Vorwurf des Interessenkonflikts: Gutachten für den Aufsichtsrat entlastet Vorstandschef der Apobank
Ein Gutachten, dass der Aufsichtsrat beauftragt hatte, entkräftet Vorwürfe gegen den Apobank-Chef. Doch die Probleme der Bank bleiben.
Foto: ApobankFrankfurt. Im Streit über einen möglichen Interessenkonflikt bei der Apotheker- und Ärztebank (Apobank) entlastet ein Gutachten Vorstandschef Matthias Schellenberg. In dem Gutachten einer Anwaltskanzlei, das der Aufsichtsrat beauftragt hatte, heißt es nach Handelsblatt-Informationen unter anderem: „Nach aktuellem Sach- und Rechtsstand ist aus unserer Sicht hier kein Interessenkonflikt ersichtlich.“
Die Apobank zieht aus der Prüfung „das klare Ergebnis“, dass es keine Anhaltspunkte für einen Interessenkonflikt gebe. Zuerst berichtete die „Börsen-Zeitung„ über das Gutachten, dessen Ergebnis der Aufsichtsrat Ende vergangener Woche erhalten hatte.
Anlass für die Prüfung sind Vorwürfe des bisherigen Risikochefs Eckhard Lüdering, dessen zum Jahresende auslaufender Vertrag nicht verlängert wird. Dabei geht es um die Rolle der Beratungsfirma BCG, die seit rund drei Jahren durch die Apobank beauftragt ist.
Insidern zufolge gibt es erstens den Vorwurf, dass BCG Schellenberg für den Vorstandsposten empfohlen habe, ohne dass eine Personalberatung eingeschaltet worden sei. Schellenberg startete im März dieses Jahres bei der Apobank, er folgte auf Ulrich Sommer. Zweitens stand im Raum, inwiefern BCG einen Auftrag für zwei Teileprojekte ohne eine Ausschreibung erhalten habe.
In dem Gutachten heißt es nun, dass eine Umgehung des bankinternen üblichen Prozesses „nach den uns vorliegenden Informationen nicht erfolgt“ sei. Auch bei der Auftragsvergabe an BCG könne kein Interessenkonflikt abgeleitet werden.
BCG ist zwar nicht die einzige Beratungsfirma, die die Apobank sich ins Haus geholt hat. Doch sie zählt zu den Großen der Branche. Das BCG-Mandat läuft zum Jahresende aus. Naheliegend ist, dass es nicht verlängert wird.
Privatkundenchefin hat die Bank abrupt verlassen
Offen ist, ob mit dem Gutachten Ruhe bei der Apobank einkehrt. Denn Zoff gab es bei der Bank nicht nur durch Lüderings Vorwürfe. Vergangene Woche wurde bekannt, dass Privatkundenchefin Jenny Friese das Geldhaus abrupt verlassen hat.
Friese gehörte erst seit Anfang 2021 dem Apobank-Vorstand an. Seit Mai vergangenen Jahres leitete die frühere Commerzbank-Managerin das Privatkundengeschäft.
Der plötzliche Weggang deutet auf Verwerfungen innerhalb des Führungsgremiums hin. Insider führen als Grund für Frieses plötzlichen Abschied Meinungsverschiedenheiten zwischen Schellenberg und ihr über die Ausrichtung der Apobank an.
Auch Schellenbergs Führungsstil sorge teils für Kritik, heißt es in Finanzkreisen. Er übernimmt nun Frieses Ressort. Noch in diesem Jahr will Schellenberg ein Strategieupdate für die Apobank vorstellen, das auch Einsparungen enthalten dürfte.
Der Manager war zuvor bei der Privatbank Merck Finck und dort von 2017 bis 2020 Vorstandschef. Bei der Warburg-Bank in Hamburg war er danach kurze Zeit Partner, er verließ das Geldhaus nach wenigen Monaten wieder.
Die Apobank kämpft seit Längerem mit Problemen: Ihre Kosten sind vergleichsweise hoch. Dem Institut gelang es zuletzt nicht, die Möglichkeiten, die in dem Geschäftsmodell stecken, zu heben – vor allem mit Blick auf die Vermögensverwaltung. Ihre Kunden gelten als wesentlich attraktiver als die einer durchschnittlichen Sparkasse oder Genossenschaftsbank.
Wegen des pannenreichen Starts ihrer IT-Umstellung vor knapp zwei Jahren musste die Apobank viel Kritik einstecken. Der Wechsel auf den neuen IT-Dienstleister Avaloq ab Pfingsten 2020 war zunächst in Teilen missglückt. Im Zuge der Migration liefen unter anderem Überweisungen und andere einfache Bankdienstleistungen nicht reibungslos.
Kunden reagierten verärgert, einige kehrten der Apobank den Rücken. 2021 sank die Zahl der Mitglieder, also der Eigentümer der Bank, leicht auf gut 115.000 – der erste Rückgang seit zehn Jahren. Er setzte sich im ersten Halbjahr 2022 fort.