Versicherer: Allianz macht Finanz-App Heymoney dicht
Der Vorstandschef hat sich das Wachstum digitaler Plattformen als Unternehmensziel gesetzt.
Foto: dpaMünchen. Die Allianz erleidet einen weiteren Rückschlag in ihrer Digitalstrategie. Die Finanz-App Heymoney, die vor rund drei Jahren als Prestigeobjekt gestartet war, soll in den kommenden Wochen abgewickelt werden. Ein Konzernsprecher bestätigte den Schritt und begründete ihn mit den niedrigen Nutzerzahlen beim Tochterunternehmen Iconic Finance, die nicht wie erwartet ausfielen.
Zuletzt soll eine Kundenzahl im niedrigen fünfstelligen Bereich die App genutzt haben. Als erstes Medium hatte das Fintech-Magazin „Finance Forward“ über das Ende der Heymoney-App berichtet.
Mit der Multi-Banking App Heymoney wollte die Allianz im Jahr 2019 einen Angriff auf die Wettbewerber aus Banken, Versicherungen und Finanzdienstleistungen starten. Markus Faulhaber, der damalige Chef der Allianz Lebensversicherung, versprach eine Internetplattform, die Kunden eine „360 Grad-Analyse ihrer Finanzen“ ermöglichen sollte.
Die Schnittstelle zum Nutzer sollte für alle Finanzprodukte künftig über die Heymoney-App laufen. Ab Ende 2020 war die App voll funktionstüchtig, doch schon ein Jahr später bemerkte die Allianz, dass sich deutlich weniger Kunden für den Service interessierten als erwartet.
Als Hemmschwelle stellte sich heraus, dass potenzielle Neukunden einen Einladungscode benötigten. Diesen bekamen sie nur über einen Berater der Allianz. Erst danach ließen sich die Dienstleistungen der App öffnen. Bernd Storm van‘s Gravesande, der Chef von Iconic Finance, sprach im vergangenen Jahr von einem langfristigen Projekt, bei dem die Öffnung für jedermann das Ziel sei.
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Das klingt nun anders. „Ein neues Geschäftsmodell im digitalen Markt aufzubauen bedeutet alle Energie in diese Idee zu investieren, aber auch sie zu beenden, wenn die Ziele nicht, oder nicht schnell genug erreicht werden“, ließ er sich am Montag zitieren. In den kommenden Wochen wird Heymoney abgeschaltet.
Den rund 30 Mitarbeitern bei Heymoney sollen neue Perspektiven im Konzern angeboten werden, heißt es. Für die Kunden bedeutet der Schritt, dass ein Teil der bisherigen Heymoney-Funktionen voraussichtlich in anderen Anwendungen des Konzerns aufgehen soll. Details dazu werden gerade erarbeitet.
Weitere Niederlage der Digitalstrategie – Ziele wurden nicht erreicht
Für die Allianz kommt das Ende der Heymoney-App einer erneuten Niederlage beim Ausbau der konzerninternen Digitalstrategie gleich. Die Steigerung des Wachstums durch digitale Plattformen ist eines der großen Unternehmensziele, die Vorstandschef Oliver Bäte mit der neuen Dreijahresstrategie anstrebt, die der Konzern im Dezember verkündet hatte. Dabei war es allerdings auch an anderer Stelle immer wieder zu Rückschlägen gekommen.
Der Anfang 2020 gestartete Onlineversicherer Allianz Direct hinkt ebenfalls den Erwartungen hinterher. Gleich mehrere Schlüsselpositionen im Management wurden in diesem Jahr bereits ausgetauscht. Im Konzern hat man weiterhin Geduld mit dem nur mäßig erfolgreichen Onlineprojekt.
Vorstandschef Oliver Bäte betrachtet die Onlinemärkte auch als Labor, um Produkte zu testen, und spricht häufig von einer „Idee“. Dabei kann die Allianz weiter aus einer starken Position heraus agieren. Auf nahezu allen wichtigen Feldern – auch im digitalen Bereich – sind die Münchener Marktführer in Deutschland, wie der Techmonitor Assekuranz bestätigt.