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GeldpolitikGegen den weltweiten Trend: Japans Notenbank bleibt ihrer Geldpolitik treu

Der Yen fällt immer tiefer, die Preise steigen auch in Japan. Die Bank von Japan hebt jedoch die Zinsen weiterhin nicht an.Martin Kölling 17.06.2022 - 10:54 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Damit fahren die japanischen Notenbanker weiter unbeirrt einen gegensätzlichen Kurs im Vergleich zu den Kollegen in Europa und den USA.

Foto: dpa

Tokio. Die Zinserhöhung in den USA kann Japans Zentralbank weiterhin nicht zu einer Zinswende bewegen. Obwohl auch in Japan die Preise steigen, hat die Bank von Japan am Freitag nach zweitägiger Sitzung beschlossen, ihre Geldpolitik nicht zu verändern. So sollen die Zinsen für kurzfristige japanische Staatsanleihen (JGBs) bei minus 0,1 und die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen soll um null Prozent bleiben. Auch an ihre Optionen auf den Kauf von Staatsanleihen und Aktien hält die Notenbank unverändert fest.

Der Devisenmarkt reagierte deutlich auf die neue Gewissheit, dass Japans Notenbank als letzte große Zentralbank die Zinsen nicht erhöht. Der Yen sackte gegenüber dem Dollar um mehr als einen Yen auf 134 Yen ab. Denn mit der Entscheidung der US-Notenbank Fed am Mittwoch, die Zinsen um 0,75 Prozent anzuheben, wächst die Zinsspanne zwischen beiden Ländern. Und je weiter Japan zurückfällt, desto schwächer tendiert oft der Yen.

Gegenüber dem Euro und dem Schweizer Franken verlor die japanische Landeswährung am Freitag sogar zeitweise mehr als ein Prozent an Wert. Denn die Europäische Zentralbank hat eine Zinswende angekündigt, die Schweizer Notenbank bereits vollzogen. Überraschend hob die Schweizerische Nationalbank am Donnerstag erstmals seit 2007 den Leitzins an.

Die Entwicklung trifft Japans Währung hart. Anfang der Woche war der Yen gegenüber dem Dollar auf ein 24-Jahres-Tief gefallen. Beobachter wie der Ökonom Jesper Koll warnen bereits, dass ein steiler Fall auf 150 bis 160 Yen bevorsteht. Dies schürt in Japan die Sorge, dass die Inflation noch weiter angetrieben wird. Denn durch einen schwachen Yen steigen die Preise von importierten Produkten, vor allem von Öl, Flüssiggas und Kohle.

Schon im April betrug die Kerninflationsrate 2,1 Prozent und lag damit über dem zweiprozentigen Inflationsziel der Bank von Japan. Aber dies bewegte die Notenbank noch nicht. Obwohl der geldpolitische Entscheid der Zentralbank einen seltenen Hinweis auf das Wechselkursrisiko hinzufügte, behielt sie ansonsten den Ton früherer Mitteilungen bei. Demnach geht die Notenbank weiterhin davon aus, dass diese Preisanstiege nur vorübergehend sind.

Spekulationen über den weiteren Kurs

Auch der Anleihemarkt kommt unter Druck. Die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen waren vor dem Entscheid kurzfristig über die Marke von 0,25 Prozent gestiegen, die die Notenbank als obere Grenze ihres Preiskorridors für die Anleihen gesetzt hatte. Zu Wochenbeginn hatte sie die Grenze noch mit Käufen von Staatsanleihen verteidigt. Am Freitag fiel der Zins nach der Notenbanksitzung wieder auf 0,22 Prozent.

Die Spekulationen über den künftigen Kurs der Notenbank gehen allerdings weiter. Einige Beobachter erwarten eine größere Kurskorrektur der Notenbank im Herbst, andere warnen gar, dass ein rascher und tiefer Fall das hochverschuldete Land in eine Finanzkrise stoßen könnte, wenn die Bank von Japan nicht einlenke.

Für Stefan Angrick, Volkswirt von Moody’s Analytics, macht die erneute Kursbestätigung jedoch deutlich, dass Notenbankchef Haruhiko Kuroda und der geldpolitische Ausschuss entschlossen sind, an der aktuellen politischen Haltung festzuhalten. „Tatsächlich ist es schwer zu erkennen, wie Zinserhöhungen der japanischen Wirtschaft helfen würden“, meint Angrick.

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Die Warnungen vor einem Inflationsschub durch einen fallenden Yen übersehen seiner Meinung zufolge die Rolle, die die Rohstoffpreise bei der Preiserhöhung und der Schwächung des Yens spielen. Angesichts der Abhängigkeit Japans von Energie- und Lebensmittelimporten schwächen steigende globale Rohstoffpreise die Leistungsbilanz des Landes – und damit den Yen – und erhöhen die Preise für Verbraucher und Produzenten. „Da Preisänderungen hauptsächlich auf externe Faktoren zurückzuführen sind, würden Zinserhöhungen wenig dazu beitragen, den Inflationsverlauf sinnvoll zu verändern“, meint Angrick.

Nicholas Smith, Marktstratege der CLSA in Tokio, warnt Anleger mit einem Blick auf die Geschichte, gegen die Notenbank zu spekulieren. Ein Short-Selling des Anleihemarkts sei ein „Witwenmacher-Handel“, meint Smith. „Viele große Namen in der Finanzwelt sind über die Jahre blutig und gedemütigt aus diesen Versuchen hervorgegangen.“

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