cerberus.

Bei seinem früheren Arbeitgeber hat Vorstandschef Stefan Barth sich auf seine Aufgabe bei der OLB vorbereiten können.

Foto: Reuters

Bei der Bawag hat Barth viel über die Sanierung einer Bank gelernt – und über die Arbeitsweise von Finanzinvestoren. Diese sähen sich die Bilanz und die Gewinn-und-Verlust-Rechnung von Geldhäusern in ihrem Besitz genau an, berichtet Barth. „Was gut läuft, wird gepushed. Was schlecht läuft, wird gefixt oder abgestoßen.“

Dem Vorstandschef gefällt diese Herangehensweise, „weil sich kleine bis mittelgroße Banken so in relativ kurzer Zeit transformieren lassen“. Er könne bei der OLB sehr schnelle Entscheidungen treffen.

So sei die Bank 2021 in der Lage gewesen, innerhalb eines halben Jahres 360 Vollzeitstellen abzubauen – „sozialverträglich mit einem Freiwilligenprogramm und ohne Kündigungen“. Ende März 2022 hatte das Institut noch 1381 Vollzeitbeschäftigte.

OLB-Chef verspürt keinen Zeitdruck bei Börsengang

Die Eigentümer der OLB wollen die Bank, die Ende vergangenen Jahres eine Bilanzsumme von 25 Milliarden Euro aufwies, in absehbarer Zeit verkaufen. Insidern zufolge peilen sie eine Bewertung von deutlich über einer Milliarde Euro an – und haben für die Vorbereitungen bereits die Deutsche Bank, Goldman Sachs und die UBS mandatiert. Der größere Nachbar Hamburg Commercial Bank (HCOB) ist ebenfalls auf Käufersuche.

Aus Sicht von Marcus Schenck von der Investmentbank Lazard ist für Banken dieser Größenordnung aktuell sowohl ein Börsengang als auch ein Verkauf denkbar. „Ich habe schon Gespräche mit nicht deutschen Banken geführt, die durchaus Interesse daran haben, ihren Fußabdruck in Deutschland zu erweitern“, sagte der ehemalige Deutsche-Bank-Vorstand vergangene Woche bei einem Pressegespräch.

Wegen der Folgen des Ukrainekriegs und der Unsicherheit an den Märkten seien jedoch sowohl Verkäufe als auch Börsengänge schwieriger geworden. Eine Voraussetzung für einen Börsengang ist, dass die OLB ihre Bilanzierung auf den internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS umstellt, was mit den Halbjahreszahlen passieren soll.

Wenn sich die Märkte beruhigen, könnte das Institut somit theoretisch bereits in der zweiten Jahreshälfte an die Börse gehen – oder alternativ im Jahr 2023. Aus Sicht von Vorstandschef Barth ist die Bank gut gerüstet für einen Börsengang. „Ich bin zuversichtlich, dass wir mittelfristig eine Eigenkapitalrendite von 13 bis 15 Prozent erzielen – das schaffen in Deutschland nicht viele Banken.“ Beginnend mit dem Geschäftsjahr 2022 wolle das Institut zudem im Schnitt die Hälfte seines Gewinns als Dividende ausschütten.

Ob und wann es zu einem Börsengang komme, sei eine Entscheidung der Eigentümer und hänge auch von der Lage an den Märkten ab. „Zeitdruck verspüren wir nicht“, betont Barth. „Unsere Wachstumspläne können wir in den kommenden Jahren mit oder ohne Börsengang umsetzen.“

Bank will Fußballfinanzierungen ausbauen

Neben Kostensenkungen setzt die OLB auf Wachstum in profitablen Geschäftsfeldern wie der Finanzierung von Übernahmen, Schiffen und Gewerbeimmobilien – und geht damit ähnlich vor wie der Nachbar Hamburg Commercial Bank (HCOB), der ebenfalls im Besitz von Finanzinvestoren ist.

Zwischen beiden Geldhäusern gebe es jedoch auch zwei große Unterschiede, betont Barth. Die Oldenburgische Landesbank habe seit jeher ein Privatkundengeschäft und könne diese Einlagen auch für die eigene Refinanzierung nutzen. „Das stärkt die OLB und macht uns weniger anfällig gegenüber makroökonomischen Schocks.“

Zudem sei das Institut im Nordwesten Deutschlands seit Jahrzehnten die Hausbank Nummer eins für viele Unternehmen. Bundesweit ist die OLB mit Niederlassungen in München, Frankfurt, Berlin, Düsseldorf und Hamburg vertreten. Dort ist sie für Firmenkunden in der Regel jedoch nicht die erste Bankverbindung.

Wegen des hohen Wettbewerbs und der vergleichsweise geringen Margen will Barth das klassische Firmenkundengeschäft lediglich stabil halten. Zulegen möchte er dagegen im Privatkundengeschäft, bei der Finanzierung von Gewerbeimmobilien und erneuerbaren Energien sowie im kleinsten, aber vielleicht spannendsten Geschäftsfeld: der Fußballfinanzierung. Hier soll das Geschäftsvolumen von 400 auf 500 Millionen Euro steigen.

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Wenn ein Verein einen Spieler verkauft, will er das Geld in der Regel sofort haben. Der Käufer möchte jedoch häufig in Raten bezahlen – über zwei oder drei Jahre hinweg. Die OLB stellt dafür die Zwischenfinanzierung bereit. „Viele Vereine in der Ersten Bundesliga nutzen Ratenzahlungen bei Spielertransfers“, erzählt Barth.

Darüber hinaus arbeite die OLB mit ambitionierten Zweiligisten sowie mit Erstligisten aus England, Spanien, Italien und Frankreich zusammen. Das sei ein sehr attraktiver Markt, in dem in Europa nur sehr wenige Banken und Finanzinvestoren aktiv seien. Obendrein sei das Geschäft risikoarm, da die Vereine Transferzahlungen leisten müssten, um von der Uefa oder Fifa lizenziert zu werden. „Daher hatten wir bisher auch noch keine Ausfälle zu beklagen.“

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