Steigende Inflationsrate: Scheitern von EZB und Fed: Vier Gründe, warum die Notenbanken so spät auf die Inflation reagiert haben
Fehleinschätzung mit massiven Folgen.
Foto: imago images/imagebrokerFrankfurt. Der Blick auf absolute Kennzahlen genügt, um sich die Dimension der Problematik zu vergegenwärtigen: Als die US-Notenbank Fed die Zinsen erstmals seit 2018 anhebt, hat die Inflation in den USA 7,9 Prozent erreicht. Bei der ersten Erhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) seit 2011 liegt die Teuerungsrate im Euroraum gar bei 8,6 Prozent.
Wie konnte es dazu kommen, dass Fed, EZB und auch die Bank of England, die führenden Notenbanken weltweit, das Inflationsrisiko derart unterschätzt haben? Der prominente Ökonom Ricardo Reis, der an der London School of Economics (LSE) lehrt, ist dieser Frage in einer neuen Untersuchung nachgegangen.
Die Debatte über die Ursache der Fehleinschätzungen ist brisant: Immerhin berührt sie die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik. Und die verspätete Reaktion der Währungshüter hat wahrscheinlich eine Rezession zur Folge.
Und es ist nicht so, als hätte es im Vorfeld keine warnenden Stimmen gegeben. Doch prominente Ökonomen wie etwa Ex-IWF-Chef Olivier Blanchard, der ehemalige US-Finanzminister Larry Summers oder auch Mohamed El-Erian, Berater der Allianz und Präsident des Queens College in Cambridge, fanden lange Zeit kein Gehör. Selbst die Bundesbank, die in Sachen Inflation etwas hellhöriger war als andere der EZB angeschlossene nationale Notenbanken, hat das Ausmaß der kommenden Preisentwicklung lange unterschätzt.