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ModehandelAdler-Modekette zahlt letzte Staatshilfen zurück

Der neue Besitzer, das Berliner Familienunternehmen Zeitfracht, modelt den Händler um und stärkt das Onlinegeschäft – wie es scheint mit Erfolg.Jens Koenen 27.06.2022 - 12:52 Uhr Artikel anhören

Die Modekette, die heute zum Familienunternehmen Zeitfracht gehört, zahlt die letzten Staatshilfen zurück.

Foto: dpa

Frankfurt. Es ist der Abschluss einer schweren Krise: Die Textilkette Adler Modemärkte zahlt die letzte Staatshilfe zurück. Am Dienstag um 7.30 Uhr sollen die verbliebenen fünf Millionen Euro an den Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) zurückgegeben werden. „Ich bin für die Hilfe des Staates sehr dankbar“, sagt Wolfram Simon-Schröter, Vorstand von Zeitfracht, dem neuen Mutterunternehmen von Adler, dem Handelsblatt.

Das Unternehmen aus Haibach bei Aschaffenburg war im Frühjahr vergangenen Jahres in eine schwere Krise gerutscht, das Geld drohte auszugehen. Der WSF half mit zehn Millionen Euro. Dennoch musste Adler im Juli Insolvenz anmelden. Die Pleite wurde vom damaligen Management offiziell mit den Folgen der Pandemie begründet. Allerdings habe Adler auch selbstverschuldete Probleme gehabt, heißt es hinter den Kulissen – etwa einen vernachlässigten Onlinehandel und eine mangelhafte Logistik.

Schließlich übernahm das Berliner Familienunternehmen Zeitfracht Adler. Zeitfracht ist auf Logistikdienstleistungen spezialisiert, Vorstand Simon-Schröter, der Ehemann von Zeitfracht-Eigentümerin Jasmin Schröter, steigt zudem gerne bei Firmen ein, die vor einer Restrukturierung stehen und bei denen er eine Verbindung zur Logistik sieht.

Seitdem hat Zeitfracht Adler umgebaut. Der Onlinehandel wird gestärkt, zudem soll es Adler-Cafés in den Filialen geben. Auch kann man in einigen Niederlassungen Pakete aufgeben, und es gibt neben Kleidung Bücher und Elektrogeräte. Ein wichtiges Geschäftsfeld von Zeitfracht ist die Buchhandellogistik. Dennoch mussten 500 der rund 3000 Arbeitsplätze abgebaut und etwa 30 Filialen geschlossen werden.

Laut Simon-Schröter läuft das Geschäft nun wieder. „Wir haben die Altlasten bei den Adler Modemärkten beerdigt, es geht langsam aufwärts“, sagte der Unternehmer: „Wir haben im abgelaufenen Geschäftsjahr deutlich schwarze Zahlen geschrieben.“

Neuer Eigentümer übt Kritik an der Insolvenzverwaltung

Umso weniger kann Simon-Schröter das Vorgehen der Geschäftsführung und der Verwaltung im Krisenjahr 2021 verstehen. Der damalige Adler-Chef Thomas Freude und Christian Gerloff, der Adler als Sanierer zur Seite stand, hatten teils erheblichen Druck auf den WSF ausgeübt. Man werde vertröstet, habe das Gefühl, gegen Gummiwände zu laufen, klagte Freude.

„Die Vertreter des WSF waren sehr hilfsbereit, sie standen für Telefonkonferenzen noch um Mitternacht zur Verfügung“, berichtet dagegen Simon-Schröter. Es sei von der Seite des WSF alles Mögliche gemacht worden, was für den Staat möglich war. „Wir hatten es zu keinem Zeitpunkt mit einer Behörde zu tun. Es waren Experten, die die Adler Modemärkte und die Arbeitsplätze dort ernsthaft retten wollten.“

Für die Kritik am WSF habe er überhaupt kein Verständnis, sagte der Unternehmer weiter: „Das hat in dem Prozess nicht geholfen. Ich möchte mich dafür im Namen von Adler und den Mitarbeitern noch einmal entschuldigen.“

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Natürlich habe der Staat wie bei anderen Unternehmen auch an der Rettung verdient. „Die Kosten für den Kredit waren marktüblich. Aber das ist aus meiner Sicht auch völlig in Ordnung“, sagte Simon-Schröter. Dass alles am Ende so reibungslos geklappt habe, läge auch daran, dass auf beiden Seiten Menschen gesessen hätten, die Erfahrung bei Restrukturierungen hatten. Das sei eine Sondersituation gewesen.

Die Idee, staatliche Rettung über den WSF zu steuern, sieht der Unternehmer in Summe positiv, hat aber gleichwohl einen Kritikpunkt. „Mir wurde das Geld zum Teil zu sehr mit der Gießkanne verteilt. Ein Geschäftsmodell, das schon vorher nicht funktioniert hat, mit Coronageldern zu stützen, bringt nichts“, sagte Simon-Schröter. Andererseits wisse er, dass der WSF unter großem Zeitdruck stehe, also die einzelnen Geschäftsmodelle nicht komplett durchprüfen könne. „Und das kann auch gut funktionieren, wie in unserem Fall.“

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