Wall Street: Einzelhandelsriesen schieben Dow Jones an – Wall Street schließt im Plus
US-Aktienmärkte haben am Donnerstag im Handelsverlauf ihre Gewinne ausgebaut und deutlich fester geschlossen.
Foto: ReutersFrankfurt. Besser als erwartet ausgefallene Ergebnisse der Einzelhandelsriesen Walmart und Home Depot haben die Wall Street angetrieben. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss am Dienstag 0,7 Prozent höher auf 34.152 Punkten. Der breit gefasste S&P 500 legte 0,2 Prozent auf 4305 Punkte zu. Der technologielastige Nasdaq gab dagegen 0,2 Prozent auf 13.102 Punkte nach.
Unternehmensgewinne über den Erwartungen hatten bereits in den vergangen Tagen US-Aktien angetrieben. Dem Datenanbieter Refinitiv zufolge haben 77,6 Prozent der Firmen im S&P 500 mit ihren Quartalszahlen die Erwartungen der Analysten übertroffen. Für Rückenwind sorgte vergangene Woche auch ein nachlassender Preisdruck in den USA, der Spekulationen auf ein geringeres Tempo bei den Zinsschritten der US-Notenbank anheizte.
„Was wirklich hinter dieser Rally steckt, ist, dass das absolute Worst-Case-Szenario vom Tisch ist“, sagte Shawn Cruz, Handelsstratege bei TD Ameritrade. „Wenn man sich die Wirtschaftsdaten ansieht, sind sie zwar nicht gut, aber auch nicht katastrophal. Wenn man sich die Gewinne anschaut, ist es auch nicht großartig, aber definitiv auch nicht katastrophal.“
„Das Auf und Ab an den Märkten wird wesentlich von den Zinserwartugen getrieben“, sagte Jason Pride vom Vermögensverwalter Glenmede. Mit Spannung schauen die Anleger auf die Veröffentlichung der Protokolle der jüngsten US-Notenbank-Sitzung am Mittwoch. Sie erhoffen sich aus den sogenannten Fed-Minutes Hinweise auf das Ausmaß des nächsten Zinsschritts.
Während Sorgen vor einer Rezession am Aktienmarkt in den Hintergrund rückten, wirkten am Ölmarkt die jüngsten enttäuschende Zahlen zum Einzelhandelsumsatz und der Industrieproduktion in China nach. Rohöl der Sorte Brent aus der Nordsee und US-Rohöl WTI verbilligten sich am Dienstag jeweils um gut zwei Prozent auf 93,07 beziehungsweise 87,22 Dollar.
Einzelwerte im Fokus
Walmart: Die Anteilsscheine der Supermarktkette zogen um 5,1 Prozent an. Anleger freute die Aussicht auf einen geringeren Rückgang beim Jahresgewinn als zuletzt befürchtet. Der laut Fortune Global 500-Liste umsatzstärkste Konzern der Welt hat die inflationsgeplagten Kunden mit Rabatten gelockt. „Trotz der anhaltenden Inflation scheint sich der Verbraucher gut zu halten“, sagte Kim Forrest, Investmentchef bei Bokeh Capital Partners. Dazu trage auch der gesunkene Benzinpreis bei. Erst vergangenen Monat hatte Walmart Investoren mit einer herabgesetzten Gewinnprognose erschreckt.
Home Depot: Ein Rekordquartal des Baumarktkonzerns Home Depot überzeugte die Anleger. Die Aktien stiegen um 4,1 Prozent. „Im zweiten Quartal haben wir den höchsten Quartalsumsatz und -gewinn in der Geschichte unseres Unternehmens erzielt“, sagte Unternehmenschef Ted Decker. Das Unternehmen profitiert von einer anhaltend hohen Heimwerker-Nachfrage.
Alphabet und Apple: Technolgiewerte wie der iPhone-Hersteller und die Google-Mutter notierten leicht tiefer.
Bed Bath & Beyond: Die Aktien der US-Einrichtungskette sind im Höhenflug. Im späten New Yorker Handel klettern sie 66 Prozent nach oben und schlossen schließlich mit 29 Prozent im Plus. Die Dividendenpapiere waren vor allem bei Kleinanlegern gefragt, die nach einer Mitteilung des aktivistischen Investors Ryan Cohen zugriffen. Dessen Anlagevehikel RC Ventures erwarb Call-Optionen, die im Januar 2023 auf 1,67 Millionen Aktien auslaufen. Der Investor geht davon aus, dass die Anteilsscheine von Bed Bath & Beyond an Wert gewinnen werden.
Zoom: Nach unten ging es auch für den US-Videodienst Zoom. Die Titel gaben in der Spitze fast sieben Prozent nach, nachdem die Analysten der Citigroup das Rating auf „Sell“ gesenkt haben. Der Wachstumskurs von Zoom sei nach Corona schon immer eine Herausforderung gewesen, konstatierten die Experten. „Aber wir sehen neue Hürden für das Wachstum, einschließlich der zunehmenden Konkurrenz durch Microsoft Teams und der makroökonomischen Schwäche, die kleine und mittlere Unternehmen trifft.“