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iPhone-HerstellerApple-Chef Tim Cook in München: Ingenieure sollen riskante Schwäche bei 5G beheben

Der Konzern will Schlüsseltechnologien selbst beherrschen. Beim 5G-Standard ist das bislang nicht gelungen. Das Forschungszentrum in Bayern soll das ändern.Joachim Hofer, Stephan Scheuer 28.09.2022 - 14:26 Uhr Artikel anhören

Die Entwickler des Unternehmens sollen an der 5G-Technologie des Unternehmens feilen.

Foto: Apple

München, San Francisco. Erst das Vergnügen, dann die Arbeit: Den Dienstagabend verbrachte Apple-Chef Tim Cook auf dem Oktoberfest. Am nächsten Morgen war der Manager trotzdem topfit – und hatte gute Nachrichten für seine mehr als 2000 Ingenieure in München. Es werde weiter Personal aufgebaut in der bayerischen Metropole, erklärte der Konzernchef vor Reportern. „München leistet einen bedeutenden Beitrag für das Unternehmen.“

Ein paar Hundert Meter entfernt vom Hauptbahnhof ist der US-Technologiekonzern gerade dabei, ein neues Zentrum für die Chipentwicklung zu bauen. Noch ist ein Zaun um das Areal gezogen, auf dem früher ein Autohaus stand. In den nächsten Wochen sollen die ersten Mitarbeiter einziehen, die bislang über das Stadtgebiet verteilt sind. „Wir könnten hier nicht zufriedener sein“, betonte Cook.

Die Halbleiterspezialisten in München spielen eine zentrale Rolle in Cooks großem Plan: „Wir wollen alle Kerntechnologien, die wir für unsere Produkte benötigen, selbst beherrschen“, unterstrich der 61-Jährige. Dies sei der Schlüssel, um sich vom Wettbewerb abzuheben.

Ausgerechnet bei der Zukunftstechnologie 5G, dem neuen Mobilfunkstandard, hat Apple dieses Ziel jedoch noch nicht erreicht. Der US-Konzern ist abhängig von Qualcomm, dem weltweit führenden Anbieter von Handychips.

Selbst in den erst im September vorgestellten Spitzengeräten iPhone 14 Pro und iPhone 14 Max verbaut Apple die Qualcomm-Modems Snapdragon X65.

Apple investiert eine Milliarde in München

Das soll sich in Zukunft ändern. Mit großem Aufwand tüfteln die Teams in München an neuen Halbleiter-Lösungen. Zu konkreten Projekten wollte sich Apple-Technikchef Johny Srouji am Mittwoch in München zwar nicht äußern. Aus Konzernkreisen heißt es aber, der Standort sei enorm wichtig, um eigene 5G-Modems zu entwickeln.

Vergangenes Jahr hatte Apple angekündigt, in München über drei Jahre hinweg eine Milliarde Euro in die Chipentwicklung zu investieren. Die bayerische Landeshauptstadt sei das größte Entwicklungszentrum des iPhone-Konzerns in Europa, sagte Cook am Mittwoch. Im Vergleich zu den rund 22 Milliarden Dollar, die Apple allein im Jahr 2021 für Forschung und Entwicklung ausgegeben hat, ist das jedoch nur ein kleiner Betrag.

Trotz des Lobs des Apple-Chefs ist unklar, wie weit die Spezialisten in München mit der Entwicklung des 5G-Modems sind. Analyst Ming-Chi Kuo von TF International Securities berichtete jüngst von zeitlichen Verzögerungen. „Meine letzte Umfrage deutet darauf hin, dass Apples eigene iPhone-5G-Modem-Chip-Entwicklung gescheitert sein könnte, sodass Qualcomm exklusiver Lieferant für 5G-Chips der neuen iPhones im zweiten Halbjahr 2023 bleiben wird.“

Zuvor war der US-Riese davon ausgegangen, bereits im laufenden Jahr die Abhängigkeit von Qualcomm-Modems auf 20 Prozent zu reduzieren. Nun bleibe Apple aber vermutlich weiter zu 100 Prozent bei dem kalifornischen Chipanbieter.

