Waffenlieferungen: Schlagfertigere Industrie, modernere Waffen, mehr Geld: Wie kriegsentscheidend ist wirtschaftliche Macht?
Im Interview spricht sich der Historiker für zusätzliche Waffenlieferungen aus.
Foto: HandelsblattHerr Ritschl, Karl Marx hat einmal auf „die erhebende Seite des Krieges“ hingewiesen, wie er das nannte: Der Krieg stelle eine Nation auf die Probe, schrieb er: „Wie Mumien augenblicklich zerfallen, wenn man sie der atmosphärischen Luft aussetzt, so fällt der Krieg sein Todesurteil über alle sozialen Einrichtungen, die keine Lebenskraft mehr besitzen.“ Können Sie dem etwas abgewinnen?
Zynisch könnte man sagen, dass der Gedanke klingt, als ob er von Friedrich Nietzsche stamme. Zur „Lebenskraft“ eines Volkes, wie Marx das nennt, gehören auch die Leistungs- und Innovationsfähigkeiten der Wirtschaft.
Welche Rolle spielen diese in einem Krieg – neben Kampfeswillen, taktischem Geschick, Opferbereitschaft, Zugriff auf Rohstoffe, Bevölkerungszahlen und -struktur? An dieser Stelle würde ich gerne innehalten. Mir zumindest kommt der Begriff „Lebenskraft eines Volkes“ nach der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts nicht so leicht über die Lippen …
Sie meinen, das klingt nach nationalsozialistischem Vokabular?
Darauf wollte ich hinaus. Aber um inhaltlich auf die Frage einzugehen: Karl Marx interessierte sich für die starken Umbrüche von Wirtschaftssystemen, die er vor allem als Herrschaftssysteme beschrieb. In Kriegen geht es darum, ob eine Seite ein vorheriges Herrschaftssystem beseitigen und ihr eigenes etablieren kann. Und es geht um Systemwechsel auch an der Heimatfront.