Immobilien: Caner wettert in erstem Auftritt als Aggregate-Chef gegen Kritik
Steht laut eigenen Angaben gern „in schwierigen Zeiten an der Front“.
Foto: BLOOMBERG NEWSBerlin. Cevdet Caner verwahrte sich bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als Chef von Aggregate Holdings SA gegen Kritiker und Leerverkäufer. Seine neue Position gebe ihm die Chance, Werte zu schaffen, erklärte der in der deutschen Immobilienbranche engagierte österreichische Geschäftsmann.
Zu den vorstellbaren Optionen gehört laut Caner ein Börsengang der Immobilienfirma, an der er gerade erst 20 Prozent erworben hat und deren Vorstandschef nun ist. „In schwierigen Zeiten an der Front zu sein, den Helm aufsetzen und zu kämpfen, das macht mir Spaß“, so Caner bei der Präsentation einer weitläufigen Berliner Baustelle.
Caner übernahm das Ruder bei Aggregate, nachdem er jahrelang als Berater des Alleineigentümers Günther Walcher aufgetreten war. Aggregate war bis vor Kurzem der größte Aktionär des Wohnungskonzerns Adler Group SA und die Beziehungen zwischen Caner, Walcher, Aggregate und Adler standen im Mittelpunkt eines vernichtenden Berichts des Leerverkäufers Viceroy Research, der den Beteiligten im vergangenen Jahr Betrug, überhöhte Bewertungen und intransparente Geschäfte mit verbundenen Parteien vorwarf.
Caner hat wiederholt Fehlverhalten bestritten und warf am Dienstag nicht namentlich genannten Leerverkäufern vor, ihre Interessen mit „illegalen Mitteln“ wie der Verbreitung von Gerüchten verfolgt zu haben. Eine Sonderprüfung durch KPMG, die Adler selbst in Auftrag gegeben hatte, deckte allerdings Mängel in der Unternehmensführung auf, wie etwa den außerordentlichen Einfluss von Caner sowie mindestens eine Transaktion, an der sein Schwager beteiligt war.
Aggregate war einst mit rund 26 Prozent der größte Aktionär von Adler, musste jedoch 20 Prozent abgeben, die für einen Kredit als Sicherheit verpfändet worden waren. Caner sagte, die Firma halte sich „alle Optionen offen“ in Bezug auf die verbleibenden 6 Prozent an Adler.
Die stark eingebrochenen Kurse der Aggregate-Anleihen, die aufgrund der Anwürfe durch Viceroy nurmehr mit rund 35 Prozent des Nennwerts handeln, will Caner als Chance nutzen. Das Unternehmen könnte etwa freie Mittel verwenden, um Anleihen zu den niedrigen Kursen zurückzukaufen. Dazu treffe er sich am Mittwoch mit Investoren in London.