Eigene Modems und Prozessoren könnten Apple einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil bringen.

Foto: Apple

Die eigene Entwicklung von 5G-Modems hat für Apple gleich mehrere Vorteile. Der wohl größte: Apple könnte auf maßgeschneiderte Chips zurückgreifen und sich so differenzieren. Darüber hinaus würde Apple sich unabhängiger von Lieferanten wie Qualcomm machen. Apple und Qualcomm haben über Jahre hinweg über Patente vor Gericht gestritten.

Zweitens könnte Apple Geräte wie das iPhone kompakter bauen. Noch sind Prozessor und Modem bei Apple meist getrennt. Durch die eigene Entwicklung der Modems könnte das Unternehmen beide Technologien zusammenführen, um Smartphones kleiner und leistungsfähiger zu machen.

Drittens könnte Apple Geld sparen. Allein im Jahr 2021 gab das Unternehmen laut Berechnungen des Marktforschers Gartner rund 68 Milliarden Dollar für den Kauf von Chips aus. Der Konzern ist damit der mit Abstand größte Kunde der Halbleiterindustrie weltweit.

„Apples erster Prozessor hat eine Schockwelle in der Branche ausgelöst“

Die Beschäftigten in München kümmern sich indes nicht nur um Mobilfunk. Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt ist die Stromversorgung von Chips, das sogenannte Power-Management. Dabei habe der Standort einen wesentlichen Beitrag bei der Entwicklung von Prozessoren für die Mac-Laptops geleistet, so Cook.

Den ersten eigenen Computer-Prozessor M1 hatte Apple vor zwei Jahren auf den Markt gebracht und sich damit vom langjährigen Hauslieferanten Intel getrennt. Den weiterentwickelten M2 stellte Cook diesen Sommer vor.

Prozessoren sind das Gehirn eines jeden Rechners. Dass es Apple gelungen ist, eigene leistungsstarke Prozessoren zu entwickeln, ist keineswegs selbstverständlich. „Die Geburt von Apples erstem Prozessor für Personal Computing löste eine Schockwelle in der Branche aus“, so die Marktforscher von Yole. Kein anderer Computerproduzent hat das bislang geschafft.

Fast alle PCs und Notebooks, auch die von Apple, wurden bislang mit Prozessoren von Intel und AMD bestückt. Sie nutzen die X86-Architektur. Lediglich sehr leichte Notebooks sowie die sogenannten Chromebooks liefen mit Prozessoren, die aufbauen auf dem Chipdesign der britischen Technologieschmiede Arm. Die Arm-Architektur war im Wesentlichen Smartphones vorbehalten.

Apple hat das geändert. „Apples M1 zeigte, dass diese Architektur sowohl beim Stromverbrauch als auch bei der Leistung konkurrieren kann“, so die Analysten von Yole.

München: So attraktiv wie das Silicon Valley

Der Konzern aus Cupertino ist seit mehr als 40 Jahren in München vertreten, hat aber erst in den letzten Jahren so richtig losgelegt. 2015 erwarb Apple das Münchener Digitalunternehmen Metaio, einen anerkannten Spezialisten für Virtual Reality. 2019 kam von Intel das Geschäft mit Smartphone-Modems dazu, das bis 2010 zum Münchener Chiphersteller Infineon gehört hatte. Und schließlich haben die Amerikaner vor drei Jahren auch noch Teile des deutsch-britischen Zulieferers Dialog Semiconductor akquiriert, der vor den Toren der Stadt ansässig ist.

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Cook verglich am Mittwoch München sogar mit dem Silicon Valley: So wie der berühmte Landstrich in Kalifornien, so sei auch die bayerische Metropole ein Ort, „an dem die Leute gerne leben wollen“. Gerade bei der Anwerbung ausländischer Fachkräfte sei das ein gutes Argument.

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