Versicherung: Insurtech Element übernimmt Bestand des Gewerbeversicherers Mailo
Das Kölner Versicherungsunternehmen Mailo ist auf die Absicherung von Gewerberisiken spezialisiert.
Foto: dpaFrankfurt. Das Berliner Insurtech Element rückt enger mit dem Kölner Gewerbeversicherer Mailo zusammen. Im Rahmen einer strategischen Partnerschaft wird Element den Bestand des digitalen Versicherungsunternehmens übernehmen.
Ab dem 15. August wird Element zudem als Versicherer (Risikoträger) für das Neugeschäft von Mailo agieren. Mailo wiederum gibt seine Versicherungslizenz zurück. Von der Transaktion, die noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die Finanzaufsicht Bafin steht, hat das Handelsblatt vorab erfahren.
Mailo ist auf digitale Versicherungslösungen für Gewerbemakler spezialisiert. Das Insurtech wurde 2017 gegründet und im Februar 2019 von der Bafin als Versicherer in Deutschland zugelassen.
Durch die Rückgabe der Lizenz und die strategische Partnerschaft mit Element erhofft sich Mailo-Gründer Matthias Uebing, dass er sich nun stärker auf den Vertrieb und die passgenaue Weiterentwicklung der Produkte für die Bedürfnisse der Kunden konzentrieren kann. Man wolle die Stärken von Mailo und Element kombinieren, betont Christian Macht, Co-CEO von Element.
Das Insurtech soll künftig dafür sorgen, dass die Produkte und individuellen Maklerkonzepte von Mailo schnell und kostengünstig angeboten werden. Als sogenannter White-Label-Versicherer entwickelt Element Versicherungen für Partner, die diese unter ihrem Namen vertreiben.
Die beiden Insurtechs werden weiterhin als unabhängige Unternehmen am Markt agieren. Element wird vorrangiger Versicherer für Mailo. Exklusiver Versicherer werden die Berliner aber nicht sein, da es künftig eventuell Risiken geben wird, die Element nicht abdecken kann.
Element gewinnt drei weitere Sparten hinzu
Zugleich hat sich Element von der Bafin drei weitere Sparten innerhalb seiner Schaden- und Unfallversicherungslizenz genehmigen lassen. Das Insurtech kann jetzt auch Kasko- und Haftpflichtrisiken im Bereich Schifffahrt sowie finanzielle Verluste wie etwa Gewinnausfall absichern. Erste Partner seien hiermit schon aktiv.
Insgesamt deckt Element nun 25 Risikoarten ab. „Der Ausbau des Geschäftsfelds ist ein weiterer wichtiger Schritt für Element, um die angestrebte Umsatzsteigerung von 100 Prozent zum Vorjahr zu erreichen“, sagt Macht.
Das nötige Geld, um weiter zu wachsen, hat Element jüngst erhalten. Das Insurtech konnte 21,4 Millionen Euro bei Investoren einsammeln, obwohl die Finanzierungsbedingungen für Start-ups wegen der unsicheren Lage rund um Ukrainekrieg, hohe Inflation und steigende Zinsen deutlich schwieriger geworden sind.
Umfeld für Start-ups hat sich zuletzt deutlich verändert
Neben dem Investitionsumfeld habe sich auch das regulatorische Umfeld in den letzten Jahren stark verändert, heißt es bei Element. Jungen Unternehmen werde es branchenübergreifend national und international nicht leicht gemacht, nachhaltig zu wachsen. Die Kooperation mit Mailo trage daher auch dazu bei, sich als Unternehmen noch stärker am Markt zu positionieren.
Element und Mailo sind zwei von sieben Start-ups, denen die Bafin seit 2017 eine Versicherungslizenz erteilt hat. Zwischenzeitlich kritisierte die Aufsicht, dass die jungen Versicherer zum Start zu wenig Geld einplanten. Da sie am Anfang nur wenige Kunden hätten, aber viel investieren müssten, hätten sie meist Schwierigkeiten, in die Gewinnzone zu gelangen.
Laut Solvenzbericht erzielte Mailo im vergangenen Jahr Bruttobeitragseinnahmen von knapp 2,5 Millionen Euro. Der Jahresfehlbetrag lag bei 4,1 Millionen Euro.
Element wies Bruttobeitragseinnahmen von 10,4 Millionen Euro und einen Gesamtverlust von 13,9 Millionen Euro aus. Die Entscheidung für die strategische Partnerschaft und die Rückgabe der Versicherungslizenz durch Mailo dürfte daher auch mit Kostenvorteilen zu tun haben.