Deregulierung: Liz Truss und Rishi Sunak planen den „Big Bang 2.0“ für Londons Finanzbranche
Ein Wandgemälde in Belfast zeigt die beiden Kandidaten für den konservativen Parteivorsitz, Rishi Sunak und Liz Truss.
Foto: dpaLondon. Die Londoner City steht möglicherweise vor einem neuen „Big Bang“ der Deregulierung. Die beiden Kandidaten für die Nachfolge des britischen Premierministers Boris Johnson wollen die noch aus der Zeit der EU-Mitgliedschaft stammenden Finanzregeln lockern und dafür notfalls die eigentlich unabhängigen Aufsichtsbehörden überstimmen.
Liz Truss, britische Außenministerin und Favoritin auf den Vorsitz der Konservativen Partei und damit auf den Posten des Premierministers, beklagte kürzlich in einer Rede vor Vertretern des Londoner Finanzdistrikts: „Wir haben uns nicht schnell genug bewegt, um die Vorteile des Brexits voll auszuschöpfen.“ Als Premierministerin werde sie „Investitionen freisetzen und das Wirtschaftswachstum im ganzen Land ankurbeln“.
Ihr Rivale Rishi Sunak spricht in Erinnerung an den großen Deregulierungsknall von Margaret Thatcher 1986 ganz offen von einem „Big Bang 2.0“ und kündigte an: „Wir werden das EU-System beenden, in dem die letzte Macht bei gesichtslosen Regulierern liegt, und diese Macht unserem souveränen Parlament übertragen.“
Als er noch Finanzminister war, hat Sunak dafür ein „Gesetz über Finanzdienstleistungen“ auf den Weg gebracht, durch das Minister künftig die Möglichkeit bekommen sollen, Entscheidungen der unabhängigen Aufsichtsbehörden zu hinterfragen und sie notfalls wohl auch zu ändern. Das hat insbesondere die Bank of England auf den Plan gerufen, deren Prudential Regulation Authority (PRA) die größten britischen Banken und Versicherungen beaufsichtigt.