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ZukunftstechnologienWissenschaftsorganisationen fordern neue Innovationspolitik

Die Präsidenten der Organisationen fordern eine mutigere Forschungspolitik. Bisher sei Forschung zu oft im Wettstreit der Ministerien vernachlässigt worden.Barbara Gillmann 16.06.2022 - 17:23 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Führende Wissenschaftsorganisationen fordern eine konsequente Unterstützung von Forschung.

Foto: dpa

Berlin . In seltener Deutlichkeit fordern drei zentrale deutsche Organisationen für die Wissenschaft von der Bundesregierung eine neue stringente „Innovationspolitik nach der Zeitenwende“. Die Koalition müsse „klarer als bisher Prioritäten bei Forschungs- und Förderzielen setzen“ und diese dann auch ressortübergreifend umsetzen, fordern die Leopoldina, der Stifterverband und die Expertenkommission für Forschung und Innovation EFI in einem gemeinsamen Leitlinienpapier, das dem Handelsblatt vorliegt. Es entstand in der Folge des kürzlichen Forschungsgipfels und wurde auch von der Volkswagenstiftung unterstützt. 

Um die aktuelle Umbruchsituation zu nutzen, müssten Staat, Wirtschaft und Wissenschaft „Fesseln beherzt lösen und mit mehr Mut und Tatkraft als bisher die Chancen nutzen“. 

Das Papier der drei Präsidenten Gerald Haug, Michael Kaschke und Uwe Cantner verhehlt nicht die Unzufriedenheit mit der Innovationspolitik der letzten Bundesregierungen und mahnt die Ampelkoalition, es besser zu machen. Forschung und Innovation seien Querschnittsthemen einer Regierung und dürften daher „nicht länger im Zuständigkeits-, Budget- und Profilierungswettbewerb der einzelnen Fachministerien klein administriert werden“.

Die Themen seien von übergeordneter Bedeutung und brauchen daher „eine neue Kultur der Führung dieser Prozesse, die Verlässlichkeit im Verwaltungshandeln mit Zielorientierung, Agilität und Experimentierfreude verbindet“.

Deutschland soll Abhängigkeiten reduzieren

Die drei Organisationen nennen drei vorrangige Ziele: Wasserstoff als Energieträger der Zukunft, datenbasierte und vernetzte Medizintechnik für ein leistungsfähiges Gesundheitssystem und Ernährungssicherung auf Basis nachhaltiger Düngemittel. Der Weg dorthin müsse aber technologieoffen organisiert werden. Angesichts der drohenden Spaltung der Welt in zwei Blöcke – hier der Westen, dort China und Russland – gelte es, strategische Märkte zu sichern und Substitutionsforschung voranzutreiben, um Abhängigkeiten zu reduzieren. Zugleich müssten sich Deutschland und Europa „neuen Kooperationspartnern und -chancen in Teilen der Welt öffnen, die wir bisher vernachlässigt haben“.

Haug ist Klimaforscher und übernahm per 01.03.2020 die Präsidentschaft der Akademie.

Foto: dpa

Bisher hätten Subventionen für die Abnehmer – etwa bei Elektromobilität und Solartechnik – nicht verhindert, dass diese Technologien ins Ausland abgewandert seien. Nun müsse Deutschland stattdessen neue Technologien nicht nur fördern, sondern auch die Produktion in großem Maßstab in Europa ermöglichen und so den großen Märkten USA und China Paroli bieten. Um heimische Innovatoren groß zu machen, müsse auch die öffentliche Beschaffung viel stärker genutzt werden.

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Unverzichtbar sei dafür aber „ein abgestimmtes System der Innovationsförderung“ – aber „keine weiteren kleinen Förderprogramme von Bund und Ländern“. Kontraproduktiv sei auch „ein ständiger Wechsel von Forschungs- und Förderprioritäten“, der nur die Umsetzung langfristiger Missionen erschwere. 

Um neue Technologien stark zu machen, müsse die Politik auch konsequent Normen und Standards einsetzen. Länder wie China nutzten ihren Einfluss schon heute strategisch, „um über weltweite Standardsetzung den Weg zur Marktdurchsetzung ihrer Produkte zu ebnen“, mahnen die drei Präsidenten. Davon sollte Deutschland lernen. Um das Ziel einer klimaneutralen Welt zu erreichen, müsse man aber auch „klar festlegen, in welchen Technologiefeldern und in welchen dazugehörigen Standardisierungs-Gremien eine stärkere Beteiligung notwendig ist“.

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