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AutozuliefererFaurecia verbucht nach Hella-Übernahme deutlichen Verlust – Schuldenabbau hat nun Priorität

Unter dem Strich schrieb das Unternehmen im ersten Halbjahr einen Verlust von 244 Millionen Euro. Am Umsatzziel für das Gesamtjahr hält der französische Autozulieferer fest.Gregor Waschinski, Roman Tyborski 25.07.2022 - 15:30 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Das Unternehmen rutschte nach Steuern aufgrund von Kosten für die Übernahme und Einmalaufwendungen für das Russlandgeschäft in die Verlustzone.

Foto: Reuters

Nanterre, Düsseldorf. Faurecia zieht nach der milliardenschweren Übernahme des deutschen Konkurrenten Hella eine positive erste Bilanz. Trotz des „besonders angespannten Umfelds“ habe der französische Autozulieferer die Verkäufe deutlich steigern können, teilte Unternehmenschef Patrick Koller am Montag mit.

Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz im Jahresvergleich um fast die Hälfte auf 11,6 Milliarden Euro. Grund dafür ist der Sondereffekt durch die Hella-Übernahme. Doch der deutsch-französische Zusammenschluss, der seit Februar unter der Dachmarke Forvia firmiert, konnte darüber hinaus auch ein organisches Umsatzwachstum von neun Prozent erzielen.

Auf dem Geschäft lasteten der Chipmangel in der Autobranche, die Auswirkungen des Ukrainekriegs und die Lockdowns in China. Die Inflation, insbesondere die gestiegenen Rohstoffpreise, machte sich mit einem negativen Effekt von 500 Millionen Euro bemerkbar.

Unter dem Strich schrieb das Unternehmen im ersten Halbjahr einen Verlust von 244 Millionen Euro. Faurecia erklärte diesen mit den Kosten für die Übernahme und einer Restrukturierung des Russlandgeschäfts. CEO Koller ist zuversichtlich, dass Faurecia in der zweiten Jahreshälfte besser abschneidet. Das Umsatzziel von 23 bis 24 Milliarden Euro für das Gesamtjahr bestätigte er.

Faurecia hatte den Hella-Zukauf im Januar abgeschlossen und hält rund 82 Prozent an dem nordrhein-westfälischen Scheinwerferspezialisten. Die Dachmarke Forvia ist der siebtgrößte Autozulieferer der Welt.

Wie Faurecia seine Schulden abbauen will

Noch treten Faurecia und Hella aber als zwei rechtlich unabhängige Unternehmen auf. Zur Frage eines möglichen Kaufs weiterer Anteile, um Hella von der Börse nehmen und vollständig mit Faurecia zusammenführen zu können, schweigt das Unternehmen.

Faurecia und Hella wollen unter dem Dach von Forvia zunehmend verschmelzen.

Foto: HAMILTON/REA/laif

Koller sagte, dass die „klare und dauerhafte Führungsstruktur“ unter dem Dach von Forvia beiden Firmen ermögliche, die angestrebten Synergien zu erreichen. Bis 2025 rechnet Faurecia durch größere Effizienz mit Einsparungen von mehr als 250 Millionen Euro. Das Unternehmen habe rund 200 „Synergiechancen“ identifiziert, erklärte der CEO. Die Projekte beträfen besonders die Elektromobilität, aber auch Technologien für das autonome Fahren.

Koller priorisiert den Abbau der durch die Übernahme stark gestiegenen Schulden, die Ende Juni bei fast 8,4 Milliarden Euro lagen. Faurecias Entschuldungsplänen liegt allerdings eine optimistische Marktprognose mit weltweit steigenden Pkw-Absatzzahlen zugrunde.

Doch Chipmangel, die russische Invasion in der Ukraine und die Inflation belasten die Autoproduktion stärker als angenommen. Zuletzt hatte der Verband der Automobilindustrie seine Absatzprognose für das laufende Jahr für Deutschland zum zweiten Mal in Folge gesenkt.

Um die Finanzierung zu stemmen, hat Faurecia Anfang Juni eine Kapitalerhöhung von über 700 Millionen Euro vorgenommen. Außerdem prüft Hella derzeit einen Verkauf der Geschäftssparte „Special Applications“, in der Komponenten für Spezialfahrzeuge wie Land- oder Baumaschinen hergestellt werden. Im vergangenen Geschäftsjahr machte die kleinste Hella-Sparte, die fast 2400 Mitarbeiter beschäftigt, einen Umsatz von knapp 360 Millionen Euro.

Faurecia-CEO ist überzeugt vom Zusammenschluss mit Hella

Hella-Vorständin Lea Corzilius sagte Ende April: „Gemeinsam mit dem Gesellschafterausschuss haben wir entschieden zu evaluieren, wie wir diese Aktivitäten langfristig bestmöglich aufstellen können. Hierfür prüfen wir verschiedene strategische Optionen, zu denen unter anderem auch ein möglicher Verkauf zählt.“

>> Lesen Sie hier: ZF, Mahle, Knorr-Bremse, Grammer: Warum so viele Autozulieferer einen neuen Chef suchen

Corzilius zählt zu den wenigen Managerinnen, die aus der eigenständigen Hella-Zeit stammen. Seit der Übernahme haben viele langjährige Führungskräfte das Unternehmen verlassen. So sind Carl-Peter Forster als Vorsitzender und Horst Binnig als Mitglied des Gesellschafterausschusses ausgeschieden.

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Rolf Breidenbach, der fast 18 Jahre Chef von Hella war, überlässt das Feld dem 63-jährigen Michel Favre, der zuvor Finanzvorstand von Faurecia war. Auch Frank Huber, Chef des Lichtgeschäfts von Hella, hat das Unternehmen verlassen und wird von einer Faurecia-Führungskraft ersetzt.

Koller zeigte sich überzeugt, dass Faurecia und Hella unter dem Dach von Forvia zunehmend verschmelzen könnten: „Es wäre anmaßend zu sagen, dass sich eine gemeinsame Unternehmenskultur in wenigen Monaten einstellt“, relativierte der Unternehmenschef jedoch. Die Ausgangslage sei aber gut, da Faurecia und Hella sich vor der Übernahme bereits in vielen Punkten nahegestanden hätten. Beide Autozulieferer stünden für „Technologie, Innovation und Ehrgeiz beim Klimaschutz“.

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