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AutozuliefererWebasto sucht Investor für Ladesäulen-Geschäft

Der Autozulieferer sucht nach Handelsblatt-Informationen einen Partner für seine Produktion von Wallboxen und Ladekabeln. Das Unternehmen schrieb zuletzt rote Zahlen.Arno Schütze, Axel Höpner 01.08.2022 - 13:17 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Das Unternehmen sucht für seine Ladesparte einen Partner.

Foto: Webasto Group

Frankfurt/München. Der Autozulieferer Webasto sucht einen Investor für sein Geschäft mit Ladesäulen und -kabeln für Elektroautos. „Wir sehen bei uns, dass momentan nicht das volle Potenzial ausgeschöpft werden kann“, erklärte das Unternehmen auf Anfrage. „Wir haben uns daher entschieden, einen Partner zu suchen, der die positive Entwicklung des Charging-Bereichs unterstützt.“

Damit bestätigte das bayerische Unternehmen Informationen des Handelsblatts aus Finanzkreisen. Der Markt für Ladelösungen sei sehr dynamisch und biete große Wachstumschancen, wirbt Webasto Käufer für diesen Geschäftsbereich.

Wie mit der Situation vertraute Personen berichten, hat der Konzern die Investmentbank Jefferies mit der Suche nach einem Investor beauftragt. In Branchenkreisen wurde betont, dass noch keine Entscheidung getroffen sei. Webasto wolle sich aber nicht komplett von der Sparte trennen. Das Unternehmen selbst verwies darauf, dass sich die Branche in einer Konsolidierungsphase befinde. Jefferies lehnte eine Stellungnahme ab.

Bei Webasto fällt das Geschäft mit der Ladetechnik aus dem Rahmen. Bei den Standheizungen, Schiebedächern und Batterien sind in erster Linie Autohersteller die Kunden. Ladesäulen werden dagegen weltweit von sehr unterschiedlichen Anbietern aufgestellt und betrieben. Daher sind andere Vertriebskanäle gefragt.

Webasto hat Ladekabel, mobile Ladestationen und Wallboxen für Privatleute und Gewerbetreibende im Portfolio. Wichtige Absatzmärkte sind Deutschland und der Rest Europas sowie die USA. Die Produktion der Wallboxen und Kabel erfolgt in Schaidt (Rheinland-Pfalz), Irapuato (Mexiko) und Wuhan (China).

Im vergangenen Jahr hatte Webasto 155 Millionen Euro Umsatz mit Aktivitäten rund um die Elektromobilität erwirtschaftet. Das war doppelt so viel wie im Jahr zuvor. Zu der Sparte gehören neben der Ladetechnik auch noch die Batteriesysteme und Elektroheizungen.

Bis 2025 soll die Gesamtsparte eine Milliarde Euro Umsatz erwirtschaften. Laut Branchenschätzungen dürften auf den Chargingbereich zuletzt Erlöse in zweistelliger Millionenhöhe entfallen sein.

Elektromobilität bleibt Umsatztreiber

Webasto verzeichnete in dem Bereich eine wachsende Nachfrage. Allerdings schrieb der Konzern in den vergangenen beiden Jahren rote Zahlen. Vorstandschef Holger Engelmann sagte bei Vorlage der Bilanz: „Wir fahren bis auf Weiteres einen konsequenten Sparkurs.“ Man könne auch nicht mehr in alles investieren, was Wachstum verspreche.

146
Millionen Euro
Verlust vor Zinsen und Steuern machte Webasto im vergangenen Jahr.

Webasto gehört zu den 15 größten deutschen Autozulieferern und befindet sich vollständig in Familienbesitz. Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde die Firma, als es dort den ersten Coronafall in Deutschland gab. Das Unternehmen ist vor allem auf Glaspanoramadächer und Standheizungen spezialisiert.

Der Autozulieferer aus Stockdorf bei München hat gleich an mehreren Fronten zu kämpfen. Wie die Konkurrenz hatte der Konzern unter den Folgen der Coronapandemie zu leiden. Die Autoverkäufe gingen zeitweise zurück, Lieferketten waren unterbrochen, die Materialkosten steigen.

Hinzu kamen hausgemachte Probleme rund um den Großauftrag von Ford für die Dächer der Neuauflage der Geländewagen-Ikone Bronco. Das neue Werk in Detroit wurde verspätet eröffnet, Ford musste die ersten Auslieferungen verschieben und Tausende Hardtop-Dächer wegen Qualitätsproblemen austauschen. 200 Millionen Euro kostete der missglückte Produktstart. Aus dem Vorzeigeauftrag wurde so erst einmal ein Desaster.

Vor Zinsen und Steuern machte Webasto im vergangenen Jahr vor allem wegen der Probleme mit dem Bronco einen Verlust von 146 Millionen Euro. Auch deshalb will sich der Konzern noch stärker auf die Kernsparten fokussieren.

Eine zentrale Rolle in der Strategie spielt dabei vor allem das recht neue Geschäft mit Batterien für Elektroautos. Nach einem Großauftrag von Hyundai-Kia errichtete der Konzern in den vergangenen Monaten ein neues Hightech-Batteriewerk in Südkorea. Dort können jährlich bis zu 110.000 Batteriemodule gefertigt werden, die Kapazität soll bis 2025 auf 160.000 steigen. Insgesamt investiert Webasto in Dangjin rund 88 Millionen Euro.

Anfang des Jahres hatte Webasto zudem einen ersten Batterieauftrag eines deutschen Autobauers erhalten. Insgesamt haben die beiden Aufträge nach Angaben des Unternehmens ein Volumen von mehr als einer Milliarde Euro.

Auch wenn noch nicht entschieden ist, welche Teile der Batterie-Wertschöpfungskette bei den Autobauern und welche bei den Zulieferern landen werden, dürfte dieses Segment für Webasto in den nächsten Jahren eine größere Rolle spielen als der Ladebereich.

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Hier gibt es zudem noch eine vergleichsweise große Zahl von Spielern. Bei den Ladesäulen sind das zum Beispiel Unternehmen wie ABB und Siemens, bei den Wallboxen oft Spezialisten wie Keba oder go-e.

In den nächsten Jahren werde es eine Marktbereinigung geben, sagt ein Brancheninsider. Mit der Investorensuche könne Webasto hier eine aktive Rolle spielen.

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